Clubszene

Der vergessene Techno-Club

Die Gründerin des „Morlox“ sucht eine neue Bleibe in der Nähe des Yaam

Ein weiterer Techno-Club in Berlin ist in Gefahr. Die Gespräche über die Zukunft des Clubs Morlox stagnieren. Im September musste er einer Räumungsklage der Grundstückseigentümer in Friedrichshain weichen. Seitdem ist wenig passiert: Auf dem ehemaligen Morlox-Standort sollen Wohnungen entstehen. Der Baubeginn ist aber noch unbekannt. Und das Morlox sucht seit seinem Auszug nach einem Ersatzgelände – ohne erkennbare Erfolge. „Die Clubkultur ist ein verdammtes Haifischbecken,“ sagt Ute Güldag, ehemalige Besitzerin und Verfechterin des Morlox, und fasst so die letzten Monate der Standortsuche zusammen.

Auf der Suche nach einer längerfristigen Bleibe für den Club Yaam und die Magdalena, habe die Clubbeauftragte des Bezirks Katrin Schmidberger vorgeschlagen, auch das Morlox mit in die Lösungsfindung einzubeziehen – einen kleinen Techno-Club, aber umso wichtiger für die Berliner Szene. Hinter einem Sichtschutz aus Brettern versteckt, blieb das Morlox von Touristen unentdeckt und so ein Treffpunkt der Ur-Berliner. „Berliner kamen ins Morlox und fanden sofort Anschluss, auch wenn sie zum ersten Mal dort waren. Wenn ein Tourist zwei bis drei Mal im Jahr in einem Hauptstadt-Club tanzt, bleibt er doch Zaungast des Berliner Clubgeschehens,“ begründet Güldag ihren Stolz auf die Abgeschiedenheit des Clubs. Für sie war das Morlox ein Zuhause, in dem die Eltern immer verreist waren – eine große Party, zu der jeder seine Freunde mitbringen konnte. Niemanden interessierte es, ob man Zigaretten auf dem Boden ausdrückte, irgendwann würde ja wieder aufgeräumt. „Das Morlox war versifft und ranzig, aber genau das war der Charme,“ erinnert sich Güldag stolz.

Bei der Suche nach einer neuen Bleibe für den Club wollte Clubbeauftragte Katrin Schmidberger helfen. Die ersten Gespräche über die Zukunft des Morlox wandten sich in Richtung eines leer stehenden Geländes der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala) in Friedrichshain. Später einmal soll die Stadtautobahn dort entlangführen. Doch im Moment steht das Gebäude noch. „Die Gesellschaft ist interessiert, ihr Gelände an den Meistbietenden zu verkaufen,“ sagt Schmidberger. Gespräche zwischen dem Club Magdalena und der Behala entstanden. „Wir haben auch keine Millionen herumliegen. Aber wir haben eine Möglichkeit gefunden die hohen Kosten zu stemmen,“ sagt Marco Archidiacono, Sprecher des Clubs. Gemeinsam mit dem Open-Air-Club Lichtpark will die Magdalena in den kommenden Monaten dort einziehen. Ihr Gelände an der Schillingbrücke gibt die Magdalena auf, weil das Yaam dort seine neue Heimat finden soll. „Als Club, Open-Air-Gelände und soziales Projekt in einem ist das Yaam einzigartig. In einer Bezirksverordnetenversammlung wurde deshalb seine Rettung beschlossen,“ erklärt Katrin Schmidberger die Prioritätensetzung bei der Club-Rettung.

Das Yaam also zieht im Frühling an die Schillingbrücke, Lichtpark und Magdalena auf das Behala-Gelände – nur das Morlox wurde scheinbar vergessen. „Das Behala-Gelände kann ich mir schlichtweg nicht leisten,“ erklärt Ute Güldag. Aber auch andere Lösungen wurden immer unwahrscheinlicher. Der Vorschlag, dass das Morlox gemeinsam mit dem Yaam auf das Magdalena-Gelände ziehen sollte zum Beispiel. „Gemeinsam mit Marco Archidiacono haben Katrin Schmidberger und ich das Gelände besichtigt. Das Morlox hätte dort etwa drei kleine vom Yaam unabhängige Räume mit eigenem Zugang. Das wäre für mich ein Traum. Das passt zum Morlox“, schwärmt Ute Güldag. Groß genug soll das Grundstück sein. Vier bis fünf kleinere Clubs könnten auf dem Grundstück Platz finden, bestätigen Archidiacono und Güldag. Yaam-Sprecher Jan Lerch sieht das anders: „Das neue Gelände wird kleiner sein als unser letztes. Wir brauchen Platz für sportliche Aktivitäten.“ Ute Güldag jedoch setzt auf die gemeinsame Lösung mit dem Yaam. „Ich werde danach nicht nach einer weiteren Bleibe für das Morlox suchen. Dann soll es das eben gewesen sein.“