Meine Woche

Geschlossene Gesellschaft

Gilbert Schomaker über den Versuch, in Berlin Karneval zu feiern

Berlin, heijo! Erinnern Sie sich noch? Das war der Schlachtruf der fünften Jahreszeit in Berlin. Karneval in der Hauptstadt – das gab es mal. Es waren einige vereinzelte, zugezogene Rheinländer, die den Versuch starteten, den Berlinern das närrische Treiben beizubringen. Doch Berlin und der Karneval – sie kamen nie wirklich zusammen. Verkleidet hatten sich in der Hauptstadt eigentlich immer nur Exil-Rheinländer und einige Kinder. Der Karnevalsumzug auf dem Kurfürstendamm glich eher einer importierten Touristenattraktion, wobei die Berliner wie Touristen auf die Wagen und Spielmannszüge schauten.

Dagegen wird in den Karnevalshochburgen an Rhein und Main dieses Wochenende gefeiert, geschunkelt und gesungen. In Berlin bleiben die letzten verbliebenen Narren als geschlossene Gesellschaft unter sich.

In diesem Jahr ist der Karnevalsumzug auf dem Kurfürstendamm abgesagt. Kein Zoch kütt, weil der Karnevalsverein nicht die erforderlichen 32.000 Euro zusammenbekam. So viel Geld brauchten die Jecken in den vergangenen Jahren, um Kamelle unters Berliner Volk zu streuen, Blumenkübel zu schützen und hinterher die Wegstrecke wieder aufräumen zu lassen. Dann machten die Behörden auch noch Ärger beim Lärmschutz, und schließlich fehlten auch noch Sponsoren. Da wurde der ganze Umzug gleich abgesagt.

Dabei hätte es doch einiges zu lachen gegeben. Berlins und Brandenburgs Politiker empfehlen sich ja geradezu, von den Karnevalisten aufs Korn genommen zu werden. Das bunte, nicht enden wollende Treiben um den Flughafen, der ja bisher auch nur Attrappe ist. Oder die Peinlichkeiten um die Steueraffäre des ehemaligen Kulturstaatssekretärs André Schmitz. Oder der Hickhack um die Wowereit-Nachfolge. Was hätten die Narren sich nicht alles ausdenken können. Doch eine fröhliche Feierkultur wie am Rhein ist in Berlin offenbar undenkbar.

Selbst der Karnevalsprinz der diesjährigen Saisonin Berlin, Prinz Eddi I., hält es an der Spree nicht mehr aus. Er hat Asyl bekommen in Aachen, wo er am Rosenmontagszug teilnehmen darf. Die Aachener sind stolz auf ihren Umzug. Er sei mit seinen 150 teilnehmenden Gruppen und einer Länge von sechs Kilometern in der bundesdeutschen Top 10 der Karnevalsumzüge. Vielleicht ist das auch gut so. Nicht alle Traditionen sind kopierbar. Und wenn das höchste Lob der Berliner lautet, da kannste nicht meckern, wie soll da auch närrische Stimmung aufkommen? So werden sie sich am Rhein über Berlin lustig machen.

Immerhin haben wenigstens einige Berliner Humor, und wenn es auch nur Galgenhumor ist. Finanzstaatssekretärin Margaretha Sudhof legte diese Woche die Bilanz der Landesunternehmen vor. Der größte Verlustbringer sei eine unvollendete Gewerbeimmobilie in Brandenburg. Sie wissen schon: der BER, was sonst? Berlin, heijo!