Kriminalität

Zahl der Intensivtäter geht in Berlin deutlich zurück

Von insgesamt 486 dieser Straffälligen sind aktuell 76 Prozent in Gewahrsam

Die Zahl junger Mehrfach-Straftäter in Berlin ist in jüngster Zeit deutlich zurückgegangen. Führte die Staatsanwaltschaft Berlin Mitte 2013 noch 520 Intensivtäter, seien es derzeit 486, sagte Oberstaatsanwalt Rudolf Hausmann der Nachrichtenagentur dpa. Der 52-Jährige leitet bei der Anklagebehörde in der Hauptstadt die Spezialabteilung für Intensivtäter. Delinquenten werden dann als Intensivtäter bezeichnet, wenn sie in einem Jahr mehr als zehn Straftaten begehen. „Die Justiz reagiert schnell und konsequent, damit sich kriminelle Karrieren nicht weiter verfestigen“, sagte Hausmann. Derzeit seien 76 Prozent der Intensivtäter in Gewahrsam. Sie fielen nicht mehr wie noch vor Jahren mit großen Raubserien auf, sondern hauptsächlich durch Wohnungseinbrüche, Körperverletzungen und Gewaltdelikte. Im zweiten Halbjahr 2013 seien in Berlin gegen insgesamt 258 Verdächtige in 177 Fällen von der Staatsanwaltschaft Anklagen erhoben worden. Von den Intensivtätern sind laut Staatsanwaltschaft sieben weiblich.

Die 2003 gegründete Intensivtäter-Abteilung bündelt die Ermittlungen. Der jeweils zuständige Staatsanwalt kenne die Historie „seiner Täter“ und könne somit gezielt und rasch die Fälle vor Gericht bringen, so Hausmann. Nach seiner Einschätzung sinkt durch den Rückgang der Gewaltkriminalität insgesamt auch der Anteil der Intensivtäter, die zwischen 14 und 24 Jahre alt sind. Derzeit werde in der Berliner Justiz diskutiert, wie das täterorientierte Konzept gestrafft werden könne. Die Ursprünge der „Täterorientierten Ermittlungsarbeit“ (TOE) bei der Berliner Polizei reichen ins Jahr 1995 zurück. Neben der Anzahl der Delikte von mehr als zehn pro Jahr werden Straffällige dann als Intensivtäter eingestuft, wenn sie zudem „beharrlich und mit einem hohen Maß an krimineller Energie den Rechtsfrieden besonders störende Straftaten, wie etwa Raub und andere Rohheitsdelikte begehen“, heißt es in der vollständigen Definition. Unterhalb dieser Stufe kennt die TOE den so genannten Schwellentäter. So werden Straffällige unter 21 Jahren bezeichnet, wenn sie „wiederholt durch Gewalttaten auffallen und die Wahrscheinlichkeit einer kriminellen Karriere hoch ist“. Berliner Intensivtäter haben laut Hausmann zu 80 Prozent einen Migrations-Hintergrund, davon stammt rund die Hälfte aus arabischstämmigen Familien. „Ich sehe hier Hinweise auf eine unvollkommene Integration“, sagte der Oberstaatsanwalt. Bei einem Großteil der Familien mit ausländischen Wurzeln klappe es aber. Um dramatische Fehlentwicklungen bei jungen Menschen zu verhindern, müsse die Gesellschaft zeitiger eingreifen, sagte der Oberstaatsanwalt. Eltern sollten zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Heutige Intensivtäter seien meist nicht erst mit 14 Jahren mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Wo es archaische Familienstrukturen gebe und Konflikte mit Gewalt gelöst werden, fingen die Auffälligkeiten schon in frühester Kindheit an. Noch vor der Strafmündigkeit, die mit dem Erreichen des 14. Lebensjahres beginnt, würden dann Lehrer angegriffen. Verwarnung, Arrest, Anti-Gewaltkurse, Freiheitsentziehung – die Gerichte schöpften die Mittel des Jugendstrafrechts aus, in denen die Erziehung im Vordergrund steht, lobte Hausmann.