Sicherheit

Gefährliche Leitung: Schon wieder Gasalarm in Berlin

Sechs Fälle innerhalb der vergangenen zwölf Tage. Netzgesellschaft gibt Warnhinweise

Innerhalb der vergangenen zwölf Tage gab es sechs größere Gasalarme in Berlin. Sechsmal mussten Feuerwehr, Entstörungsdienst und Polizei Straßenabschnitte absperren, Häuser evakuieren und auch schwer verletzte Menschen in ein Krankenhaus bringen. Zum Teil wurden S-Bahnverbindungen eingestellt, Tram-Linien konnten nicht mehr befahren werden. Die Gründe für die Einsätze in Weißensee, Mitte oder Spandau, bei denen die Spezialisten des Entstörungsdienstes und die Rettungskräfte ausrücken mussten, waren vielfältig. Defekte Gasschieber und undichte Leitungen, aber auch unachtsame Bauarbeiter, die beim Erdaushub Gasleitungen im Boden übersahen und diese zerstörten. In der Vergangenheit waren es auch Buntmetalldiebe, die selbst vor aktiven Gasleitungen nicht Halt machten. Am Dienstag waren es allerdings unachtsame Mieter und Hausbesitzer, die die Rettungskräfte auf den Plan riefen.

Gefahr im Keller

Am Morgen bemerkten die Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Lynarstraße in Spandau den Geruch von Gas. Daraufhin wurden vorsorglich die Bewohner des Hauses aus ihren Wohnungen geholt. Die Ursache für das austretende Gas wurde aber schnell gefunden. An der Hausinstallation im Keller sei eine Kupferleitung gerissen, sagte Carsten Döring, Sprecher der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB). Offenbar hatten Mieter des Hauses in den Kellerräumen Sperrmüll so ungünstig an der Wandgestapelt, dass das Kupferrohr von der Last eingedrückt wurde.

Nur wenige Stunden später meldete die Feuerwehr das nächste Gasleck. An der Holzmarktstraße in Friedrichshain hatte ein Bagger bei Bauarbeiten eine Leitung beschädigt. Der betroffene Straßenabschnitt war für mehrere Stunden zwischen der Lichtenberger Straße und dem Stralauer Platz gesperrt.

Das Berliner Gasnetz gehört mit seinen rund 7000 Kilometern Leitungslänge zu den größten innerstädtischen Gasverteilernetzen Europas. Darüber wurden im vergangenen Jahr 27.000 Gigawattstunden transportiert. Ingesamt beliefert die NBB 167.000 Netzanschlüsse mit rund 628.000 Zählern.

„Im vergangenen Jahr hatte unser Entstörungsdienst ungefähr 5300 Einsätze“, sagt Döring. „In etwa 3500 Fällen strömte Gas aus, beziehungsweise wurde der Alarm ausgelöst, weil Gasgeruch gerochen wurde.“ 670 Störungen habe es im öffentlichen Straßenland und auf privaten Grundstücken gegeben, beispielsweise durch undichte Leitungen, defekte Verbindungsstücke und kaputte Kundenanlagen. In rund 70 Fällen hätten Bagger die Leitungen bei Bauarbeiten gekappt.

„Alle Firmen, die im öffentlichen Straßenland bauen, müssen ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen und bei uns eine Leitungsauskunft einholen und auch den Baubeginn anzeigen“, sagt Döring. Das gelte auch für Wasser-, Strom- und Telefonleitungen bei den jeweiligen Netzbetreibern. Leitungen könnten sich aber auch absenken und verschieben oder durch vorherige Arbeiten ein wenig von den kartografierten Flächen abweichen. So könne es ebenfalls zu den Havarien kommen. In solchen Fällen übernimmt die Berufshaftpflichtversicherung des Bauunternehmers den Schaden.

„Ungiftig und geruchlos“

„Wir haben es aber auch mit Firmen zu tun, die Kosten sparen wollen und keine Auskünfte einholen“, sagt Döring. Ein Firmenbesitzer würde aktuell vor Gericht stehen. Ihm wird nun ein Prozess wegen Sachbeschädigung und dem Herbeiführen einer Explosionsgefahr gemacht.

„Erdgas ist völlig ungiftig und von Natur aus geruchlos“, sagt Nadine Welzel, stellvertretende Sprecherin von NBB. „Um ausströmendes Gas dennoch bemerken zu können, wird ein sehr intensiv riechender Duftstoff beigemischt.“ So würden selbst kleinste freiwerdende Mengen nicht unbemerkt bleiben. Denn sinkt durch das Gas der Sauerstoffgehalt in der Atemluft, droht Erstickungsgefahr. „Schlägt die Nase Alarm, ist das aber kein Grund zur Panik.“ Wer Erdgas in Kellerräumen, im Hausflur oder in der Wohnung bemerkt, sollte auf jeden Fall Ruhe bewahren. Auf keinen Fall dürfe mit offenem Feuer hantiert werden, dazu gehöre auch das Rauchen oder das Benutzen von Streichhölzern. Laut Welzel dürften auch keine elektrischen Geräte angeschaltet werden, Türklingeln und Handys seien ebenfalls tabu. Stattdessen Fenster und Türen öffnen. „Dann den Gashahn schließen, Nachbarn warnen und das Haus verlassen“, sagt die Sprecherin. „Erst dann von außerhalb des Hauses den NBB-Entstörungsdienst anrufen.“

NBB-Entstörungsdienst im Netzgebiet Berlin: 030/78 72 72, im Netzgebiet Brandenburg: 0331/749 53 30