Protest

Auch Schulleiter wollen im Alter weniger unterrichten

Bildungssenatorin Scheeres sieht das offenbar anders

In Berlin gibt es Ärger um die Altersermäßigung für Lehrkräfte. Die vier Berliner Schulleiterverbände protestieren gegen die Pläne von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), Schulleitern anders als Lehrern keine Altersermäßigung zu gewähren und möglicherweise auch Lehrkräfte, die andere Funktionen ausüben wie etwa Fachbereichsleiter, von dieser Ermäßigung auszuschließen.

In einem Schreiben an die Senatorin fordern die Schulleiterverbände, dass alle Schulleiter, Stellvertreter sowie alle Kollegen mit einer Funktionsstelle Altersermäßigung erhalten. In dem Brief heißt es, dass die anderslautenden Pläne der Senatorin als mangelnde Wertschätzung der Arbeit dieser Pädagogen empfunden werde. Und weiter: „Es ist zum Alltag geworden, dass Schulleiter wöchentlich 60 Stunden und mehr arbeiten, weit mehr als die durchschnittliche Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche, die für die Beamten und Angestellten in der Berliner Verwaltung vorgesehen sind.“ Viele Lehrkräfte wie Fachbereichsleiter hätten zudem jahrelang ihre Arbeitskraft den Schulen zur Verfügung gestellt. Es sei ungerecht, wenn das unberücksichtigt bleibe.

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Scheeres, betont indes, dass es noch gar keine Entscheidung gebe. „Klar ist aber, dass Altersermäßigung aufgrund der Stundenzahl berechnet wird, die Lehrer geben“, so Stoffers. Wer weniger als die Hälfte der offiziellen Unterrichtsverpflichtung von 26 Stunden pro Woche unterrichte, habe keinen Anspruch auf Altersermäßigung. Schulleiter würden indes vor allem Managementaufgaben ausüben und meist nur wenige Stunden unterrichten. Noch stehe aber gar nicht fest, wie die Bildungsverwaltung in diesem Fall vorgehen werde. Am Donnerstag solle es in dieser Frage ein weiteres Treffen mit Vertretern der Schulleiterverbände geben.

In dem Schreiben der Schulleiter an Scheeres heißt es weiter, dass es durchaus möglich sei, Altersermäßigung auch unabhängig von den tatsächlich gehaltenen Stunden zu regeln. „Das Saarland gewährt allen Schulleitern mit Vollendung des 58. Lebensjahres eine Unterrichtsstunde und mit Vollendung des 60. Lebensjahres drei Unterrichtsstunden Ermäßigung für den Unterrichtseinsatz.“ Auch in Brandenburg gelte die Altersermäßigung selbstverständlich auch für Schulleiter und senkt deren Unterrichtsverpflichtung.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres hatte sich für die Wiedereinführung der Altersermäßigung eingesetzt. Vom kommenden Schuljahr an wird den Lehrern ab dem 58. Lebensjahr eine Stunde und ab dem 61. Lebensjahr eine weitere Stunde Altersermäßigung gewährt. Diese Reglung führt dazu, dass künftig rund 350 zusätzliche Lehrer an den Berliner Schulen gebraucht werden.

Mit der Altersermäßigung sollen die derzeit geltenden Arbeitszeitkonten abgelöst werden. Bisher können die Lehrer die geleistete unbezahlte Mehrarbeit ansammeln und dafür früher in den Ruhestand gehen. Vor allem Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) hatte darauf gedrängt, dieses Modell zu beenden. Denn die früher mitten im Schuljahr ausscheidenden Lehrer wären so in absehbarer Zukunft noch schwieriger zu ersetzen gewesen.