Justiz

Mord an Pferdewirtin: Böse waren nur die anderen

Im Prozess bestreitet auch die Mutter des Hauptangeklagten alle Vorwürfe

Knapp ein Jahr nach dem Beginn des Prozesses um den Mord an der Pferdewirtin Christin R. aus Lübars hat jetzt auch die letzte der fünf Angeklagten ihr Schweigen gebrochen. Cornelia H. war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zusammen mit ihrem Sohn Robin die treibende Kraft bei dem Mordkomplott, dem die Ex-Freundin von Robin H. im Juni 2012 zum Opfer fiel. Die Aussage der Angeklagten wurde mit Spannung erwartet. Was sie dem Gericht dann am Montag in einer vorbereiteten und von ihr verlesenen Erklärung mitteilte, war aber unspektakulär und wenig überraschend. Wie jemand auf die Idee kommen konnte, sie und ihr Sohn hätten irgend etwas mit dem Mord an Christin R. zu tun, erklärte Cornelia H.

Auf diese Idee waren Staatsanwaltschaft und Polizei nach intensiven Ermittlungen gekommen. Um den Reiterhof von Robin R. westlich von Berlin vor der Pleite zu retten, hätten Mutter und Sohn im Frühjahr 2012 beschlossen, Christin R. zu töten. So wollten sie an das Geld aus acht auf ihren Namen abgeschlossenen Lebensversicherungen über 2,4 Millionen Euro gelangen. Cornelia H. soll nicht nur Drahtzieherin des Komplotts gewesen sein, sondern auch den ersten von drei Anschlägen verübt haben, indem sie Christin R. hinterrücks mit einem Messer in den Rücken stach.

Angeklagte: Wollte nur helfen

Tanja L., zur Tatzeit aktuelle Freundin von Robin H., zeichnete für den zweiten, gleichfalls misslungenen Versuch verantwortlich. Danach stellte sie auf Drängen von Robin H. über ihren Bruder einen Kontakt zu dessen Bekannten Steven McA. her. McA. erklärte sich dann bereit, den dritten und letztlich erfolgreichen Mordanschlag durchzuführen. Die Details des ganzen Komplotts verdankt die Staatsanwaltschaft im Wesentlichen Tanja L. – die 21-Jährige sagte von Anfang an umfassend aus.

Ihre Aussagen und die weiteren Ermittlungen zeichneten von Cornelia H. das Bild einer „Übermutter“. Sie war im wahrsten Sinne des Wortes zu allem bereit, um den Traum ihres Sohnes vom eigenen Reiterhof und einer Karriere als Springreiter und Pferdezüchter wahr werden zu lassen.

Die 58-Jährige gab sich am Montag bei ihrer Erklärung als eine Frau aus, die immer nur Gutes wollte und stets nach Kräften half. Vor allem ihrem Sohn und dessen Freundin Christin, die beim Aufbau ihres Reiterhofes im Havelland erhebliche Probleme zu bewältigen hatten.

Die Bösen, das waren immer die anderen. Ihren Sohn kritisierte Cornelia H. noch milde. Der 25-Jährige sei wohl noch zu jung für die Selbstständigkeit gewesen. Das Opfer traf es schon härter. Christin R. habe leider nicht das gehalten, was sie sich von ihr versprochen hatte, hieß es in der Erklärung von Cornelia H. Auch die Eltern von Christin hätten ihr immer nur Ärger bereitet und dem Makler, der ihr die Lebensversicherungen vermittelt habe, hätte sie eigentlich nie getraut.

Die Versicherungen, in denen die Anklage ein wichtiges Tatmotiv sieht, wurden nach Darstellung der Angeklagten nur abgeschlossen, um den Aufbau des gemeinsamen Reiterhofes von Robin H. und Christin R. abzusichern. Solche Versicherungen sind beim Aufbau eines Unternehmens in der Tat nicht ungewöhnlich. Allerdings versichern sich Geschäftspartner dabei in der Regel gegenseitig. In diesem Fall aber liefen alle Versicherungen auf den Namen des Opfers, für die Anklage ein mehr als verdächtiger Umstand.

Ihren eigenen Anschlag auf Christin R. erwähnte Cornelia H. in ihrer knapp 40-minütigen Erklärung nur sehr kurz. Die Staatsanwaltschaft geht von einem heimtückischen Tötungsversuch aus. Cornelia H. hingegen sprach am Montag davon, dass es Streit zwischen ihr und Christin gegeben habe, dabei sei sie von der 21-Jährigen massiv bedrängt worden und habe instinktiv nach dem Messer gegriffen und zugestochen. Darüber hinaus könne sie sich an nichts mehr erinnern, erklärte die 58-Jährige, sie habe wohl einen psychischen Blackout gehabt, und das Ganze tue ihr furchtbar leid.

Urteil erfolgt erst im Juli

Von dem Mord will Cornelia R. erst durch die Polizei erfahren haben. Dass ihr Sohn als Verdächtiger verhaftet wurde, habe sie fassungslos gemacht, so die Angeklagte. Aber offenbar nicht so fassungslos, dass sie nicht sofort noch etwas Wichtiges unternehmen konnte. Als erstes forderte sie eine Sterbeurkunde von Christin R. an, die wollte sie der Krankenversicherung schicken, damit dort nicht weiter Beiträge abgebucht werden.

Vor Cornelia H. hatte bereits ihr Sohn in der vergangenen Woche jede Beteiligung an dem Mord bestritten und seinerseits Tanja L. beschuldigt, Christin R. aus Eifersicht getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft wird sich von beiden Aussagen kaum beeindrucken lassen.

Ursprünglich sollte der Mammutprozess in den kommenden Tagen enden. Doch es fehlen die Aussagen zweier Sachverständiger. Die Urteilsverkündung des Landgerichts ist jetzt für Anfang Juli geplant.