Kriminalität

Per Mietwagen zum Autoklau

Bande stiehlt hochwertigen Audi in Wilmersdorf, doch Zivilfahnder können sie festnehmen

Bei der Bekämpfung des zuletzt wieder drastisch gestiegenen Autodiebstahls in Berlin hatte die Polizei in der Nacht zu Montag ein Erfolgserlebnis. Vier Männer im Alter von 26 bis 30 Jahren konnten Dank ziviler Fahnder in Wilmersdorf festgenommen worden. Kurz nach 2 Uhr war das aus Polen stammende Quartett aufgefallen, als die Männer in einem schwarzen Hyundai mit Aschaffenburger Kennzeichen in der Fürther Straße auf einem Parkplatz anhielten. Einer der Männer blieb im Auto sitzen, zwei Komplizen warteten auf dem Gehweg und wollten so absichern, wie der vierte Mann einen weißen Audi A4 mit Sportausstattung aufbrach, der in der Grainauer Straße geparkt stand.

Der mutmaßliche Autodieb öffnete den Audi und startete nach Polizeiangaben unmittelbar darauf den Wagen und fuhr allein los. Von den Zivilbeamten alarmierte Funkstreifen nahmen die Verfolgung des Audi auf, während die drei Komplizen an ihrem gemieteten Hyundai in der Ecke Fürther-/Regensburger Straße gefasst wurden.

Der Autodieb raste unterdessen mit zum Teil mehr als Tempo 100 durch die Bundesallee, wobei er auch rote Ampeln ignoriert haben soll. Der Tatverdächtige steuerte den hochwertigen Audi über Berliner- und Uhlandstraße bis zur Lietzenburger Straße, wo er den Wagen in einer Hotelzufahrt abstellte und zu Fuß flüchtete. Die Polizeibeamten waren indes schneller und stellten den Mann in der Nürnberger Straße. Bei der Durchsuchung fanden die Polizisten unter anderem ein Navigationsgerät. Die vier Festgenommenen wurden einer Fachdienststelle bei Landeskriminalamt überstellt. Die Beamten prüfen, ob die Männer für weitere Straftaten verantwortlich sind.

Der Autodiebstahl vor allem durch straff organisierte osteuropäische Banden war 2013 in Berlin wieder deutlich angestiegen. 6659 verschwundene Pkw bedeuten ein Anstieg um 15,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2012 waren in Berlin 5760 Auto gestohlen worden, in den drei Jahren zuvor waren es jeweils deutlich über 7000 gewesen. Die professionellen Täter würden sich technischer Spezialgeräte zur Überwindung von Wegfahrsperren bedienen und verfügen zudem oft über Funkblocker, die eine GPS-Ortung unterbinden können, wie Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt erst vorige Woche einräumen musste. Die Täter bevorzugten 2013 besonders Fahrzeuge der Marken Audi, Range Rover und Mazda.

Die „hohe Konzentration hochwertiger Fahrzeuge und die geografische Lage Berlins mit einer schnellen Anbindung über Autobahnen in den osteuropäischen Raum sind tatbegünstigend“, heißt es in der aktuellen Kriminalstatistik. Polizeipräsident Klaus Kandt kündigte vor diesem Hintergrund eine engere Vernetzung mit der brandenburgischen und polnischen Polizei an.

Aktuelle Meldungen der Polizei bestätigen die Aussagen der Kriminalstatistik. So konnten Polizeibeamte am Sonntagnachmittag einen in Berlin gestohlenen Mazda auf einen Rastplatz nahe der polnischen Grenze aufspüren. Am Steuer saß ein 31-jähriger Pole, der weder einen Führerschein noch einen Fahrzeugschein vorlegen konnte. Im Zündschloss steckte ein mechanisches Überdrehwerkzeug, so dass die Beamten sofort von einem Diebstahl ausgehen mussten. Weniger Glück hatte die Polizei in Bernau (Kreis Barnim), wo Sonntagfrüh in der Gorkistraße ein Porsche vermutlich auf Nimmerwiedersehen verschwand.

In Frankfurt (Oder) laufen bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft die Fäden im Kampf gegen den organisierten Autoklau zusammen. Weil die Zahl der Autodiebstähle auch in Brandenburg nach wie vor steigt, verstärkt die dortige Justiz jetzt ihren Kampf gegen diese Form der Grenzkriminalität. Sämtliche Fälle von gewerbs- und bandenmäßigem Fahrzeugdiebstahl im Land werden seit Mitte des Monats ausschließlich von der Frankfurter Staatsanwaltschaft bearbeitet, die seit 13 Jahren bereits die Schwerpunkt-Ermittlungsbehörde für Organisierte Kriminalität in der Mark ist.

Nach Erkenntnissen der Brandenburger Ermittler steckt hinter fast jedem gestohlenen Wagen eine Autoschieberbande. „Der Anfangsverdacht ist da, wenn ein an sich mittelloser Mann ein hochwertiges Fahrzeug fährt“, erklärt der Frankfurter Staatsanwalt Peter Sostaric. Direkte Abfragen im gemeinsamen deutsch-polnischen Zentrum in Swiecko klären für die Ermittler schnell den Hintergrund des Fahrers – und ob das Auto entwendet wurde.

„Wenn in dem Wagen bei einer Kontrolle keine Aufbruchswerkzeuge oder elektronische Tools gefunden werden, liegt auf der Hand, dass ein anderer das Fahrzeug geklaut und dann an den Kurierfahrer übergeben hat“, erläutert der Staatsanwalt aus Frankfurt (Oder). Das letztlich nachzuweisen, ist dann Aufgabe seiner Behörde.