BER-Sitzung

Schönefeld – ein Flughafen mit Zukunft

Projektausschuss unterstützt Mehdorns Pläne, das alte Terminal für Billigflieger zu nutzen

Die Gesellschafter des Flughafens unterstützen den Plan des Geschäftsführers Hartmut Mehdorn, das alte Terminal des Flughafens Schönefeld auch nach der Eröffnung des neuen BER zur Abfertigung von Billigfliegern zu nutzen. Das war ein Ergebnis einer Sitzung des Projektausschusses des Aufsichtsrates am Freitag. Mehdorn solle so schnell wie möglich alle notwendigen Details vorlegen, um diese Planänderung zu ermöglichen. Der Ausschussvorsitzende, Bundes-Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba, sprach nach der Sitzung von einer Lösung „mit Charme“. Mehdorn will mit dem alten DDR-Regierungsflughafen den sich abzeichnenden Kapazitätsengpässen auf dem BER begegnen. Wenn der BER eröffnet, dürfte der Berlin-Flugverkehr auf 27 bis 28 Millionen Passagiere pro Jahr angewachsen sein. Damit wäre der BER in seiner bisher geplanten Form voll ausgelastet.

Fünf Stunden tagten Mehdorn, der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Wowereit sowie weitere Mitglieder des Kontrollgremiums im Verwaltungsgebäude der Flughafengesellschaft am Airport Tegel. Und obwohl vor allem Vertreter des Bundes vor der Sitzung Klarheit über Budget und Zeitplan zu einer Eröffnung des BER angemahnt hatten, blieb der Flughafenchef auch diesmal wieder Antworten auf diese entscheidenden Fragen schuldig.

Vor der Sitzung hatte der Bund den Druck auf Mehdorn erhöht, einen Eröffnungstermin für das Milliardenprojekt zu nennen. „Ich bin ungeduldig und ich bin auch etwas sauer“, sagte Verkehrsstaatssekretär Bomba nach seiner Ankunft am Tagungsort. „Ich brauche keine Nebenkriegsschauplätze, ich brauche Fortschritt, ich brauche Termine und ich brauche Kosten“, sagte Bomba. „Herr Mehdorn hat uns versprochen, dass das in den nächsten Tagen kommt.“

Wowereit stärkt Mehdorn Rücken

Die Debatte hinter verschlossenen Türen verlief nach Angaben von Teilnehmern deutlich entspannter, als derartige Ansagen vermuten ließen. Der Bund und Brandenburg haben es eiliger und drängten Mehdorn, einen Termin zu nennen. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit unterstützte hingegen eher den Flughafenchef. Beide wollen auf keinen Fall einen Starttermin nennen, solange dieser nicht 100-prozentig zu halten ist. Mehdorn selbst will dem Vernehmen nach ein Datum erst zwölf Monate vor dem Start nennen. So lange brauchen die Fluggesellschaften, um sich auf einen neuen Airport einzurichten. Wowereit stärkte Mehdorn am Freitag abermals den Rücken. „Herr Mehdorn hat seine Position und die hat er vertreten. Insofern kämpft er für die Interessen des Flughafens“, sagte Wowereit und bezog sich auf den Widerstand des Flughafenchefs gegen ein strikteres Nachtflugverbot. „Da hat er die volle Unterstützung des Landes Berlin und auch des Bundes. Insofern ist da ein Einklang.“

Die Runde beriet auch über die Nachforderungen von Baufirmen und anderen am BER engagierten Unternehmen. Deren Zahl und Umfang können sich stark auf die Gesamtkosten des Projektes auswirken. Die Aufseher erfuhren, dass es ursprünglich 11.000 solcher Nachträge gegeben habe. Inzwischen sind noch 1600 bei der Flughafengesellschaft in Bearbeitung, bis Ende des Jahres soll das Thema abgeschlossen sein.

Mehdorn machte abermals deutlich, dass der Eröffnungstermin von dem Tempo abhänge, indem die Arbeiten an der Entrauchungsanlage vorankommen. Von den fünf Losen, in die dieses Vorhaben aufgeteilt ist, seien drei vergeben. Auch Siemens arbeite bereits daran, die Steuerung der Be- und Entlüftungsklappen zu programmieren und warte nicht darauf, bis die endgültige Planungsmatrix für das Gesamtsystem vorliege. Diese Informationen bestätigten sowohl ein Sprecher der Flughafengesellschaft als auch ein Vertreter von Siemens. Ein Siemens-Sprecher teilte mit, für die ersten Segmente lägen Pläne vor, die das Unternehmen jetzt für seine Arbeiten nutzen könne. „Wir bleiben aber auch weiterhin vom fristgerechten Abschluss von Arbeiten Dritter abhängig.“ Darunter fällt etwa das Öffnen von Wänden.

Unklar blieb im Projektausschuss auch der Termin für die Sanierung der Nordbahn. Mehdorn hatte die Reparatur der bisher vom alten SXF genutzten Piste eigentlich im kommenden Sommer beginnen wollen, musste das Projekt aber wegen Schallschutzauflagen für die Anwohner der neuen Südbahn vertagen.

Planer gibt Flughafen die Schuld

Während Hartmut Mehdorn und die Aufsichtsräte sich den Fortschritten am BER widmen, untersuchten die Berliner Abgeordneten im BER-Untersuchungsausschuss die Ursachen des Debakels. Der federführende Architekt Hans-Joachim Paap aus dem Büro Gerkan sieht die „kleinteilige Auftragsvergabe“ und zahlreiche Planungsänderungen als Hauptgründe für die Verzögerungen an dem Bau.

„Die Hauptverantwortung für das Desaster liegt bei der Flughafengesellschaft“, sagte Paap am Freitag. Sie habe schon im April 2008 gewusst, „dass der Eröffnungstermin im Oktober 2011 nur mit unkonventionellen und risikobehafteten Maßnahmen einzuhalten war“. Paap war nach der geplatzten Eröffnung 2012 entlassen worden, arbeitet jetzt aber als Berater für den seit einem Jahr amtierenden Geschäftsführer Hartmut Mehdorn. Vertreter der Koalition im Ausschuss kritisierten die Aussagen des Architekten als „einseitig“. Auch die Planer hätten sich „überschätzt“, für die Komplexität der technischen Gebäudeanlagen trügen sie die Verantwortung. Die Grünen kritisierten, dass der Aufsichtsrat bis zur Absage des Starttermins 2012 die Generalplaner kein einziges Mal gehört habe.