Berliner Helfen

Wo Wünsche wahr werden

Charlottenburger Verein will Menschen mit Behinderungen das Leben leichter machen

Marcel Ehrlich ist seit seiner Geburt mehrfach schwerstbehindert und daher auf den Rollstuhl angewiesen. Sein zentrales Nervensystem ist geschädigt, er leidet unter spastischen Lähmungen. Das macht ihn aber nicht komplett hilflos und bemitleidenswert. Im Gegenteil: der 36-jährige setzt sich nachdrücklich dafür ein, dass Menschen wie er nicht ausgegrenzt und beiseite geschoben werden. „Behinderte wollen nicht allein Zuhause sitzen, nur weil sie körperlich eingeschränkt sind“, sagt er. Gemeinsam mit Freunden hat er im Jahr 2011 den Verein „Kontakte schaffen Leben e.V.“ gegründet. Der hat es sich zur Aufgabe gemacht, die soziale Integration von Behinderten, Senioren und Alleinerziehenden maßgeblich und nachhaltig zu verbessern, in dem sie sich auch gegenseitig helfen.

In dem kleinen Begegnungszentrum des gemeinnützigen Vereins in Charlottenburg treffen sich Behinderte und Nicht-Behinderte, Alte, Kranke und Junge, um sich auszutauschen, zusammen zu kochen und zu essen, einen Film zu schauen oder gemeinsam einen Ausflug zu unternehmen. „Viele behinderte oder alte Menschen leben allein oder in Heimen und haben kaum soziale Kontakte. Das wollen wir ändern“, sagt Marcel Ehrlich. Eine ganz wichtige Rolle spielen dabei ehrenamtliche „Engel“, die die Behinderten auf Ausflüge begleiten und so überhaupt erst Aktivitäten wie Zoo- oder Kinobesuche oder den Besuch im Fußballstadium ermöglichen - und den Betroffenen damit oft einen lang gehegten Wunsch erfüllen. So wie dem 63-jährigen Schlaganfall-Patienten, der unbedingt einmal auf den Hamburger Fischmarkt wollte. „Ein Krankentransport-Unternehmen hat sich gemeldet und die Fahrt kostenlos gemacht. Der Chef und sein Mitarbeiter waren begeistert bei der Sache. Und sie haben eben auch neue Einblicke bekommen, wie eingeschränkt das Leben für viele ihrer Kunden ist“, berichtet Marcel Ehrlich. Das sei eben das Gute an der Sache, meint der Vereinsgründer: nicht nur die Freude bei den Betroffenen, sondern auch der Erkenntnisgewinn für den ehrenamtlichen Helfer.

Kleine Freuden im Alltag

Marcel Ehrlich hat seinen „Engel“ schon gefunden - per Zufall an einem regnerischen Tag im Herbst 2006 auf dem U-Bahnhof Spandau. Er hatte seine Tasche verloren, eine junge Frau hat sie aufgehoben und angeboten, ihn auch gleich in ihrem Auto mitzunehmen. Und dabei gemerkt - wie schwierig es ist, einen Rollstuhl in einen Kleinwagen zu bugsieren. Sarah Adams heißt die Frau vom U-Bahnhof, die beiden trafen sich fortan ab und zu, unternahmen etwas zusammen und daraus entstand die Idee, auch anderen Behinderten durch einen „Engel“ kleine Freiheiten und Freuden im Alltag zu schenken. Die 37-jährige Sarah Adams gehört zu den Vereinsgründern von „Kontakte schaffen Leben“ und ist die Schatzmeisterin. Auch anderen Mitgliedern steht sie zur Seite. Der blinden 24-jährigen Julia, die vor ihrer Erblindung viel mit Pferden zusammen war, hat sie einen Herzenswunsch erfüllt: auf einem Pferd zu reiten – nämlich auf dem von Sarah Adams, die dabei gut auf Julia aufgepasst hat.

Was für Julia geht, muss doch auch für andere möglich sein, meint Marcel Ehrlich. Sein Verein sucht deshalb ehrenamtliche „Engel“, die behinderten, alten oder kranken Menschen Wünsche erfüllen. Die mit ihnen etwas unternehmen, zu dem sie allein nicht in der Lage wären. „Es geht dabei nicht finanzielle Wünsche, sondern um das Miteinander, um Erlebnisse, die wieder Kraft für den Alltag geben“, sagt Marcel Ehrlich. Denn der sei für die Betroffenen und deren Angehörige oft sehr entbehrungsreich, wie er aus eigener Erfahrung weiß. Wer also mithelfen möchte, kleine oder große Wünsche zu erfüllen, und das Leben für einen Menschen mit gesundheitlichen oder altersbedingten Einschränkungen ein wenig leichter und schöner zu machen, kann sich an den Verein „Kontakte schaffen Leben“ wenden (Adresse rechts) und zum „Wunschengel“ werden. Dort kümmert man sich dann gemeinsam um die Organisation und Durchführung.

Ebenso kann man sich als Betroffener mit einem Herzenswunsch an den Verein wenden, der mit Spenden von Berliner helfen unterstützt wird.