Stadtplanung

Tunnel für Dresdner Bahn in Lichtenrade wieder fraglich

Bürgerinitiative befürchtet Rückzieher des Bahn-Konzerns. Warten auf Gespräch

Bei der „Bürgerinitiative Lichtenrade Dresdner Bahn“ ist nach der Euphorie der vergangenen Wochen Ernüchterung eingekehrt. Seit mehr als 15 Jahren kämpft die Initiative dagegen, dass die Fernzüge nach Dresden und Prag ebenerdig durch ihren Ortsteil rollen und fordert einen Tunnel. Ende Januar hatte Bahnchef Rüdiger Grube vor Bundestagsabgeordneten erstmals zu erkennen gegeben, dass auch er den Tunnel befürworte. Damit schien für die Lichtenrader der Weg frei. Davor hatte die Bahn stets an der ebenerdigen Variante festgehalten. „Mit großer Freude“ reagierte die Initiative auf Grubes Äußerung und bat ihn am 5.Februar um ein Gespräch.

Am 27. Februar antwortete Ingulf Leuschel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin. In dem Brief heißt es: „Wir sind uns mit dem Land Berlin und dem Bund einig, das Thema ,Dresdner Bahn in Lichtenrade’ schnell einer Lösung zuzuführen.“ Dazu fänden Gespräche zwischen Senat und Bahn statt, in die auch das Bundesverkehrsministerium eingebunden sei. „Wesentliche Voraussetzung einer Lösung ist dabei auch die Finanzierbarkeit. Da zum heutigen Tag dazu noch keine belastbaren Erkenntnisse vorliegen, können wir darüber nicht verbindliche Aussagen treffen“, schrieb Leuschel.

„In dem Brief kommt das Wort Tunnel an keiner Stelle vor“, registrierte die Initiative entsetzt. Am 10. März schrieb sie daher erneut an den Vorstandsvorsitzenden der Bahn und bat um Klarstellung, was es mit dem Unterschied zwischen Grubes und Leuschels Darstellung auf sich hat. „Wir hoffen, dass wir einig bleiben, eine Tunnellösung in Lichtenrade zu erreichen“, erklärte die BI und erneuerte ihre Bitte um ein Gespräch. Eine Antwort der Bahn steht aus.

Zentraler Punkt sind die Mehrkosten. Genau beziffert wurden sie bislang nicht. Experten schätzen, ein Tunnel könne bis zu 100 Millionen Euro teurer als die ebenerdige Variante werden. Die Frage ist, wie diese Kosten aufgeteilt werden – und wer von den Beteiligten Bahn, Bund und Senat bereit ist, eine Summe zu nennen, mit der er sich beteiligen möchte. Berlin hatte angeboten, sich „in erheblichem finanziellen Umfang“ an einer Tunnellösung zu beteiligen, wenn Bund und Bahn dieses ebenfalls auf freiwilliger Basis tun. So teilte es die Senatskanzlei der BI im November 2012 mit. Im Koalitionsvertrag von SPD und CDU heißt es: „Das Land Berlin setzt sich beim Bund für eine Tunnelführung der Dresdner Bahn im Bereich Lichtenrade ein, unter Berücksichtigung des entsprechenden Landesanteils.“

Daher sieht das Bundesverkehrsministerium jetzt den Senat in der Pflicht. Ein Sprecher des Ministeriums verweist auf ähnliche Fälle in anderen Bundesländern, wo der Landesanteil an den Mehrkosten für einen Tunnel 50 Prozent betrage. „Das Bundesministerium für Verkehr ist gesprächsbereit. Wir warten auf ein Signal aus Berlin, ob und wie der Senat den Koalitionsvertrag mit Leben füllen will“, so der Sprecher. Die Senatsverkehrsverwaltung habe um ein Gespräch bei der Bahn gebeten, aber noch keine Antwort erhalten, sagte eine Sprecherin. Der Senat dränge seit Langem auf den Tunnel als Vorzugsvariante.