Meine Woche

Im Moor versickert

Gilbert Schomaker über Klimaschutz in Berlin

Die vergangenen Tage waren mit Sonne und 20 Grad wieder herrlich in Berlin. Doch Klimaforschern bereitet das Sorgen. Auch wenn die Erderwärmung sich nicht an einzelnen Sommertagen im März festmachen lässt, so sind die steigenden Durchschnittswerte für Wissenschaftler, wie den Direktor des Potsdamer Klimainstituts Hans Joachim Schellnhuber, unverkennbare Alarmzeichen, dass die Erde sich aufgrund des Ausstoßes von Kohlendioxid erwärmt. Anfang der Woche forderte er, dass sich auch Berlin dem Umbau der Energieversorgung stellt. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll auf 60 Prozent bis 2050 steigen, der CO2-Ausstoß sich um 17 Millionen Tonnen pro Jahr verringern. Große Ziele. Vor allem wenn man sieht, wo Berlin im Moment steht. Bisher gibt es nur einen geringen Anteil an strombetriebenen Autos. Auch bleibt bei vielen Anstößen die Frage der Verhältnismäßigkeit. Wenn also Berlin mit einem eigenen Stadtwerk und Windkrafträdern Strom erzeugen will, ist das löblich. Doch Ökostrom gibt es schon. Es bleiben Zweifel, wieso ein Berliner Stadtwerk, das zwar Strom produzieren, nicht aber mit ihm handeln soll, sich am Ende auch wirtschaftlich rechnet. Die Fragen hat auch der Chef der Wasserbetriebe Jörg Simon aufgeworfen, der das Stadtwerk umsetzen soll.

Über Sinn und Unsinn bestimmter Klimaschutzprojekte kann man trefflich streiten. Die Senatoren und ihre Mitarbeiter zum Beispiel müssen aufgrund eines Senatsbeschlusses bei dienstlichen Flugreisen aus ihrem Etat eine Klimaabgabe bezahlen. 39.769 Euro kamen so im vergangen Jahr zusammen. Wie die Stadtentwicklungsverwaltung in einem Bericht an das Abgeordnetenhaus mitteilt, floss das Geld in Moore. In die Renaturierungsprojekte „Kleine Pelzlaake“ und „östlicher Moorarm der Krummen Laake Müggelheim“ – bisher insgesamt 168.000 Euro. Wie es in dem Bericht heißt, wurde damit die Wiederbesiedlung offener Moorflächen mit moortypischen Pflanzen ermöglicht. Es gibt bestimmt gute Gründe, das Geld im Moor versickern zu lassen. Doch wäre es nicht effizienter, auch klimatechnisch – und für die Berliner Kinder sinnvoller – das Geld in neue Fenster für Schulen zu stecken?

Gilbert Schomaker leitet gemeinsam mit Christine Richter die Lokalredaktion. Nächsten Sonntag schreibt Christine Richter über ihre Woche in Berlin.