Arbeitsrecht

Arbeitnehmer dürfen nicht zu Hause bleiben

Wer wegen einer Unwetterwarnung nicht zur Arbeit geht, hat keinen Anspruch auf Bezahlung

Blitzeis, Schneeverwehungen, Orkanböen. Auch offizielle Unwetterwarnungen, herausgegeben vom landeseigenen Warndienst „Katwarn“, berechtigen einen Arbeitnehmer nicht, einfach zu Hause zu bleiben. „Erscheint ein Arbeitnehmer an einem Tag, an dem beispielsweise eine offizielle Glatteiswarnung herausgegeben wurde, nicht zur Arbeit, steht ihm auch keine Vergütung zu“, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht. „Sicherlich wird dem Arbeitnehmer daraus aber auch kein Nachteil in Form einer Abmahnung beziehungsweise einer Kündigung entstehen.“ Sollte es dennoch zu einer Auseinandersetzung vor einem Arbeitsgericht kommen, hätte der Arbeitnehmer mit der offiziellen Unwetterwarnung aber recht gute Argumente.

Der Arbeitsrechtler warnt aber davor, schlechtes Wetter im Winter als Grund für Verspätungen anzubringen. „Ein Arbeitnehmer kann bei häufigen Verspätungen im Winter als Begründung nicht verschneite Straßen oder Glatteis anführen“, sagt Bredereck. „Der Arbeitnehmer hat sich im Winter auf die Wetterlage einzustellen.“

Der Gesetzgeber spricht hier vom Wegerisiko. Dieses trägt der Arbeitnehmer. Für Verspätungs- und Ausfallzeiten wegen Schnee und Eis gibt es keinen Lohn. Ist ein Großteil der Arbeitnehmer von einem Ereignis betroffen, muss der Arbeitgeber keine Vergütung zahlen. Im vorliegenden Fall war der Kläger Arbeitnehmer eines handwerklichen Betriebs. Seinen Arbeitsplatz erreichte er mit dem Auto. An drei aufeinanderfolgenden Tagen konnte er seiner Arbeit nicht nachgehen, da Schneefälle und Schneeverwehungen die Straßen unpassierbar machten. Teilweise wurden Fahrverbote für den gesamten norddeutschen Raum ausgesprochen. Nach Angaben des Klägers konnten etwa 40 Prozent der Belegschaft an diesen Tagen ihrer Arbeit nicht nachgehen. Der Arbeitgeber habe es seinen Angestellten frei gestellt, die ausgefallene Zeit nachzuarbeiten oder Urlaub dafür zu nehmen. Dies lehnte der Kläger ab und forderte gerichtlich die Zahlung für die witterungsbedingte Ausfallzeit. Aus einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts geht Folgendes hervor: Wenn ein Arbeitnehmer aufgrund witterungsbedingter Hindernisse auf dem Arbeitsweg seine Arbeitsleistung nicht erbringen kann, so leitet sich daraus kein Anspruch auf Bezahlung der Fehlzeit ab. Der Hinderungsgrund muss in der Person selbst begründet liegen und darf nicht eine Vielzahl von Arbeitnehmern betreffen, damit ein Anspruch auf Zahlung des Arbeitslohns besteht.

(Die Entscheidung ist aus dem Jahre 1982 und erscheint im Rahmen der Reihe „Wissenswerte Urteile”.)