Kommentar

Geschenk mit Nebenwirkungen

Florentine Anders über kostenlose Kitas

Schnell haben wir uns daran gewöhnt, dass die letzten drei Jahre in der Kita gebührenfrei sind. Im Jahr 2011 wurde die letzte Stufe des Wahlversprechens des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) eingelöst, und niemand stellt es mehr infrage. Bildung soll kostenlos sein, von der Kita bis zur Uni. Da ist es nur folgerichtig, dass die SPD nun auch die ersten drei Kitajahre für die Eltern kostenlos machen will. Allerdings gab es schon damals kritische Stimmen, sogar aus dem SPD-Lager. Denn von dem Geschenk werden vor allem besser verdienende Eltern profitieren, die hohe Gebühren bezahlen. Geringverdiener sind bereits jetzt weitgehend von Kosten befreit. Es fehlt aber in den Kitas an Geld für eine Qualitätsoffensive. In den Kindertagesstätten droht auf diesem Feld schon jetzt ein massiver Einbruch. Grund ist der Fachkräftemangel. Erzieher werden zu schlecht bezahlt, obwohl die Ausbildung sehr anspruchsvoll geworden ist. Viele Absolventen entscheiden sich daher, lieber noch ein Hochschulstudium abzuschließen, um nicht in den teilweise prekären Arbeitsverhältnissen in den Kitas zu landen. Zunehmend sind die Einrichtungen auf Quereinsteiger angewiesen. Doch während sich für den Schuldienst binnen weniger Wochen mehr als 1000 Akademiker für den Quereinstieg beworben haben, ist das Interesse für die Kitas angesichts der wenig attraktiven Arbeitsbedingungen eher gering. Die Folge ist, dass frei werdende Stellen nicht mehr schnell genug besetzt werden können. Was das bedeutet, erleben derzeit viele Eltern: Gruppen müssen zusammengelegt, Ausflüge und Projekte gestrichen werden, Entwicklungsgespräche finden nicht mehr statt, Öffnungszeiten werden eingeschränkt. Der vorgeschriebene Personalschlüssel existiert oft nur noch auf dem Papier. Auch wenn Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) immer wieder betont, dass der Ausbau der Kitaplätze nicht wie in anderen Bundesländern mit einem Abbau der Qualitätsstandards verbunden ist, erleben Eltern in der Praxis das Gegenteil.

Angesichts dieser Entwicklung kann es die Familien kaum freuen, wenn jetzt von einer kompletten Gebührenfreiheit die Rede ist. Das Geld wird fehlen, um sicherzustellen, dass die Kita tatsächlich eine Bildungseinrichtung bleibt.