Tierschutz

1700 Wellensittiche in Wohnung – Aktion gegen Tierhortung

Wellensittiche flatterten durch die Wohnung in Spandau – nicht zwei, drei oder vier Vögel lebten in den drei Zimmern, sondern insgesamt 1700 Tiere.

Viele Fälle von Tierhortung sind zwar weniger spektakulär als jener der Wellensittiche, aber ebenso tragisch, sagt die Leiterin der Geschäftsstelle Berlin des Vereins „Aktion Tier“, Ursula Bauer. Etwa dreimal im Jahr müsse sie sich um verwahrloste, traumatisierte Tiere kümmern.

Viel häufiger laufe „Animal Hoarding“ jedoch im Verborgenen, meint Bauer. Weder die Veterinärämter der Berliner Bezirke noch die Senatsverwaltung führen Statistiken zur Tierhortung. Viele „Animal Hoarder“ seien Katzenbesitzer, sagt die Sprecherin des Tierschutzvereins, Evamarie König. Der Tierschutzverein für Berlin betreibt eines der größten Tierheime in Europa. Von den Behörden fordert Evamarie König „engmaschigere Kontrollen“ und Haltungsverbote nach dem Aufdecken solcher Fälle. Es sei zu einfach für Horter, schnell wieder an Tiere zu kommen. Auch Ursula Bauer beklagt, die Veterinärämter zögerten häufig, Tierhalteverbote auszusprechen und die Tiere zu beschlagnahmen. Vor allem sei ein Zentralregister von Tierhortern nötig, da es sich oft um Wiederholungstäter handele. Diese Menschen seien psychisch krank, es beschäftigten sich aber keine Psychologen mit der Krankheit.

Der Potsdamer Neurologe Gerd Teschke sieht es ähnlich. Er erforscht zwar nicht das „Animal Hoarding“, wohl aber das verwandte Messie-Syndrom. Die Tierhortung sieht er als „besondere Funktion“ dieses Syndroms. „Messies“ definiert er als Menschen mit Organisationsproblemen, vor allem im Haushalt, die häufig mit sozialer Inkompetenz und Zwangsstörungen oder ADHS einhergingen. Zur Früherkennung des Problems hat die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes eine Checkliste veröffentlicht. Demnach handelt es sich um einen beginnenden Fall von Tierhorten, wenn mehr als die durchschnittliche Zahl von Tieren gehalten werden, also mehr als etwa drei Hunde, drei bis vier Katzen oder fünf Nager. Zudem, wenn diese auf zu engem Raum gehalten werden.