Garten

Uta Keselings Gemüsegarten lieben auch die Schnecken

Der Frühling kommt: Vier Morgenpost-Redakteurinnen erzählen von ihren Gärten. Am Freitag beantwortet Expertin Gabriella Pape Leser-Fragen

Der letzte Überlebende des vergangenen Sommers ist ein Rosenkohl. Er steht in unserem Garten wie ein einsamer Wächter neben den schlaffen Überresten des Mangolds und guckt sich um. Hallo? Wo sind denn alle? Bisher antworten ihm nur ein paar Schneeglöckchen und Krokusse. Und die Sonne scheint. So langsam wagt man zu glauben: Es kann wieder losgehen im Garten, auch wenn unser alter Nachbar immer gesagt hat: Erst, wenn der Weißdorn geblüht hat, wird es Sommer. Denn der Weißdorn bringt noch mal Frost! – Ein bisschen Frühling ist ja trotzdem schon. Nicht nur Vögel und Katzen sind seit Wochen ganz aufgeregt. Im Supermarkt gibt es längst Primeln. Auch die Vorfreude gehört ja zum Frühling. Und die gründliche Vorbereitung.

Denn das mit dem Rosenkohl soll sich dieses Jahr nicht wiederholen. Der Rosenkohl war ein Irrtum. Eigentlich hätte aus dem Pflänzchen, das ich im Sommer auf dem Markt gekauft hatte, ein Kohlrabi werden sollen. Im Oktober. Aber alle anderen Kohlrabi waren längst aufgegessen, als diese Pflanze immer noch wuchs und wuchs. Es kam der Herbst, es kam Schnee, es kam Weihnachten. Wir kauften Rosenkohl auf dem Markt, und erst bei einem Spaziergang durch den Garten entdeckten wir: Der „Kohlrabi“ hatte Babys bekommen. Er war ein Rosenkohl! Erkenntnis: Offenbar wurde er als Baby verwechselt. Die meisten Kohlsorten sehen sich als Setzlinge eben ziemlich ähnlich.

Dieses Jahr wird das Gemüsebeet systematischer angelegt. Denn auch bei den Bohnen gab es Überraschungen. Erstmals hatte ich Stangenbohnen angepflanzt, nicht ahnend, was auf uns zukommen würde. Von einem Tag zum anderen hingen plötzlich ganze Bohnenzöpfe daran. Dank dem Internet kenne ich jetzt viele neue Bohnenrezepte.

Aber dieses Jahr werde ich weniger aussäen – und dafür mehr von einer besonderen Sorte, deren Schoten lila sind und sich beim Kochen grün färben. Zauberbohnen! Die Sorte trägt den kitschig-schönen Namen „Blauhilde“.

Vielleicht wird sie ja nach Öko-Kürbis und Bio-Pastinake das nächste Modegemüse an geblümten Orten wie Prenzlauer Berg. Noch aber ist sie mein Geheimnis.

Mit unserer Kartoffelsorte ist dasselbe schon längst passiert. Linda, gern auch „Bio-Linda“, war eine Weile vom Aussterben bedroht – eine festkochende Sorte, die einfach besonders gut schmeckt. Nicht natürliche Feinde bedrohten sie, sondern die Kartoffel-Industrie, die für jede Sorte eine Patent vergibt. Läuft dieses aus, darf die Sorte nicht mehr als Saatgut verkauft werden. Ein Biobauer aus der Lüneburger Heide wurde zu einer Art Kartoffel-Held, weil er zuletzt fast als Einziger die gute Sorte noch als Saatgut anbot.

Inzwischen ist „Linda“ wieder legal und in jedem Biosupermarkt erhältlich. Wir werden dieses Jahr den fünften „Nachbau“ unter die Erde bringen – also die Kartoffeln als Setzgut weiterverwenden, die von der letzten Ernte übrig sind. Die ersten haben schon die „Augen“ geöffnet.

Nur in einer Sache weiß ich keinen Rat. Was, wenn es dieses Jahr wieder eine solche Schnecken-Invasion gibt wie im vergangenen? Die braune Nacktschnecke, angeblich aus Spanien eingewandert, hat unsere Beete zwischenzeitlich in Wüsten verwandelt. Dass Schnecken Salat mögen, weiß man ja und auch, dass man Erdbeeren vor ihnen schützen muss. Im letzten Sommer fielen sie selbst über Zwiebeln, Tomaten- und Kartoffelpflanzen her.

In früheren Jahren hatte es gereicht, die Schnecken abzusammeln. Da die meisten Weinbergschnecken waren, war das auch nicht besonders ekelhaft. Die Nacktschnecken dagegen mag man eigentlich nur mit Handschuhen anfassen. Und selbst, wenn man sie eimerweise aus dem Garten schafft – schon am selben Abend kriechen neue Scharen aus der Erde.

Was tun? Wie giftig ist Bio-Schneckenkorn? Welche Nebenwirkungen kann es haben? Und wie oft kann man es anwenden?