Kriminalität

Nagelsperren vor dem Flughafen

Verdächtiger Fahrer rast zum Airport Tegel. Polizei sperrt Abfahrten. Trotzdem gelingt die Flucht

Ein bislang unbekannter Autofahrer hat sich am Montagabend eine Verfolgungsjagd mit der Polizei von Mitte bis nach Reinickendorf geliefert und dabei zahlreiche Menschen in Gefahr gebracht. Zeitweilig mussten alle Zufahrten des Flughafens Tegel gesperrt werden, weil der rücksichtslose Mann im Bereich der Terminals herum raste. Schließlich ließ er seinen Wagen zurück und entkam zu Fuß. Eine Suchaktion mit einem Großaufgebot von Polizisten blieb erfolglos. Verletzt wurde niemand.

Gegen 20.20 Uhr war einer Funkstreifenbesatzung des Abschnitts 33 an der Beusselstraße in Moabit ein Alfa Romeo mit Kurzzeitkennzeichen aufgefallen. Die Beamten entschlossen sich, den Wagen zu kontrollieren, der Fahrer kam aber mehreren Aufforderungen nicht nach, seinen Wagen zu stoppen. Stattdessen fuhr er unbeirrt weiter. Als er schließlich an der Goerdelerdammbrücke wegen roten Ampellichts stoppen musste, stellten die Polizisten ihren Wagen vor den Alfa Romeo, um ihn so an der Weiterfahrt zu hindern. Doch der Mann legte den Rückwärtsgang ein, wendete und raste Richtung Saatwinkler Damm davon. Bei seiner Flucht vor der Polizei fuhr der Mann immer wieder in den Gegenverkehr. Mehrere Autofahrer mussten scharf bremsen, um Zusammenstöße zu vermeiden. Letztlich raste der Unbekannte zum Flughafen Tegel und fuhr dort über die Auffahrt zum Terminal A/B. Über Funk alarmierte Polizisten sperrten in der Folge alle Zu- und Abfahrten zu dem Flughafen-Gebäude, um andere Personen davon abzuhalten, in die Gefahrenzone zu gelangen. Schließlich verließ der Verfolgte mit hoher Geschwindigkeit wieder den Terminal und fuhr über eine Wendeschleife zurück zum Flughafen. In der Tiefgarage stellte er den Wagen ab. Er konnte zu Fuß entkommen.

Fahrzeuge kontrolliert

Die eingesetzten Polizisten kontrollierten in der Folge zahlreiche Fahrzeuge, deren Fahrer das Flughafen-Gelände verlassen wollten. „Wir konnten nicht ausschließen, dass er einen anderen Autofahrer unter Vorwand um eine Mitfahrgelegenheit gebeten hatte oder sich gewaltsam Zugang zum Kofferraum eines Autos verschafft hatte, um sich dort zu verstecken“, so ein Polizeisprecher. Die Suchaktion blieb allerdings erfolglos. Das Fahrzeug wurde beschlagnahmt. Ersten Erkenntnissen nach gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass der Alfa Romeo gestohlen worden war.

Verschiedene Szenarien sind denkbar. So könnte der Gesuchte den Wagen gerade erworben und mit den Kurzzeitkennzeichen ausgestattet haben, um ihn zu überführen. Denkbar ist ebenso eine Probefahrt eines zum Verkauf stehenden Wagens. Ein Polizist will nicht ausschließen, dass der Mann keinen Führerschein hatte oder betrunken war und deshalb eine Kontrolle durch die Beamten fürchtete. Sollte der rücksichtlose Fahrer ermittelt werden, droht ihm ein Strafverfahren wegen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“. Sollte sich herausstellen, dass er keinen gültigen Führerschein besitzt, erhöht sich die Strafe dementsprechend. Hinweise zu dem Gesuchten nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Interessant sind für die Ermittler auch Film-Sequenzen, die Augenzeugen möglicherweise mit ihren Mobiltelefonen gemacht haben könnten.

Für alle An- und Abreisenden war die komplette Abriegelung des Flughafens Tegel Montagabend eine Art Ausnahmezustand. Flughafenbusse, Taxen und Privatwagen steckten in einer nahezu unbeweglichen Kolonne im Stau fest. Das schier unüberwindliche Nadelöhr befand sich südlich des Tunnels unmittelbar vor den Terminalzufahrten.

Auf der dreispurigen Zufahrt hatte sich ein Streifenwagen mit Blaulicht quer über zwei der drei Fahrspuren gestellt, auf der Ausfahrt standen mehrere Polizeifahrzeuge, die Polizisten ließen jedes Fahrzeug nur nach Kontrolle durch eine schmale Lücke passieren. Die Folge war ein Stauchaos, das bis zu den Terminals reichte.

Hunderte Fluggäste im Stau

Hunderte von Fluggästen, die nach den zahlreichen abendlichen Landungen vom Airport in Richtung Stadt wollten, mussten sich in Geduld üben. Betroffen waren auch viele Mitarbeiter am Flughafen. „Ich hatte um 21 Uhr Dienstschluss im Duty-Free-Shop am Terminal C und wollte mit einer Kollegin gemeinsam nach Hause fahren“, berichtete die Promoterin Marion Antoniadis-Scherle am Dienstag. „Mein Freund holte mich und meine Kollegin Constanze mit dem Wagen ab und sagte mir gleich, dass sich die Heimfahrt wohl hinziehen kann, weil es einen Großeinsatz der Polizei gibt. Jedes Fahrzeug, das den Flughafen verlassen will, wird kontrolliert.“ Für die kaum 400 Meter bis zur Ampelkreuzung am Saatwinkler Damm habe sie mehr als eine Stunde benötigt, so die Steglitzerin weiter. Informationen über den Grund der Kontrollen gab es nicht, auch der Verkehrsfunk im Radio habe nichts von den Verkehrsbehinderungen berichtet.

Ein Rettungswagen der Feuerwehr, der mit Blaulicht und Martinshorn vom Außenring stadteinwärts wollte, kam kaum voran, weil die dicht gedrängten Autos und Busse im Stau kaum in der Lage waren, eine Gasse zu bilden. Ständige Spurwechsel der wartenden Autofahrer machten das Stauchaos komplett. Erst gegen 22.40 Uhr wurde der Verkehr wieder flüssiger, gegen 23.30 Uhr waren die Beeinträchtigungen vorbei.