Nahverkehr

„Gute Sache für Menschen, die nicht viel Geld haben“

Berliner diskutieren über Mitfahrplakette für BVG und S-Bahn

Der BVG-Mitfahrbutton sorgt für heftige Diskussionen unter den Berlinern. Auf der Facebook-Seite der Berliner Morgenpost reichen die Kommentare von „tolle Idee“ bis „Laufen ist gesund“. Die Naturfreundejugend, die die Idee zu der Aktion hatte, verteilt in der Stadt gelbe Plaketten mit dem Aufdruck „Ticket teilen“. Dahinter steht das Angebot an Menschen, die kein Geld für ein Ticket haben, kostenlos in Bahnen und Bussen mitzufahren.

Viele Monatskarteninhaber der BVG oder der S-Bahn dürfen abends nach 20 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen einen Erwachsenen und bis zu drei Kinder mitnehmen. Wer dazu bereit ist, kann einen der gelben Buttons anstecken und so beispielsweise anderen Wartenden an der Bushaltestelle signalisieren, dass er umsonst eine Mitfahrgelegenheit bietet.

Leben auf Kosten anderer

Viele Facebook-Nutzer freuen sich, dass die Berliner durch den Button anderen helfen können: „Warum sollte man auch die Gratismitfahrt verfallen lassen, wenn andere es nötig haben, weil sie sich eben keine Fahrkarte leisten können“, schreibt ein Nutzer auf der Morgenpost-Facebook-Seite, ein anderer: „Eine gute Sache für Menschen, die nicht so viel Geld haben.“ Aber es gibt auch Kritik: „Ich finde es Schwachsinn, auf Kosten anderer zu leben“, heißt es in einem Kommentar, und weiter: „Lieber weniger süffeln und rauchen und das Geld besser einteilen, wenn man schon nicht arbeiten geht, dann reicht es auch für ein Ticket.“ Andere Nutzer kritisieren das Tarifsystem im öffentlichen Nahverkehr und fordern, die Preise auch für Empfänger von Arbeitslosengeld 1 zu senken oder Hartz-IV-Empfänger generell umsonst fahren zu lassen.

Und noch ein Gedanke spielt eine wichtige Rolle in den Kommentaren: „Je weniger bezahlen, umso teurer wirds“, fasst eine Nutzerin die Sorge zusammen, dass sinkende Einnahmen die Preise für Fahrkarteninhaber steigen lassen könnten. Ein Einzelfahrschein für das Tarifgebiet Berlin AB kostet derzeit 2,60 Euro, eine VBB-Monatskarte 78 Euro. Nur mit der VBB-Umweltkarte können abends und am Wochenende andere umsonst mitgenommen werden. Wer ein ermäßigtes Abo hat, beispielsweise ein Schülerticket oder das Senioren-Abo, kann an der Aktion nicht teilnehmen.

Auf Twitter wird die Aktion unter #ticketteilen diskutiert. Die Kommentare sind überwiegend positiv, von „super“ über „nette Idee“ bis zu „sinnvoll“ und Hinweisen, wer sich wie beteiligen kann. Allerdings gibt es auch hier die Frage, ob eine solche Aktion ausreicht oder nur eine „nette Geste“ ist, die nicht genügt, um Menschen mit wenig Geld zu mehr Selbstbestimmung zu verhelfen.

Auf den Facebook-Seiten der Naturfreunde Berlin und von ticketteilen.org gibt es viel Unterstützung für die Organisatoren. Weitere Informationen: www.ticketteilen.org