Bildung

Schon 500 Bewerber für den Quereinstieg an Berlins Schulen

Bei der Berliner Senatsverwaltung für Bildung haben sich bislang rund 500 Bewerber aus verschiedenen Berufsgruppen für einen Quereinstieg als Lehrer gemeldet.

Thorsten Metter, Sprecher von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), dazu: „Wie viele tatsächlich die Voraussetzungen erfüllen, können wir aber noch nicht abschließend sagen.“

Bildungssenatorin Scheeres hatte erst in der vergangenen Woche den Weg frei gemacht für die Einstellung von Quereinsteigern in Größenordnungen, indem sie fast alle Unterrichtsfächer zu Mangelfächern erklärte. Hintergrund für diesen Schritt ist die große Personalnot an den Berliner Schulen. Für das kommende Schuljahr müssen noch mindestens 1000 Lehrer gefunden werden.

Neuer Tarifvertrag gefordert

Dieter Haase vom Gesamtpersonalrat der Lehrer bezeichnet Scheeres’ Entscheidung als logischen Schritt. Zugleich forderte er den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf, endlich zu handeln. „Herr Wowereit muss den Tarifstreit beilegen“, sagte Haase. Berlin brauche einen eigenen Tarifvertrag für Lehrer. „Wir können nicht warten, bis sich alle 16 Bundesländer geeinigt haben – falls das überhaupt passiert.“ In Berlin sei das Einstiegsgehalt der Pädagogen zwar hoch, aber eben nicht tariflich abgesichert. Lehrer aus Bayern, Baden-Württemberg oder Hessen kämen deshalb nicht nach Berlin. Und dass, obwohl es in diesen Bundesländern mehr Lehrer gebe, als dort benötigt würden. Zurzeit nehmen in Berlin 181 Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung, so genannte Quereinsteiger oder Seiteneinsteiger, an öffentlichen Schulen am berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst teil. Scheeres’ Sprecher sagte dazu: „Die Schulen geben überwiegend positive Rückmeldungen. Bewährt haben sich Tandems aus erfahrenen Kollegen und Quereinsteigern.“

Die Vereinigung der Berliner Schulleiter (VBS) bezeichnete die Entscheidung der Senatorin, fast alle Fächer als Mangelfächer zu erklären, als Bankrotterklärung. Sie warnte, dass 2014 ein Krisenjahr werde. Der Einstellungsbedarf gehe weit über das hinaus, was noch in den vergangenen Jahren nötig war. Ulrich Meuel vom VBS sagte, dass vor allem Schulen in sozialen Brennpunkten kaum noch eine Chance hätten, zusätzliche Lehrer zu bekommen. An der Paavo-Nurmi-Grundschule in Marzahn fällt zum Beispiel seit mehr als einem Jahr massiv Unterricht aus. Schulleiter Dieter Stephan sagte, dass er zwar einen Lehrer einstellen könne. „Ich finde aber niemanden, der nach Marzahn kommen will.“ Die Schule war bereits zu Anfang des Schuljahres nicht zu 100 Prozent ausgestattet.