Schulgesetz

Ab 3,0 ist Beratung Pflicht

Eltern von schwachen Schülern müssen künftig zum Direktor, wenn ihr Kind auf ein Gymnasium soll

Für 292.632 Berliner Schüler beginnen morgen die Winterferien. Eine Woche lang können sie sich vom Schulalltag erholen. Doch bevor es soweit ist, bekommen die meisten von ihnen heute ihre Halbjahreszeugnisse. Das ist aufregend für die Schüler. Und für alle, die nach den Sommerferien an die Oberschule wechseln – das sind in diesem Jahr rund 30.000 Kinder – ist dieses Zeugnis von besonderer Bedeutung. Sind doch die Halbjahreszensuren für die Berechnung der Durchschnittsnote und damit für die weitere Schulempfehlung ausschlaggebend. Gymnasium oder Integrierte Sekundarschule – für die Empfehlung der Lehrer sind die Zensuren wichtig.

Ungeachtet der Empfehlungen können in Berlin aber die Eltern entscheiden, an welcher Schulform sie ihr Kind anmelden wollen. Neu ist allerdings, dass sie an einem Beratungsgespräch teilnehmen müssen, wenn ihr Kind nach dem ersten Halbjahr der sechsten Klasse einen Zensurendurchschnitt von 3,0 oder schlechter hat und sie es trotzdem am Gymnasium anmelden wollen. Nehmen sie das Gespräch nicht wahr, haben ihre Kinder künftig keine Chance mehr, an einem Gymnasium aufgenommen zu werden.

Das Beratungsgespräch sollte laut Schulgesetz möglichst an einem der drei Gymnasien stattfinden, die die Eltern als Wunschschulen angeben. Es kann aber auch an jedem anderen Gymnasium durchgeführt werden.

Die Pflichtberatung für Eltern ist Teil des neuen Schulgesetzes, das kürzlich beschlossen worden ist. Das Beratungsgespräch soll den Eltern helfen, eine Entscheidung zu fällen, die im Sinne ihres Kindes ist. Zwar ist es nicht zwangsläufig so, dass schlechtere Schüler am Gymnasium scheitern müssen. Für viele Kinder ist der Leistungsdruck dort aber zu groß. Sie lernen besser, wenn sie mehr Zeit dazu haben und auch mehr praktischen Unterricht, wie das an den Sekundarschulen der Fall ist. Zudem soll den Kindern die entmutigende Situation des Scheiterns erspart werden, die sie durchleben müssen, wenn sie das Probejahr am Gymnasium nicht bestehen.

„Im Sinne der Kinder“

In diesem Jahr ist die Beratung allerdings noch nicht verbindlich. Laut Bildungsverwaltung werden die erforderlichen Rechtsgrundlagen für das Beratungsgespräch erst nach dem Ende des Anmeldezeitraumes – der ist von 12. bis 25. Februar 2014 – vorliegen. Deshalb kann das Beratungsgespräch erstmals während der Anmeldung zum Schuljahr 2015/2016 zur Pflicht werden. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ruft die Gymnasien allerdings trotzdem dazu auf, mit den Eltern zu reden. „Auch wenn das Beratungsgespräch in diesem Jahr noch nicht verbindlich ist, ist es dennoch sinnvoll, wenn bereits jetzt die Gelegenheit zur Beratung genutzt wird“, sagt Scheeres.

Auch Michael Wüstenberg, Schulleiter des Lessing-Gymnasiums in Mitte, hält die Pflichtberatung für angebracht. „Das ist im Sinne der Kinder“, sagt er. An seiner Schule würden deshalb schon in diesem Jahr Beratungsgespräche durchgeführt werden, sagt er. „Sollten Eltern ein Kind bei uns anmelden, das einen Zensurendurchschnitt von 3,0 oder schlechter hat, werde ich sie umgehend beraten oder einen Termin mit ihnen ausmachen“, sagt Wüstenberg.

In so einem Gespräch werde er sowohl auf die Unterschiede zwischen einer Sekundarschule und einem Gymnasium hinweisen, als auch auf die Risiken und Chancen beider Schulformen. „Dazu gehört, dass das Lerntempo am Gymnasium wesentlich höher ist, als an einer Sekundarschule und es deutlich mehr Fächer gibt.“ Voraussetzung für das Gymnasium sei auch, dass die Kinder sicher lesen und schreiben können und die Grundrechenarten beherrschen sollten. Schüler, die in den Hauptfächern vor allem Vieren hätten, seien seiner Erfahrung nach am Gymnasium meist überfordert, sagt der Schulleiter. Ihm sei bewusst, dass ein derartiges Gespräch für die Eltern nicht leicht sei und sehr einfühlsam sein müsse. Er führe die Gespräche deshalb meist selbst oder ziehe erfahrene Pädagogen hinzu.

Viele Gespräche würden am Lessing-Gymnasium aber nicht nötig sein, so Wüstenberg. Meist würden sich mehr Schüler bewerben, als Plätze in den siebten Klassen vorhanden sind. Im vergangenen Jahr hätten von etwa 150 Bewerber lediglich etwa sechs bis sieben einen Zensurendurchschnitt von 3,0 oder schlechter gehabt. Der Schulleiter geht davon aus, dass es in diesem Jahr nicht anders ist.

Geschwisterkinder haben Vorrang

Eine weitere Neuerung im Schulgesetz ist die Geschwisterkinderreglung. Anders als die Pflichtberatung tritt diese Reglung bereits bei den Anmeldungen in diesem Jahr in Kraft. Demnach sollen künftig an Gymnasien und Sekundarschulen, die mehr Anmeldungen als Plätze haben, Geschwisterkinder bevorzugt aufgenommen werden.

Zur Zeugnisausgabe beraten Mitarbeiter der Bildungsverwaltung Schüler und Eltern am Sorgentelefon: Für Grundschulen Corinna Berndt: 90227 5834Für Sekundarschulen Angela Knäringer: 90227 5235Für Gemeinschaftsschulen Monika Buttgereit: 90227 6028Für Gymnasien Hannelore Trageser: 90227 6356Für berufliche Schulen Eberhard Rau: 90227 6098Für sonderpädagogische Förderzentren Klaus Jürgen Heuel: 90227 5843