Fest

Sportbaron mit Kante

Auch an seinem 80. Geburtstag mit 200 Weggefährten spart Sportfunktionär Manfred von Richthofen nicht mit Kritik

Der Jubilar machte seinem Ruf alle Ehre. Als kritischer Geist, als Mann klarer Worte ist Manfred von Richthofen bekannt. Auch an seinem 80. Geburtstag schalt er in seiner Rede gleich die Sportfunktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Mit Blick auf die Winterspiele in Sotschi und die dort aus dem Boden gestampften Sportbauten sprach er von einem „Verbrechen an der Natur“. Olympische Spiele „dürfen nicht an Länder vergeben werden, in denen Personenkult herrscht und die Grundsätze der Demokratie mit Füßen getreten werden“.

Die 200 geladenen Gäste im Sternberg Theater in der Spielbank Berlin am Potsdamer Platz spendeten viel Beifall für diese klaren Worte. So kennen ihn die Freunde und Weggefährten aus Politik, Kunst und Sport, die am Sonntag den Ehrentag mit dem Berliner Sportfunktionär feierten. Erst in Berlin, dann in Deutschland hat von Richthofen die Sportpolitik über viele Jahre entscheidend mitgestaltet. Berlin als Sportstadt zu positionieren war ihm vor und nach dem Fall der Mauer eine Herzensangelegenheit.

Dieses Engagement des streitbaren Manfred Freiherr von Richthofen, gern als Sportbaron tituliert, wurde vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ebenso gewürdigt wie von Christa Thiel, der Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), und Klaus Böger, dem Präsidenten des Landessportbundes Berlin (LSB). Unter den Gratulanten waren der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen, Bernhard Vogel, die ehemaligen Regierenden Bürgermeister Walter Momper und Eberhard Diepgen, aber auch Sportgrößen wie die Welt-Hockeyspielerin Natascha Keller, die bei den Olympischen Spielen in London 2012 die deutsche Fahne ins Stadion getragen hatte.

Erst steht Wowereit im Mittelpunkt

Von Richthofen amüsierte sich über einen Film, der sein Lebenswerk würdigte, in dem er als kämpferischer Redner gezeigt wurde, aber auch als kleiner Junge, als man ihn noch „Pützi“ nannte. Und er freute sich, als ihm Wowereit in seiner Laudatio zurief: „Wir brauchen nicht abgeschmirgelte Persönlichkeiten, bleiben Sie kantig!“

Negativ und positiv zugleich war die Anwesenheit des Regierenden für den Gastgeber. Der gerade wegen der Schmitz-Affäre in der Kritik stehende Wowereit zog beim ersten offiziellen Auftritt nach seinem Skiurlaub ein großes Aufgebot an Journalisten an. Zu Beginn der Veranstaltung stand Wowereit, der auch immer wieder von Moderator Johannes B. Kerner besonders erwähnt wurde, mehr im Mittelpunkt als von Richthofen. Doch dadurch wurde auch die Bühne für Manfred von Richthofen, der mit Wowereit die Geburtstagstorte anschnitt, noch größer.

Als „kämpferisch und klare Kante zeigend“ beschrieb Wowereit den Jubilar. Von 1994 bis 2006 war der gebürtige Berliner Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB). Taktieren und paktieren, das gehört zum politischen wie zum sportpolitischen Geschäft. Von Richthofen, der Neffe des gleichnamigen „Roten Barons“, kannte es aus dem Effeff. Ob in Berlin als Direktor beim LSB oder später ehrenamtlich als dessen Präsident und eben als DSB-Chef: Er saß immer in den wirklich wichtigen Kungelrunden. Und sagte einst über sich mit einem milden Lächeln: „Ich bin nicht unbedingt ein angenehmer Präsident.“

Von Richthofen hat immer polarisiert. Er weiß: „Man nimmt es mir vielleicht übel, dass ich manchmal etwas lauter bin.“ Leisetreten war und ist seine Sache nicht. Kritiker nannten von Richthofen schon mal selbstherrlich oder eitel, weil er den unbedingten Willen besitzt, von den wirklich Wichtigen auch wirklich wichtig genommen zu werden. So manchen hat er während seiner Karriere als Sportfunktionär angerempelt, seine direkte, oft fordernde Sprache hat einige verschreckt. Doch dem Sport verschaffte er damit in der Politik wieder Gehör. Der Lautsprecher des Sports verließ schon mal grußlos eine Sitzung mit dem damaligen Bundesinnenminister Manfred Kanther. Was Kanther abgelehnt hatte, setzte der Freiherr später direkt bei Bundeskanzler Helmut Kohl durch.

Stolz erzählt der mit feinem Humor und Ironie ausgestattete Sportbaron in kleiner Runde solche Begebenheiten. Immer gewürzt mit etwas Spott über die, die in seinen Augen provinziell, ohne Format und Weitblick sind. Als ehemaliger Hockey-Spieler und -Trainer spricht er die Sprache des Sports.

Für den Unternehmer von Richthofen, unter anderem Teilhaber an Spielbanken, war es wichtig, unabhängig zu sein und sich von nichts und niemandem vereinnahmen zu lassen. Auch nicht von eigenen Parteifreunden aus der CDU, in der er in Berlin zwischen 1965 bis 1969 sogar stellvertretender Landesvorsitzender war. Als bestes Zeichen dieser Unabhängigkeit wertete er es, „dass ich aus der CDU schon Briefe bekommen habe, ich solle mich doch erinnern, wo ich herkomme“. Ein Hinweis, der ihn eher belustigte. Denn wenn er – selbst als DSB-Präsident – mehrmals im Monat bei kleinen Vereinen mittendrin saß, kannte er sowieso nur eine Partei: den Sport. Das hat sich bis heute nicht geändert.