Innovationsmonitor

Neu, innovativ und bestens entwickelt

Mehr als 30.000 Fachkräfte arbeiten laut einer Studie in der Forschung. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen engagieren sich in Berlin

Wer noch immer daran zweifelt, wie attraktiv Berlin als Standort wirklich ist, sollte die Mitarbeiter von Acrolinx fragen. Das Unternehmen stellt Software her, die Autoren maßgeschneiderte Hilfe bei ihren Texten bietet. Auf diese Weise wird nicht nur die Rechtschreibung überprüft, das System gibt auch Lösungsvorschläge bei Grammatikfehlern und Stilfragen. Zu den Kunden gehören unter anderem Technikfirmen wie Google und Facebook, die bei ihren Produkten zwingend auf eine korrekte Ausdrucksweise angewiesen sind.

Von den weltweit 70 Mitarbeitern sitzen 40 am Gründungsstandort in Berlin. „Wir hatten nie Schwierigkeiten, talentierte Leute nach Berlin zu holen“, sagt Ulrich Callmeier, der Chef von Acrolinx. Das zeige schon allein die Herkunft der neuen Kollegen. „Den längsten Umzug hat ein Mitarbeiter auf sich genommen, der aus Hawaii zu uns kam“, so Ulrich Callmeier. Vor elf Jahren wurde Acrolinx in Berlin gegründet. Anfangs hat die Firma auch von staatlichen Fördergeldern profitiert. „Das hat uns sehr geholfen“, sagte Ulrich Callmeier. Eine Verlagerung des Betriebs kommt für ihn nicht in Frage. „Berlin bleibt der wichtigste Forschungsstandort für unser Unternehmen“, sagte er. Geschäftszahlen veröffentlicht die Firma mit Sitz an der Friedrichstraße in Mitte nicht. Der Umsatz soll aber auf den zweistelligen Millionenbereich zugehen.

Die Fördergelder für Acrolinx waren offenbar gut investiert. Das zeigt sich in einem größeren Umfang auch in dem Innovationsmonitor der Technologiestiftung Berlin (TSB). „Berlin hat in den letzten Jahren nachhaltige Strukturen ausgebildet, die besonders innovationsfördernd sind“, sagte Cornelia Yzer (CDU), Berlins Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung. Sie stellte den Bericht am Montag zusammen mit dem TSB-Vorstandsvorsitzenden Nicolas Zimmer vor. Rund ein Drittel der innovativen Berliner Unternehmen sei an Kooperationen beteiligt, um neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, so Yzer. Im gesamten Bundesgebiet arbeite dagegen nur ein Viertel der Unternehmen in entsprechenden Netzwerken oder Partnerschaften.

Ein großer Vorteil für die Firmen in der Hauptstadt ist die hohe Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte. Laut der Studie haben in Berlin 1,2 Millionen Menschen und damit etwas mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen einen Hochschulabschluss oder sind in einer Position tätig, die eine vergleichbare Qualifikation voraussetzt. „Geeignete Talente nach Berlin zu holen ist bislang das geringste Problem“, so die Wirtschaftssenatorin. „Wichtig ist, dass diese Anziehungskraft für hoch qualifizierte Fachkräfte erhalten bleibt.“ Denn das bilde die Grundlage für künftiges Wirtschaftswachstum.

Zudem tragen die Fachkräfte zum Erfolg der ansässigen Forschungseinrichtungen bei. Über 30.000 Menschen arbeiten in Berlin in diesem Bereich. Sie erhalten dabei eine vergleichsweise hohe Förderung durch die öffentliche Hand. So sind fast zwei Drittel der Berliner Forscher an Instituten oder Hochschulen tätig. Der Rest arbeitet in Forschungseinrichtungen der Privatwirtschaft. Im Bundesdurchschnitt ist es genau umgekehrt, dort spielt die Forschung der Industrie eine größere Rolle.

Insgesamt werden laut dem Innovationsmonitor rund 3,6 Milliarden Euro jährlich für Forschung und Entwicklung in Berlin ausgegeben. Drei Viertel davon fließen in Spitzentechnologien und wissensbasierte Dienstleistungen. Auffällig ist, dass vor allem kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten besonders viel für die Forschung ausgeben. Zusammen steuern sie rund 40 Prozent der insgesamt 1,4 Milliarden bei, die die Berliner Wirtschaft in die Entwicklung neuer Technologien und Produkte investiert. Auch das ist ein deutlicher Unterschied zum Bundesdurchschnitt. In ganz Deutschland beteiligen sich kleine und mittlere Unternehmen nur mit 20 Prozent an den Forschungs- und Entwicklungsausgaben.

Wachstumsschub für die Wirtschaft

Für TSB-Chef Nicolas Zimmer belegt der Innovationsmonitor, „dass sich Berlin zur Hauptstadt für wissensintensive, technologieorientierte Branchen entwickelt und immer innovativer wird.“ So haben lfast zwei Drittel der hier ansässigen Unternehmen zwischen 2010 und 2012 neue Produkte eingeführt. „Damit zeigte sich die Berliner Wirtschaft insgesamt viel innovativer als der Bundesdurchschnitt“, so Zimmer. In ganz Deutschland hat demnach im Schnitt gerade mal die Hälfte aller Firmen ein neues Produkt auf den Markt gebracht.

Zimmer geht davon aus, dass sich die positive Entwicklung fortsetzt. Darauf deuteten einige Indikatoren aus der Studie hin. So gibt es in keinem anderen Bundesland mehr Gründungen im Hightech-Bereich als in Berlin. Mit 929 Gründungen in diesem wichtigen Wachstumssektor stehe Berlin an der Spitze. Zudem habe eine Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ergeben, dass die Hälfte der Berliner Unternehmen weitere Innovationsaktivitäten plane. In ganz Deutschland sind es im Schnitt nur 42 Prozent der befragten Firmen.