Energie

Fast 3000 Berlinern wurde 2013 der Gashahn gesperrt

Versorger kämpfen mit Flut von Mahnungen gegen säumige Zahler in der Hauptstadt

Die Berliner Piraten fordern, die Hartz-IV-Sätze zu erhöhen, damit die betroffenen Menschen ihre Rechnungen für Strom und Gas bezahlen können. Denn die Zahl der Haushalte, denen die Netzbetreiber die Anschlüsse wegen nicht bezahlter Rechnungen gesperrt haben, hat in Berlin im vergangenen Jahr beim Gas drastisch zugenommen, während es beim Strom einen Rückgang im Vergleich zum Jahr 2012 gab.

„Für uns ist klar, dass die Energiesperren mit den viel zu geringen Hartz-IV-Leistungen und der schlechten Arbeit der Jobcenter bei gleichzeitig enorm steigenden Energiepreisen in Zusammenhang stehen“, sagte der Piraten-Abgeordnete Alexander Spies. Der Senat verschließe offensichtlich die Augen, „um das unsoziale Hartz-IV-System nicht in die Kritik geraten zu lassen“.

In einer Antwort auf eine Anfrage der Piraten im Abgeordnetenhaus vermeldete die Senatsverwaltung für Wirtschaft die Bilanz der „Energiearmut“ im Jahr 2013. Demnach wurde 17.184 Kunden der Strom abgestellt, 2012 waren es knapp 19.000. Jeden Monat traf es zwischen 1200 und 1900 Haushalte, nur im Dezember zeigten sich die Versorger offenbar kulant und unterbrachen die Lieferung nur 481 Mal. In Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg mussten mehr als 2000 Haushalte zumindest zeitweise auf elektrischen Strom verzichten, in Steglitz-Zehlendorf nur 449.

Viele Berliner bezahlen ihre Stromrechnung nur unregelmäßig. Mehr als eine Million Mahnungen haben Vattenfall und andere Energieversorger im vergangenen Jahr verschickt, statistisch gesehen wurde somit jeder zweite Berliner Haushalt gemahnt. In fast jedem zehnten Fall (93.000) verzögerten die Kunden die Zahlung so lange, bis sie von Vattenfall Sales eine Sperrandrohung bekamen. Das ist der letzte Schritt, ehe der Strom abgeklemmt wird. Bei den Mahnungen ist die Zahl der Konflikte zwischen den Versorgern und Kunden noch deutlicher zurückgegangen als bei den Stromsperren. 2012 mahnte Vattenfall noch 1,8 Millionen Mal.

Vattenfall führt als Grundversorger diesen Schritt stellvertretend und im Auftrag aller anderen Energieversorger aus, von denen die Kunden ihren Strom beziehen. Der zu Vattenfall gehörende Netzbetreiber Stromnetz Berlin GmbH muss die Leitung sperren.

Während es bei den Stromsperren einen Rückgang um 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gab, stieg die Zahl der gekappten Gasverbindungen um knapp 54 Prozent. Die Gründe hierfür können sich die Senatsverwaltung und auch die Gasag nicht erklären. Allein für den ebenfalls zu verzeichnenden Anstieg der Mahnschreiben findet der Gasnetzbetreiber den Grund in einer „gesetzlich bedingten Systemumstellung“. So seien Daten aus 2012 erst 2013 statistisch erfasst worden.

Die Gasag sperrte im vergangenen Jahr 2912 Kunden den Gashahn, wobei die Zahlen im Sommer mit zum Teil über 300 Fällen pro Monat höher lagen als im Winter. Der Sperrung voraus gingen bei der Gasag knapp 290.000Mahnungen an säumige Kunden. Diesen Mahnschreiben musste die Gasag in fast der Hälfte der Fälle (138.000) die nächste Eskalationsstufe folgen lassen und mit der Sperre der Gasleitungen drohen.

Insgesamt sind Kunden, die ihre Rechnung nicht begleichen oder mit der Bezahlung weit im Rückstand sind, ein ernstes Problem. Die Gasag bezifferte ihre Außenstände, die mehr als drei Monate alt waren, zum Jahresende 2013 mit 17Millionen Euro. Der Stromversorger Vattenfall war weniger offen und verweigerte zu seinen offenen Forderungen die Auskunft mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis.