Ausstellung

Getrennte Eingänge am Fernsehturm

Besucher sollen nicht in die Schau „Körperwelten“ geraten

Besucher des Berliner Fernsehturms am Alexanderplatz laufen auch ab Herbst nicht Gefahr, plötzlich vor den präparierten Leichen des geplanten „Körperwelten“-Museums zu stehen. Die Zugänge zur Aussichtsetage und zum Restaurant in der Kugel des Turms seien von den Zugängen zur Ausstellung getrennt, teilten die Betreiber der Besucherbereiche des Fernsehturms am Sonntag mit. Kritiker würden teils den falschen Eindruck erwecken, Touristen könnten – ohne es zu wollen – mit den Leichen konfrontiert werden, sagte ein Sprecher. Die Arbeiten des Präparators Gunther von Hagens sind umstritten.

Die beiden Kirchen lehnen sie als würdelos ab. Es sei fatal, menschliche Leichen, auf groteske Weise in Szene gesetzt, dauerhaft auszustellen, hatte Generalsuperintendentin Heilgard Asmus im Namen der Leitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz an Vortag mitgeteilt.

Die Kritik richtete sich dagegen, dass die Schau die Sensationslust der Menschen befriedige, betonte Pater Georg Maria Roers, der Beauftragte für die Bereiche Kunst und Kultur im Erzbistum Berlin der katholischen Kirche. Der Leichen-Präparator von Hagens will 20 Körper sowie bis zu 200 Körperteile zeigen.

„Das Anliegen, den menschlichen Körper weiter zu erforschen, ist an sich begrüßenswert“, erklärte Asmus. Doch mit Blick auf die Ausstellung präparierter Leichen betonte sie: „Wir als evangelische Kirche bleiben dabei: Das ist ein würdeloser Umgang mit Verstorbenen. Der Mensch ist nach unserem Glauben nicht geschaffen worden, um als Plastinat zu enden.“

Frühestens im Herbst 2014 soll das Museum am Berliner Fernsehturm eröffnet werden. Der Mietvertrag für 1200 Quadratmeter Fläche in einem Sockelgeschoss des Turms ist bereits unterschrieben. Der Bezirk wird nun die Bauanfrage auf baurechtliche Fragen überprüfen. Inhaltliche Aussagen wolle man nicht machen, hieß es aus dem Bezirksamt. Die „Körperwelten“-Ausstellung sollen auch weiter touren. Insgesamt stünden dafür inzwischen rund 140 Ganzkörper-Plastinate zur Verfügung, sagte eine Kuratorin. Das Labor im brandenburgischen Guben und das Institut in Heidelberg blieben bestehen. Von Hagens hat die Plastinationstechnik in den 70er-Jahren in Heidelberg entwickelt. Er versteht „Körperwelten“ als Anatomie-Ausstellung. Kritiker werfen ihm vor, mit seinen Leichenpräparaten die Menschenwürde zu verletzen. Nach Angaben der Ausstellungsmacher haben bisher rund 14.000 Menschen eingewilligt, sich nach ihrem Tod nach von Hagens' Methode präparieren zu lassen.