Justiz

Prozess: 26-Jähriger gesteht Faustschlag gegen Zweijährigen

Kind starb im Krankenhaus. Anklage geht von Totschlag aus

Das Geständnis klingt fast zu lapidar für diese Tat: Er habe dann wirklich mal mit der Faust zugeschlagen, heißt es in der Erklärung des 26-jährigen Mirko B. vor einer Moabiter Schwurgerichtskammer. Der Angeklagte ist ein kräftiger Mann. Sein Opfer war zweieinhalb Jahre alt.

Mirko B. ist nun angeklagt wegen Totschlags. Er, seine damalige Lebensgefährtin Patricia F. und ihr Sohn Daniel lebten zu dritt in der Wohnung von Mirko B. in Lichtenberg. Am Nachmittag des 3. September vergangenen Jahres hatte ihm Patricia F. ihr Kind anvertraut, weil sie etwas erledigen musste. Daniel habe an diesem Tag unter Bauchschmerzen geklagt, so Mirko B. vor Gericht. Er habe gedacht, es handele sich um eine Verstopfung und habe dem Kind Pflaumensaft zu trinken gegeben. Daniel habe wenig später gebrochen, immer noch über Bauchschmerzen geklagt und geweint. Auch beim Duschen noch und als er dem Kind den Bauch massiert. „Ich war überfordert“, so der Angeklagte. „Ich habe ihm mit der Faust in den Bauch geschlagen. Ich wollte ihn aber auf keinen Fall töten!“ Er habe den Jungen „geliebt wie ein eigenes Kind“.

Notoperationen im Krankenhaus

Als Patricia F. nach Hause kam, lag Daniel im Bett. Sie habe sofort gemerkt, dass mit dem Kind etwas nicht stimmte. „Sie wollte Daniel ins Krankenhaus bringen, aber ich habe gesagt, dass sie übertreibt“, so Mirko B. „Ich habe gesagt, sie solle den Jungen schlafen lassen.“ Als es dem Kind jedoch immer schlechter gegangen sei, habe sich die junge Frau gegen ihn durchgesetzt und die Rettungsstelle angerufen. Zu diesem Zeitpunkt sei ihm schon klar gewesen, so der Angeklagte, „dass ich an dem schlimmen Zustand des Kindes Schuld sein könnte“. Die Ärzte im Krankenhaus Friedrichshain waren schon bei der ersten Untersuchung des Kindes misstrauisch geworden. Patricia F. soll ihnen als Erklärung für den Zustand des kleinen Daniel gesagt haben, er sei beim Spielen von einem Klettergerüst gestürzt. Das passte nicht zu den Verletzungen. Die Ärzte informierten die Polizei.

Daniel konnte trotz mehrerer Notoperationen nicht mehr gerettet werden. Er erlitt laut Anklagesatz „Hämatome im Gesichts- und Bauchbereich sowie eine Zerreißung des Darms“. Vier Tage nach seiner Einlieferung starb er. Am 11. September wurde Mirko B. festgenommen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Mirko B. dem Kind „bewusst und zielgerichtet“ in den Bauch und in das Gesicht geschlagen habe, „um ihm große Schmerzen zuzufügen und sich abzureagieren“. Dabei habe der Angeklagte auch billigend in Kauf genommen, dass diese Verletzungen für den Jungen tödlich enden können. Auch gegen Patricia F. wurde ein Verfahren eingeleitet. Sie hat sich von dem arbeitslosen Mirko B. getrennt und ist Nebenklägerin. Der Prozess wird fortgesetzt.