Naherholungsgebiet

Der schönste Weg zum Potsdamer Platz

Ein 5,5 Hektar großer Park verbindet den Park am Gleisdreieck mit dem Naturpark Südgelände

Die Hauptstadt hat einen grünen Erholungsort mehr: Am Freitag ist der sogenannte „Flaschenhalspark“ im Bezirk Tempelhof-Schöneberg offiziell eröffnet worden. Er ist 5,5 Hektar groß und verbindet den Park am Gleisdreieck mit dem Naturpark Schöneberger Südgelände. Durch den neuen Park, der auf ehemaligem Bahngelände entstand, führt der Fernradweg Berlin-Leipzig. „Für die Bewohner der angrenzenden Kieze ergeben sich neue Möglichkeiten der Naherholung“, erklärte Berlins Senator für Stadtentwicklung, Michael Müller (SPD), bei der Eröffnung. Den ungewöhnlichen Namen „Flaschenhals“ verdankt die Grünanlage ihrer Form, die einer auf den Kopf gestellten Flasche ähnelt. Der Park zwischen Yorckstraße und Monumentenbrücke hat inklusive des Radwegs rund zwei Millionen Euro gekostet.

Am Eröffnungstag ist der Park schon gut bevölkert. Fahrradfahrer, Jogger und Spaziergänger erkunden die neuen Wege und sind fast durchweg begeistert. „Das war ja alles totes Gelände hier. Deswegen finde ich den Park absolut gelungen“, sagt der Ur-Kreuzberger Reinhard Benzin. Er habe von der U-Bahn aus immer die Baufortschritte betrachtet und war angesichts der Dimensionen fasziniert. Günter Gahlert sieht den „Flaschenhals“ in jedem Fall als eine „positive Entwicklung“. „Früher war da ja nichts, man musste umständlich um die Brachfläche herumgehen.“ Als Marathonläufer freut er sich besonders über die durchgehende Strecke in den Süden.

Die Planer des neuen Abschnitts haben mit Absicht einen großen Teil der alten Eisenbahngleise stehen gelassen. Mitten durch einen kleinen Wald gibt es sogar einen speziellen Joggerweg auf den Schienen. Um die Gelenke der Läufer zu schonen, wurde das Gleisbett mit Rindenmulch aufgefüllt. Fahrradfahrer können auf dem weichen Untergrund jedoch schlecht fahren.

Aufwertung der Gegend

„Eine interessante Erfahrung, aber auf meinem Rad nehme ich nächstes Mal wieder den normalen Weg“, sagt Matthias Reetz. Der neue Flaschenhals ergänze sich wunderbar zum Gleisdreieck. Der ganze Park sei eine enorme Aufwertung für eine der früher „hässlichsten Gegenden“, so Reetz, der seit 1983 im Kiez wohnt. Weniger schön sei die Entwicklung, dass statt günstigem Wohnraum immer neue Eigentumswohnungen am Rande des Parks gebaut werden. Die Sanierung der Gleisdreieck-Grünfläche trage sicher seinen Teil dazu bei.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für ihn der fehlende Übergang zum Ostpark. Parkbesucher müssen dafür immer noch die viel befahrene Yorckstraße überqueren. Vom Flaschenhals führen aber noch mehrere Eisenbahnbrücken über die Straße, die jedoch noch nicht restauriert sind. Dies wird auch von der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e.V. kritisiert. Sie wirft der Senatsverwaltung vor, nicht rechtzeitig mit der Deutschen Bahn über die Brücken verhandelt zu haben und auch nicht für einen Zebrastreifen oder eine Fußgängerampel gesorgt zu haben.

Laut Leo Grosch, dem Gestalter des Parks, hätte die Brücke bereits saniert sein können, es fehlte bislang jedoch die Finanzierung. Für die Schöneberger Bezirksstadträtin Sybille Klotz ist ein sicherer Übergang „dringend erforderlich“, sie wünscht sich dafür eine baldige Brückensanierung sowie eine Ampel als kurzfristige Lösung.

Weiter nördlich, in den Teilen des Gleisdreieckparks, die letztes Jahr bereits fertig saniert wurden, wird das grundsätzlich positive Echo bestätigt. Im Westpark, gelegen zwischen der U-Bahn U1 und dem Schöneberger Ufer, sieht man am Freitagvormittag noch relativ wenige Menschen. Die ganze Flottwellstraße entlang wird gebaut, vom Park aus sind allein sieben im Entstehen begriffene Gebäude und acht Baukräne zu sehen. Abgesehen davon ist es sehr übersichtlich und aufgeräumt. Das findet auch Chau Ha Dao-Bär, die gerade ihren einjährigen Sohn im Kinderwagen spazieren fährt: „Mir gefällt der Park sehr gut, weil es viel Platz für Kinder gibt.“ Allein die Baustelle störe sie ein wenig auf ihrem täglichen Parkbesuch. Jahsin Mac arbeitet in der Nähe am Potsdamer Platz. „Ich finde die Parksanierung eine positive Entwicklung, weil ich mitten in der Stadt sofort im Grünen bin“, sagt Mac, die sonst in Adlershof wohnt. Ein Pluspunkt sei die Aussicht auf die Bahnstrecken der U1 und U2. „Das passt einfach zu Berlin“, findet Mac. Zwar kämen schon mehr Familien in den Park, von einem Wandel im Kiez sei jedoch noch nichts zu spüren. Dies würde sich ändern, wenn die Eigentumswohnungen im Westpark fertig sind. Britta Steiger hofft darauf, „dass nicht alles zugebaut wird“. Sie wohnt seit zehn Jahren im Kiez. Für sie ist der Park ein Ort für sportliche Aktivitäten wie Fußball, Skateboarden und Yoga.