Eingeständnis

Der Racheplan von Kadir P. war der Polizei bekannt

Behörde räumt Fehler bei der Bewertung der Gefahr ein

Das Landeskriminalamt (LKA) war vor den Schüssen am 10. Januar auf Tahir Ö. informiert, dass dieser getötet werden soll. Verhindert hat die Polizei den blutigen Anschlag der Rocker in einem Reinickendorfer Wettbüro nicht. Jetzt räumt die Polizei Fehler bei der Bewertung der Gefahrenlage und Versäumnisse in der internen Kommunikation ein.

Wie berichtet waren am 10. Januar 13 Männer in das Wettbüro an der Residenzstraße gestürmt und hatten den 26 Jahre alten Tahir Ö. erschossen. Der mutmaßliche Schütze Rezep O. und der vermutliche Auftraggeber für den Mord, der Hell-Angels-Boss Kadir P., sowie sechs weitere Mittäter sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

Laut Polizei handelte es sich bei dem Mord um einen Racheakt, von dem die Polizei von einem Verbindungsmann vorab informiert war. Tahir Ö. soll bei einer Prügelei im Oktober vorigen Jahres vor einer Diskothek zwei Türsteher – Gefolgsleute von Kadir P. – mit einem Messer verletzt haben. Es sei klar gewesen, dass ein für seine Gewaltausbrüche bekannter Rocker darauf nur mit Gewalt antworten konnte, hieß es bereits im Herbst 2013 in Ermittlerkreisen. Am 10. Januar wurde Tahir Ö. erschossen. Dass der Tote zuvor nicht gewarnt wurde, erklärte LKA-Chef Christian Steiof auf einer Pressekonferenz am 24. Januar so: Er (Tahir Ö.) sei nicht erreichbar gewesen, weil er sich ins Ausland abgesetzt habe.

„Nach dem 24. Januar hat es weitere ... Auswertungen und Gespräche mit allen beteiligten Dienststellen gegeben. Diese haben inzwischen ergeben, dass es entgegen den Angaben in der Pressekonferenz noch im November 2013 einen Hinweis zur Rückkehr Tahir Ö. nach Berlin gab“, teilte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Dienstag mit. „Diesen Hinweis hat die zuständige Fachdienststelle aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen nicht in ihre Gefährdungsbewertung einbezogen. Daher ist mit Tahir Ö. kein Sensibilisierungsgespräch geführt worden.“ Mit zwei weiteren Personen wurden hingegen solche Gespräche geführt.

Die Gefahrenlage sei nicht richtig bewertet worden, heißt es nun. Daher wurden die Telefonate von Kadir P. nicht live mitgehört, sondern erst später ausgewertet. „Ein kurz vor dem Tattag geführtes Telefonat ist daher erst nach der Tat ausgewertet worden“, so Neuendorf. Aus diesem Gespräch hätte sich ergeben, dass Tahir Ö. von seiner Gefährdung wusste, sich mit Schutzweste und Schusswaffe ausgerüstet und provozierend in der Szene bewegt habe. An Spekulationen, ob die Polizei dessen Tötung hätte verhindern könne, wollen man sich nicht beteiligen, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der Morgenpost.