Erzählungen

„Das ist kein Umweg“– Taxi-Erlebnisse der Morgenpost-Mitarbeiter

Die Strecke von der Baerwaldstraße Ecke Gneisenaustraße bis zur Zimmerstraße in Kreuzberg fahre ich oft.

Mit Ansage in die Rushhour

Auf dem kürzesten Weg, welchen ich kenne, kostet sie meist 6,80 Euro. Denn über den Mehringdamm zu fahren ist ein Umweg, genauso wie durch die Zossener Straße. Zu Beginn der Fahrt sage ich meist: „Bitte fahren Sie durch die Baerwaldstraße und durch die Blücherstraße.“ Und selten klappt das ohne Widerspruch. Vor ein paar Wochen wollte sich eine Taxifahrerin gar nicht überzeugen lassen. Es war etwa 9 Uhr, sie favorisierte den Mehringdamm. Nach einigem Hin und Her lenkte ich ein: „Also gut, wenn Sie unbedingt wollen...“ Sie wollte, und wir blieben an der Ampel Mehringdamm – Rushhour – schön lange stehen. Sie meckerte: „Ich fahre schon 20 Jahre Taxi, so ein Stau war hier noch nie.“ Dann überfuhr sie beinahe noch einen Radfahrer, der Grün hatte, und schimpfte: „Es gibt solche Tage, die fangen einfach schlecht an.“ Tja, ich war ihr schlechter Start, sie meiner, der auch noch 8,20 Euro kostete.

Unterwegs nur in Steglitz

Landung am Sonntagmorgen um 7.15 Uhr in Tegel. Mit dem großen Koffer geht es zum Taxistand, Terminal C. „Nach Prenzlauer Berg, Helmholtzplatz, bitte“, sage ich. „Wo liegt der Helmholtzplatz? Den kenne ich nicht. Da müssen Sie mich lotsen“, antwortet der Fahrer deutscher Herkunft – ohne zu zögern. Ich habe keine Lust auf Streit, also sage ich ihm, wie er fahren soll. Auf der Fahrt stellt sich heraus, dass er seit gut zwei Monaten den P-Schein besitzt. „Ich bin eigentlich nur in Steglitz unterwegs“, erzählt der Mann. Denn die Nummer seines Taxi-Unternehmens rufen vor allem die West-Berliner an, die im Ostteil der Stadt wählen noch immer eine andere. Und wie war das mit der Prüfung für den Taxischein? „Den Kollwitzplatz kenne ich, den Bersarinplatz auch“, antwortet er. Aber vom Helmholtzplatz habe er noch nie etwas gehört. Sonntagmorgen sind die Straßen leer, wir kommen rasch nach Prenzlauer Berg. Nein, hier war er noch nie, sagt der Taxifahrer. Er ist ein Berliner.

Geschäftsmodell Möbeltaxi

Sonnabend, vor einem Berliner Ikea. Der Palettenwagen ist voll beladen mit Möbelpaketen. Per Handy bestelle ich bei der Taxizentrale ein Kombi-Taxi mit Rückbank zum Umlegen. Die Auskunft: „Das Taxi kommt in fünf bis sieben Minuten.“ Doch kaum zwei Minuten später steigt ein Taxifahrer aus seinem Wagen, der schon die ganze Zeit vor dem Haupteingang gestanden hat. „Sie haben doch ein Taxi bestellt?“ „Genau.“ Der Fahrer ist höflich, hilft mit, die Pakete in seinen Kombi zu laden. Dabei sagt er nebenbei: „Das kostet aber einen Zuschlag.“ „Ok.“ Auf der Fahrt frage ich ihn, ob er jeden Sonnabend vor Ikea stehe. „Ja“, so die knappe Antwort. Und ob er nach meiner „Fuhre“ gleich wieder dorthin fahre. Wieder „ja“. Am Ziel zeigt das Taxameter 12,70 Euro. Allerdings ist da noch der Zuschlag. „Sagen wir 35 Euro“, so der Fahrer. „Immer noch billiger als ein Möbeltaxi.“ Ich zahle. Ob das rechtens ist, frage ich nicht. Denn es stimmt: Jede andere Alternative wäre teurer gewesen. Auch ein Geschäftsmodell.

Rallyefahrt in die Zimmerstraße

Ein wichtiger Termin in Mitte, ich stehe am Flughafen Tegel und habe nur noch 20 Minuten Zeit. Zu spät zu kommen ist undenkbar. Also ab zum nächsten Taxistand. Offenbar an der Reihe ist ein Hybrid- Auto. Hoffentlich fährt der Fahrer heute nicht besonders sparsam, denke ich. „Guten Abend, bitte einmal in die Zimmerstraße.“ Hinterm Steuer sitzt ein schmaler Mann, Mitte 40. „Und wenn es geht, bitte ganz, ganz schnell“, sage ich. Offensichtlich ein Signal für ihn, eine Art Turbo zu zünden. Kurz nach dem Abbiegen in den Saatwinkler Damm werde ich von der Beschleunigung in den Sitz gedrückt, das Hybrid-Auto röhrt plötzlich sehr laut. Wir fliegen über die Straße, kleinere Bodenwellen sind nicht mehr spürbar, größere leider sehr. So stelle ich mir Rallyefahren vor. Die Augen des Fahrers blitzen mich im Rückspiegel belustigt an. Nach nicht einmal 15 Minuten rollen wir in die Zimmerstraße. Ich bin superpünktlich, aber mein Herz klopft noch ein Weile.