Meine Woche

Kampf gegen die Messe

Christine Richter über die Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer

Es gibt mächtig Ärger, hinter den Kulissen zwar, aber dort tobt der Kampf umso schärfer: Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) hat sich – wie ihre nach kurzer Zeit im Amt gescheiterte Vorgängerin Sybille von Obernitz – die Berliner Messe ausgeguckt, um ihre Macht in Berlin zu demonstrieren.

Seit Wochen versucht die CDU-Politikerin, die Wiederwahl des bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden der Messe, Hans-Joachim Kamp, zu verhindern. Der macht seit Jahren einen guten Job in Berlin und würde das Amt gerne noch einmal wahrnehmen. Von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), die für die Internationale Funkausstellung (IFA) verantwortlich ist, ist Kamp auch wieder für den Aufsichtsrat nominiert worden. Noch einmal vier Jahre möchte der ehemalige Philips-Manager, der sich 2009 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte, aber immer noch Aufsichtsratschef bei Philips ist, die Geschicke der Messe mitgestalten. Yzer jedoch will – gegen den Rat der führenden Wirtschaftsvertreter in der Stadt wie der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer – Kamp loswerden.

Das „Vertrauensverhältnis“ sei gestört, so die Senatorin vor einigen Wochen zu Kamp. Grund ist offensichtlich die Entscheidung für Christian Göke als neuen Messechef – den Yzer damals, im Sommer 2013 nicht wollte, der sich jedoch nach den Auswahlverfahren auf Platz eins unter allen Bewerbern durchgesetzt hatte. Kamp warb ebenfalls für Göke als neuen Vorstandsvorsitzenden der Messe – unterstützt von der Wirtschaft. Der CDU-Landeschef Frank Henkel hatte schließlich, entsetzt über Yzers Alleingang gegen Göke, eingegriffen und dafür gesorgt, dass dieser den Job bekam.

Doch nun will die Senatorin wohl beweisen, dass sie gegen Kamp – und damit auch gegen Göke – am längeren Hebel sitzt. So suchte sie schon bundesweit nach einem neuen Kandidaten für den Messe-Aufsichtsratsvorsitz – den sie auch fand. Doch der zog seine Bewerbung sofort zurück, als er von Kamp persönlich erfuhr, dass dieser gerne weitermachen will. Die Sache ist seitdem immer kritischer geworden, denn Kamp kann in der geheimen Wahl – geplant für den 7. Juli – sehr wohl damit rechnen, wiedergewählt zu werden. Um einer solchen Niederlage zu entgehen, kam die Wirtschaftssenatorin nun auf eine neue Idee. Jetzt soll die gfu keinen Sitz mehr im Aufsichtsrat erhalten. Und dies, obwohl sie mit der IFA verantwortlich ist für eine der fünf Leitmessen in Berlin – neben der Grünen Woche, der Internationalen Tourismusbörse ITB, der Fruit Logistica und der Verkehrsmesse Innotrans. Es gehörte bislang zum guten Stil, dass die Vertreter der Leitmessen im Aufsichtsrat vertreten sind.

Yzer argumentiert in der Berliner CDU, dass ihr Verhältnis zu Kamp nicht mehr vertrauensvoll sei. Und dass sie einen Aufsichtsratschef haben wolle, der noch „operativ“ tätig sei. Und dass man auch andere Wirtschaftsbereiche in den Aufsichtsrat aufnehmen müsse. Die führenden Christdemokraten hören die Argumente wohl, können sie aber nicht nachvollziehen. „Was soll das? Die Messe Berlin arbeitet doch erfolgreich“, heißt es. Im Mai eröffnet der City Cube, die neue Ausstellungshalle für Berlin, über mangelnde Auslastung gibt es keine Klagen.

Und so fragt man sich in der Berliner CDU und in der Wirtschaft, warum die Senatorin den Konflikt mit der Messegesellschaft ohne Rücksicht auf Verluste führt. „Frau Yzer schadet dem Wirtschaftsstandort Berlin“, heißt es schon bei Unternehmern. Ein schlimmeres Zeugnis kann es für eine Wirtschaftssenatorin kaum geben.

Christine Richter leitet gemeinsam mit Gilbert Schomaker die Lokalredaktion. Nächsten Sonntag schreibt Gilbert Schomaker über seine Woche in Berlin.