Drogenproblem

Spürhunde, Polizeistreifen, Flugblätter

Kokain auf Spielplatz: Bezirksbürgermeisterin will Druck auf Dealer im Görlitzer Park erhöhen

Besorgte Eltern, resignierte Anwohner, aufgebrachte Politiker und Kriminalbeamte. Der Kokainfund auf einem Kinderspielplatz im Görlitzer Park hat das Drogenproblem im Kreuzberger Kiez erneut in den Mittelpunkt gerückt. Trotz ständiger Polizeikontrollen ist der Rauschgifthandel im Park zwischen Görlitzer und Wiener Straße offenbar nicht zu unterbinden. Friedrichshain-Kreuzbergs Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) steht zunehmend in der Kritik, bestreitet aber, dass es Absprachen mit Dealern gegeben habe. Die Politikerin kündigt an, mit zahlreichen Partnern ein Sicherheitskonzept für den „Görli“ entwickeln zu wollen. Insbesondere solle der Druck auf die Rauschgifthändler erhöht werden. Doch auch potenzielle Käufer könnten künftig präventiv angesprochen werden, sagte Herrmann am Donnerstag dieser Zeitung.

In der vergangenen Woche hatte ein kleines Mädchen im Sand eines Buddelkastens auf einem Kita-Spielplatz an der Wiener Straße in Zellophan eingewickelte Drogen gefunden. Die Untersuchung der Polizei ergab, dass es sich um Kokain-Kugeln handelte. Ein Verschlucken hätte Lebensgefahr bedeutet. Bei einer folgenden Durchsuchung wurde im Park neben reichlich Marihuana sogar die extrem gefährliche Partydroge Chrystal Meth sichergestellt.

Anwohner einbinden

Das will selbst die für einen liberalen Umgang mit weichen Drogen und Plänen für einen Coffeeshop bekannte Bezirksbürgermeisterin nicht tolerieren. Gemeinsam mit der Polizei, dem Ordnungsamt, Quartiersmanagement und Anwohnern im Kiez will Monika Herrmann ein Maßnahmenpaket entwickeln, das Rauschgifthandel eindämmt. Zudem möchte die Bezirksamtschefin auch mit Hostels und Gastronomen zusammenarbeiten. Denkbar seien Flugblätter, in denen auf Deutsch, Englisch und Spanisch vor dem Ankauf von Drogen gewarnt und die Tatsache betont wird, dass es sich um ein strafbares Vergehen handelt. Dabei denke sie nicht zuletzt an den „Ankauf von Pillen durch Partygänger“, so die Bürgermeisterin.

„Wir haben genügend Erfahrungen gemacht und kommen trotz häufiger Polizeirazzien im Görlitzer Park nicht weiter. Ich wünsche mir deutlich mehr Präsenz von Ordnungskräften im Park und an den Eingängen. Zusätzliche Einsätze von Drogenspürhunden, auch außerhalb des Parks, könnten den illegalen Handel mit der Zeit weniger lukrativ machen“, so Herrmann. Sie plädiere für zusätzliche Doppelstreifen von Polizeibeamten und Mitarbeitern des Ordnungsamts und wolle sich dafür bei der Polizeidirektion 5 einsetzen.

Mit weit mehr als 100 Razzien hatte die Polizei im Vorjahr gegen Drogenhändler im Görlitzer Park operiert, hatte Innensenator Frank Henkel (CDU) auf eine parlamentarische Frage geantwortet. Die Senatsinnenverwaltung hatte für 2013 zwar 229 Freiheitsentziehungen, mehr als 560 Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und weit über 100 Verfahren wegen des Verdachts des Drogenhandels gezählt. Das Problem ständiger Präsenz von Dealern im Park hat dies aber nicht nachhaltig verändert. Die Polizei räumt ein, dass Kontrollmaßnahmen allein das „gesellschaftliche Problem“ nicht lösen könnten. Der Einsatz von Spürhunden nach Drogenverstecken habe sich indes bewährt, so die Polizei.

Mit Empörung hatte der Berliner Landesverband des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) nach dem Kokainfund auf Medienberichte reagiert, es habe seitens des Bezirks Absprachen mit Rauschgifthändlern gegeben. „Drogenhändler sind keine Verhandlungspartner. Drogenhandel ist Teil der Organisierten Kriminalität. Wer glaubt, mit dieser Gesellschaft verlässliche Absprachen treffen oder reden zu können, lebt in einer anderen Welt“, sagt Thomas Spaniel, stellvertretender BDK-Landeschef. Monika Herrmann räumt ein, dass Streetworker Versuche unternommen hätten, die Drogenhändler wenigstens von Kitas und Schulen fernzuhalten. Von Absprachen oder Vereinbarungen könne aber nicht die Rede sein.

„Wenn ein Kind auf einem Spielplatz Kokainkugeln findet, ist dies ein dramatisches Signal an die Gesellschaft und ein trauriger Beleg für eine verantwortungslose Kreuzberger Bezirkspolitik“, sagte der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner. Er fordert vom Bezirksamt eine „vollständige Kehrtwende“ statt eines „tolerierten Drogenvertriebs – weder in Coffeeshops noch anderswo.“ Nicht die Dealer seien zu schützen, sondern die Gesellschaft. „Dafür ist es notwendig, den Görlitzer Park sofort und umfassend an den Zugängen zu sichern und zu kontrollieren und auch die Sicherheitspräsenz im Park drastisch auszuweiten“, sagte der CDU-Politiker.

Der Deutsche Kinderschutzbund appellierte am Donnerstag an alle Bezirksämter, dass Kinderspielplätze so oft wie möglich von Ordnungsämtern und Streifenpolizisten kontrolliert werden sollten. „Darüber hinaus sollten gerade in der Nähe von bekannten Brennpunkten die Eltern auf mögliche Gefahren hin sensibilisiert werden“, sagte Alex Jakob, Sprecherin des Berliner Landesverbands. Zusätzlich könnten mehrsprachige Aushänge auf Spielplätzen vor den Gefahren warnen, hieß es weiter.