Schiffsverkehr

Krisenplan für die Mühlendammschleuse

Reedereien fordern nach Unfall längere Öffnungszeiten des zweiten Tors

Reedereien fordern längere Öffnungszeiten der Berliner Mühlendammschleuse. Das ergab eine Krisensitzung am Mittwoch zwischen dem Berliner Reederverband und Vertretern von 15 Reedereien.

Am Sonnabend rammte ein Tanklastschiff das Südtor am Mühlendamm. Dabei wurde das Schleusentor komplett beschädigt. Die zweite, noch funktionierende Kammer müsse jetzt optimal genutzt werden, „damit Ausflugsschiffe so wenig wie möglich beeinträchtigt werden“, so Gersbeck. Verlängerte Öffnungszeiten würden dabei helfen. So könnten Frachtschiffe möglichst morgens und abends – und nicht während der für Ausflugsschiffe wichtigsten Zeit zwischen 11 und 15 Uhr – durch die Innenstadt fahren. Kleinere Schiffe, die kürzer als 65 Meter sind, sollten über Kleinmachnow umgeleitet werden.

Schifffahrtsgäste sollen Berlins Wassertouren wie gewohnt genießen können. Die Mühlendammschleuse nahe der Museumsinsel sei insbesondere für touristische Schifffahrten von Bedeutung, denn die „Brückentour“ ist bei Berlin-Touristen eine der beliebtesten. Jede halbe Stunde beginnen hier Touren – und dieser dichte Sommerfahrplan soll eingehalten werden.

Die Reedereien hätten sich während des Treffens geeinigt, sich untereinander per Funk zu koordinieren, um Staus am Mühlendamm zu minimieren. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass das gut funktionieren wird“, sagte Gersbeck. „Wir kennen uns alle schon lange und arbeiten sehr gut miteinander“.

Geringe Wartezeiten für Fahrgäste

Trotzdem sollten sich Fahrgäste auf Wartezeiten einstellen. „Aber länger als 15 Minuten Verzögerung sollte es nicht geben“, sagte Jürgen Loch, Geschäftsführer der „Stern und Kreisschiffahrt GmbH“, nach eigenen Angaben Berlins größte Reederei.

Einen wirtschaftlichen Schaden wegen abgeschreckter Fahrgäste erwartet Loch nicht. Eher befürchtet er finanzielle Einbußen. Diese erwartet er, wenn das Problem nicht schnell gelöst wird.

Das Schleusentor muss nämlich ersetzt werden, denn das alte Tor stammt aus der Zeit der 90er-Jahre. Mittlerweile gibt es neue EU-Normen. Voraussichtlich kostet der Ersatz des Tores rund 1,5 Millionen Euro und dauert ein halbes Jahr. Nach Richtlinien muss der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden, sagte der Leiter des Berliner Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA), Michael Scholz.

Das wollen die Reedereien verhindern. „Wir befinden uns in einer Notsituation. Die Mühlendammschleuse ist die verkehrsreichste Deutschlands. Das sollte das WSA in Betracht ziehen und den Auftrag freihändig vergeben“, so Loch.

Scholz aber meinte, der Umfang des Schadens muss zuerst erfasst werden. Erst danach, so sagte er, könne entschieden werden, ob eine Ausnahme möglich sei und ob der Auftrag direkt vergeben werden könne.