Dresdner Bahn

Licht am Ende des Tunnels

Bahnchef Rüdiger Grube spricht sich beim Ausbau der Dresdner Bahn in Lichtenrade erstmals für eine unterirdische Trassenführung aus

Mehr als 15 Jahre kämpft eine Bürgerinitiative gegen diese Pläne: Beim Ausbau der Dresdner Bahn sollen die Fernzüge ebenerdig durch Lichtenrade rollen – Autos, Busse und Fußgänger sollen die Trasse am Bahnhof in einer Unterführung queren. So wollte es bislang die Bahn, das Eisenbahnbundesamt (Eba) bearbeitet entsprechende Bauunterlagen. Die Lichtenrader hingegen kämpfen dafür, dass die Züge den Knotenpunkt unterirdisch in einem Tunnel passieren. Jetzt hat Bahnchef Rüdiger Grube erstmals Bundestagsabgeordneten der Union gegenüber gesagt, dass auch er eine Tunnellösung befürworte. Die ist zwar teurer, würde aber wohl auch eine schnellere Umsetzung des Vorhabens bedeuten. Denn gegen die ebenerdige Variante würde mit Sicherheit Klage erhoben. Das könnte durchaus fünf Jahre und länger dauern.

„Das Eba braucht die ebenerdigen Pläne also nicht mehr zu entscheiden. Das Verfahren muss gestoppt und jetzt eine neue Variante geplant werden. Die Tunnellösung liegt endlich in greifbarer Nähe, sodass Lichtenrade nicht in zwei Teile gespalten wird – diese Chance müssen wir ergreifen“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak. Der Bahnchef sehe die Tunnelvariante als vernünftigste Lösung an, berichtete Luczak weiter. Verkehrsstaatssekretär Michael Odenwald als Vertreter des Bundes habe bei einer Ortsbesichtigung im vergangenen Jahr ebenfalls klare Signale dafür gegeben. Jetzt sei Berlin am Zug, so Luczak.

Es gebe zwar noch keine offizielle Information darüber, aber wenn die Bahn sich bewegt habe, sei das toll, sagte Daniela Augenstein, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). „Wir drängen seit Langem auf die Tunnellösung als Vorzugsvariante“, so Augenstein weiter. Die Senatsverwaltung sei „gern bereit, einen gemeinsamen Termin mit Bund und Bahn zu machen, um zu schauen, inwieweit man sich auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen kann“. Die Bürgerinitiative Dresdner Bahn hat am Mittwoch „mit großer Freude“ zur Kenntnis genommen, dass die Bahn nun auch für eine Tunnellösung sei. Das sagte der stellvertretende Vorsitzende Rainer Welz der Berliner Morgenpost. Um den Tunnel tatsächlich zu bekommen, sei es unabdingbar, dass die Bahn „mit im Boot ist“. Die BI habe in vielen Gesprächen deutlich gemacht, dass sie gegen eine ebenerdige Lösung prozessieren würde und das auch finanzieren könne. Die Mitglieder der Bürgerinitiative hätten sich in den 15 Jahren viel Fachwissen angeeignet. Dieses Wissen habe auch dazu beigetragen, dass die Bahn im Laufe der Jahre 13 verschiedene Varianten einer ebenerdigen Trassenführung unterbreitet habe.

Rainer Welz betonte die Wichtigkeit der Verabredung zwischen SPD und CDU auf Landesebene, sich finanziell an einem Tunnel zu beteiligen, wenn Bahn und Bund dies ebenfalls tun: „Die Schachtel im Schaufenster des Koalitionsvertrages muss mit Leben gefüllt werden.“ Jetzt, wo Bewegung in die Sache komme, dürfe Berlin nicht auf Zeit spielen. Das Bundesverkehrsministerium habe bereits Entgegenkommen signalisiert und deutlich gemacht, dass eine Tunnellösung politisch vorstellbar sei. Auch dort habe sich im vergangenen Jahr mit dem Wechsel zu Staatssekretär Odenwald viel verändert: „Vorher sind wir 14 Jahre lang gegen ein Bollwerk der Ministerialbürokratie angelaufen“, so Welz. Kai Wegner, CDU-Bundestagsabgeordneter und Generalsekretär seiner Partei in Berlin, fordert vom Senat und der SPD ebenfalls, die Vereinbarung im Koalitionsvertrag umzusetzen.

Nun wird es wesentlich darauf ankommen, mit welcher Summe sich das Land Berlin an einer Tunnellösung in Lichtenrade beteiligen würde. Aus Senatskreisen wurde bereits vor zu großer Euphorie gewarnt. Letztlich müsse jedes Projekt aus dem Etat für Investitionen finanziert werden. Die Bürgerinitiative drängt darauf, dass die Gespräche zwischen Bund und Berlin von den Verkehrsstaatssekretären Odenwald und Christian Gaebler (SPD) schnell wieder aufgenommen werden. Nach Morgenpost-Informationen bemüht sich zudem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) um einen Gesprächstermin mit dem neuen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Themen sollen der BER und die Dresdner Bahn sein. Die Bahn wollte zu dem Gespräch mit den Bundestagsabgeordneten keine Stellungnahme abgeben.