Gesundheit

Eine Million Euro gegen den Lärm

Das Land fördert Schallschutzfenster an lauten Straßen. Die wichtigsten Fragen und Antworten

Mit einem Schallschutzfensterprogramm will der Berliner Senat lärmgeplagten Bürgern der Hauptstadt helfen. Wer an viel befahrenen und lauten Straßen wohnt, kann sich ab sofort Maßnahmen wie den Einbau von Schallschutzfenstern bezuschussen lassen. Das Programm gilt für Wohnlagen, in denen durch Verkehrsplanung, Schallschutzwände, Fahrbahnsanierungen oder andere Maßnahmen des aktiven Lärmschutzes keine Entlastung mehr möglich ist.

Meist sind es die Scheiben, über die der Lärm in die Wohnungen dringt. Geeignete Schallschutzfenster für laute Hauptstraßen haben ein Schalldämmmaß von mehr als 40 Dezibel. Zum Vergleich: Alte Fenster ohne Dichtungen erreichen nur eine Dämmung von 20 bis 25 Dezibel. Der Unterschied wird im Innenraum als Lärmreduktion auf etwa ein Viertel empfunden. An welchen Straßen aber wird die Förderung wirksam, wie viel Geld gibt es und was ist beim Antrag zu beachten? Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Welche Straßen sind betroffen, und ab welcher Grenze gilt die Förderung?

Überall dort, wo in der Wohnung tagsüber mehr als 70 oder nachts mehr als 60 Dezibel messbar sind, kommt eine Schalldämmung mit Landesförderung in Betracht. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt hat für das Schallschutzfensterprogramm eine Karte entwickelt auf der sichtbar ist, ob ein Gebäude bereits erfasst wurde. Farblich hervorgehoben sind jene Häuser, an denen die Lärmbelastung die Schwellenwerte überschreitet. Die Karte ist auf der Internetadresse der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt zu sehen: www.stadtentwicklung.berlin.de

Kann ich die Lautstärke selbst messen oder übernimmt das ein Gutachter?

Mit einem Dezibelmesser oder einer App fürs Smartphone kann man die Lautstärke selbst messen. „Die Lautstärke muss zunächst nicht nachgewiesen werden, sondern nur im Antrag angegeben werden“, sagt Petra Roland, Sprecherin der Senatsverwaltung. Allerdings gibt es für viele Straßen bereits ermittelte Werte, zudem werden die in den Anträgen aufgeführten Daten erneut kontrolliert.

Sind nur Hauseigentümer oder auch Mieter berechtigt, Förderung zu beantragen?

Die Förderung beantragen können ausschließlich die Immobilieneigentümer. Betroffene Mieter können lediglich bei ihrem Vermieter nachfragen. „Die Mieter haben laut Gesetzgeber zwar einen Anspruch auf Mängelbeseitigung und Instandhaltung, jedoch nicht auf Modernisierung“, sagt Carsten Brückner, Vorsitzender des Landesverbandes Haus & Grund Berlin. Alte Doppelglasfenster auszutauschen falle nicht hierunter, sie gelten als „vertragsgemäßer Zustand“. „Die Rechtsprechung ist in diesem Punkt gnadenlos – als Stadtbewohner muss man Lärm, etwa durch zunehmenden Verkehr, hinnehmen“, so Brückner.

Wie viel Geld gibt es vom Senat, und wie lange läuft das Programm?

Der Förderbetrag beträgt bei Fenstern und Türen bis zu 350 Euro je Quadratmeter Einbaufläche. Lüftungseinrichtungen mit Schalldämmung können mit einer Pauschale von jeweils 250 Euro pro Raum gefördert werden. Die Förderung ist auf maximal 6000 Euro pro Wohnung begrenzt. Das Schallschutzfensterprogramm läuft bis 31. Dezember 2015 und wird pro Jahr mit 500.000 Euro gespeist.

Welche Umbaumaßnahmen fallen unter die Förderung?

Bezuschusst wird der Einbau von Schallschutzfenstern, -außentüren und Zusatzeinrichtungen wie schallgedämmten Lüftungsanlagen. Ausgenommen sind Anrainer von Autobahnen, Einflugschneisen und Schienenwegen, für die bereits Bundesprogramme zur Lärmsanierung bestehen. Bei Altbauwohnungen, die unter Denkmalschutz stehen, muss nach Auskunft aus der Senatsverwaltung „von Fall zu Fall entschieden werden“.

Wie kann ich den Zuschuss beantragen?

Anträge können ab sofort schriftlich an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt geschickt oder Online ausgefüllt werden. Antragsteller müssen zudem einige Unterlagen beifügen, wie etwa eine Grundrisszeichnung mit Kennzeichnung der Räume und Lage der Fenster, Fotografien der Hausfronten, auf der die Fenster zu erkennen sind, eine Kopie des Grundbuchauszugs und einen Kostenvoranschlag einer Fachfirma.