Prozess

Einbrecher mit einer Vorliebe für Designersessel

Täter sollen Computer und teure Möbel aus Bürogebäuden und Hotellobbys entwendet haben

Das Beisheim-Center am Potsdamer Platz, dass internationale Handelszentrum an der Friedrichstraße und ein Dienstsitz des Deutschen Bundestages, das sind nur drei Adressen auf einer imposanten Liste, in der mehr als drei Dutzend Gebäude aufgeführt sind. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat diese Liste erstellt, sie ist Bestandteil der Anklage gegen vier Männer im Alter zwischen 21 und 31 Jahren. Den Angeklagten wird eine Serie von Einbrüchen vorgeworfen, bei denen sie Computer, Elektrotechnik und Designermöbel im Wert von mehr als 150.000 Euro erbeutet haben sollen. Seit Donnerstag sitzen die Männer auf der Anklagebank des Landgerichts Moabit.

Das Quartett ist international besetzt. Ein Deutscher, ein Serbe, ein Kasache und ein Aserbeidschaner sollen sich zusammengeschlossen haben, um die Einbrüche zu begehen. Den Erkenntnissen der Ermittler zufolge sind sie zwischen Januar und Juli 2013 immer nachts in zahlreiche Hotels und Geschäftsgebäude eingebrochen. Neben Computern hatten sie es dabei offenbar auch auf hochwertige Designermöbel abgesehen. Die Liste der entwendeten Stücke lässt auf profunde Sachkenntnis über edles Interieur schließen, eine Ledercouch des berühmten Bauhausdesigners Le Corbusier im Wert von 11.000 Euro war ebenso darunter wie die legendären „Barcelona-Sessel“ von Ludwig Mies van der Rohe zum Stückpreis von mehr als 2000 Euro.

In einem Bürogebäude an der Uhlandstraße in Charlottenburg sollen die Angeklagten bei einem einzigen Einbruch auf verschiedenen Etagen gleich vier Firmen heimgesucht haben, eine Anwaltskanzlei, ein Immobilienunternehmen, eine Vermögensverwaltung und eine Unternehmensberatung. Aus einem anderen Bürokomplex in Mitte schleppten sie der Anklage zufolge in kurzer Zeit drei Dutzend Laptops hinaus. Auch in das Dienstgebäude des Bundesdatenschutzbeauftragten sollen sie eingebrochen sein, dort fanden sie der Anklage zufolge allerdings nichts Lohnendes.

Die Masche war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft fast immer die gleiche. Ein Täter verschaffte sich über einen Nebeneingang Zutritt zu den Gebäuden und öffnete dann von Innen den Haupteingang für seine Komplizen. Auch Hotellobbys in Berlin, Potsdam und Hamburg standen auf der Liste. Waren zum Zeitpunkt der Einbrüche Personen in den Gebäuden, lenkte ein Täter sie ab und die anderen rafften die Beute zusammen. Gab es nichts Wertvolles, sollen sich die vier Männer auch schon mal mit Briefmarken und Kleingeld aus der Portokasse begnügt haben.

Zwei Angeklagten werden neben den Einbrüchen noch Verkehrsdelikte vorgeworfen. Sie fuhren die Fahrzeuge, in denen die Beute abtransportier wurde, und das ohne Führerschein. Mehrfach gerieten sie in Polizeikontrollen, ohne dass dies Folgen hatte. Ihre niederländischen und bulgarischen Führerscheine und Ausweise waren perfekt gefälscht.

Für den zweiten Verhandlungstag am 11. Februar kündigten drei Angeklagte über ihre Anwälte umfassende Aussagen an. Der Vierte ringt noch mit sich. Für ein Geständnis brauche sein Mandant unbedingt den richtigen Anreiz, ließ dessen Verteidiger das Gericht wissen.