Unglück

Gasflasche explodiert in Wohnung

Durch die Wucht der Detonation und den anschließenden Brand werden in Reinickendorf drei Menschen verletzt und mehrere Autos beschädigt

Es war ein sehr lauter Knall, der die Anwohner am Büchsenweg in Reinickendorf in der Nacht zu Montag aus dem Schlaf riss. Eine gewaltige Stichflamme schlug aus den Fenstern der Wohnung in der ersten Etage, berichten Augenzeugen. Auch am Montagmittag sind einige Nachbarn noch erschüttert von den nächtlichen Ereignissen. Sie möchten sich überhaupt nicht vorstellen, was alles bei der Gasexplosion und dem Feuer hätte passieren können. Die Scheiben der Unglückswohnung sind zerstört, die Hausfassade schwarz vom Feuer. Glassplitter sind auf der Fahrbahn und auf dem gegenüberliegenden Gehsteig verteilt. Zwei von der Wucht der Explosion beschädigte Autos stehen am Straßenrand. Nach Angaben der Feuerwehr ist wohl eine elf Kilogramm schwere Propangas-Flasche explodiert und in Brand geraten.

Drei Menschen im Krankenhaus

Durch die heftige Gasexplosion brannte die Wohnung von Detlef V. in der Nacht zu Montag komplett aus. Drei Menschen mussten mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Mieter der Brandwohnung wurde schwer verletzt in das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn eingeliefert. Dort wird er zurzeit medizinisch auf der Intensivstation versorgt. Es besteht Lebensgefahr. Der 54 Jahre alte Mieter erlitt nach Angaben einer Krankenhaussprecherin starke Lungenschädigungen durch eine schwere Rauchgasvergiftung. Seine Haut sei durch das Feuer zu zehn Prozent oberflächig und mittelgradig verbrannt.

Der Mieter in der Wohnung über dem Brandherd wurde ebenfalls mit Rauchgasvergiftungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Eine 84 Jahre alte Frau, ebenfalls Mieterin in dem Haus, wurde mit Kreislaufproblemen in ein Krankenhaus gebracht.

Die Feuerwehr wurde in den frühen Morgenstunden gegen 2.30Uhr zum Büchsenweg gerufen. Mit drei Staffeln rückte sie am Einsatzort an. Dort brannte eine Wohnung im ersten Obergeschoss „in der ganzen Ausdehnung“, wie es in der Sprache der Feuerwehr heißt. „Kurz zuvor haben die Anwohner einen lauten Knall gehört“, sagte eine Sprecherin der Feuerwehr und bestätigt damit die Angaben einiger Nachbarn. „Der Mieter der Wohnung und zwei weitere Bewohner des Hauses mussten von der Feuerwehr mit Fluchthauben ins Freie gebracht werden.“

„Unsere Einsatzkräfte haben die Propangasflasche aus der zerstörten Wohnung geborgen und anschließend der Polizei übergeben“, sagte die Sprecherin der Feuerwehr. Die Spezialisten eines Brandkommissariats des Landeskriminalamtes haben nach Angaben einer Polizeisprecherin die Ermittlungen übernommen.

Was genau zur Explosion führte, ist noch unklar. Andere Mieter und Anwohner des Büchsenwegs sagten gegenüber dieser Zeitung, dass der Mieter Detlef V. schon seit längerem arbeitslos sei und von Hartz IV lebe. Eine Nachbarin will wissen, dass man dem 54-Jährigen schon vor längerer Zeit das Gas in der Wohnung abgestellt hätte. Das lässt zumindest die Vermutung zu, dass er versucht haben könnte, seine Wohnung nachts mit einem gasbetriebenen Heizstrahler warm zu bekommen.

Im benachbarten Supermarkt und auch auf den Straßen in dem Wohngebiet in der Einflugschneise des Flughafens Tegel war die Explosion das Gesprächsthema des Tages. Viele Anwohner suchten das Unglückshaus und betrachteten die Schäden. Und immer wieder kreisten die Gespräche um das bislang unbestätigte Gerücht, Detlef V. habe mit Propangas seine Wohnung heizen wollen. „Wie kann man nur auf die Idee kommen, eine Propangasflasche zum Heizen zu nutzen“, war vielerorts zu vernehmen. Auch drehten sich zahlreiche Gespräche um die grundsätzliche Sicherheit der Gasversorgung. Nahezu alle drei- bis viergeschossigen Häuser in dieser Wohngegend werden mit Gas versorgt. Ein Mieter gab an, dass aus seiner Gastherme immer Wasser tropfen würde, ein anderer machte sich Sorgen über seinen alten Gasherd.

3000 Berlinern Gashahn zugedreht

Der Fall in Reinickendorf, die abgestellte Gasleitung, ist kein Einzelfall. Das Berliner Energieversorgungsunternehmen Gasag musste im vergangenen Jahr 2912Kunden den Gashahn sperren, wobei die Zahlen im Sommer mit zum Teil 300 Fällen pro Monat höher lagen als im Winter. Bevor aber die Gaszufuhr endgültig gesperrt wurde, verschickte das Unternehmen knapp 290.000 Mahnungen an säumige Kunden. In fast der Hälfte der Fälle reagierten diese Kunden aber nicht. Diesen Mahnschreiben ließ die Gasag in 138.000 Fällen die nächste Eskalationsstufen folgen und drohte mit der Sperre des Gasleitungen. Seit Jahren warnen Sozialverbände vor einer Energiearmut wegen steigender Preise.