Gewalt

Messerstiche im Nikolaiviertel

56-Jähriger soll Trennung nicht verwunden haben. Bluttat vor zahlreichen Zeugen – Prozessbeginn

Für zahlreiche Besucher des Nikolaiviertels war es ein Schock. Vor ihren Augen reißt ein Mann eine Autotür auf und sticht immer wieder von Sinnen auf die im Wagen sitzende Frau ein. Das Opfer überlebt den Angriff nur knapp und kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus. Der Messerstecher wird festgenommen. Vom heutigen Montag an muss sich der 56-Jährige wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Moabit verantworten.

Es war der 9. August 2013, als Andreas P. die Nerven verlor und fast zum Mörder geworden wäre. Knapp zwölf Jahre lebte er da schon von seiner drei Jahre jüngeren Ehefrau getrennt, verwunden hat er die Trennung aber offenbar nie. Als er dann im Sommer 2013 auch noch erfuhr, dass seine Frau seit einiger Zeit mit einem neuen Partner zusammenlebt, brachen Wut, verletzter Stolz und Eifersucht endgültig aus ihm heraus.

Geplante Aussprache

Nach Überzeugung der Ermittler gelang es P., die 53-Jährige zu einer Aussprache zu bewegen. Dazu wollten sich die Eheleute in einem Restaurant an der Probst-straße im Nikolaiviertel treffen. Als die Ehefrau mit ihrem Pkw gegen 19.30 Uhr am vereinbarten Treffpunkt eintraf, wartete der 56-Jährige bereits auf sie. Noch bevor seine Frau den Wagen verlassen konnte, riss P. die Beifahrertür auf, zog ein kleines Gemüsemesser und stach „wie von Sinnen“, wie Zeugen es beschrieben, auf die 53-Jährige ein.

Das Opfer erlitt zahlreiche zum Teil tiefe Stichwunden am Kopf und am Hals und brach blutend zusammen. Nachdem der Angreifer von seinem Opfer abgelassen hatte, versuchte er vom Tatort zu flüchten, wurde aber von einigen Zeugen, die ihren Schockzustand inzwischen überwunden hatten, festgehalten. Andere Zeugen versuchten der 53-Jährigen zu Hilfe zu eilen. Sie hatte sich schwer verletzt vom Fahrersitz erhoben und es noch geschafft, sich bis zum Heck des Wagens zu schleppen, bevor sie zusammenbrach. Passanten hatten inzwischen Feuerwehr und Polizei alarmiert, Rettungskräfte kümmerten sich um die Schwerverletzte, die Polizeibeamten nahmen Andreas P. fest.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mordversuch aus niederen Beweggründen aus. Die Anklage stützt sich auf den Vorwurf, P. habe die Tat von langer Hand geplant und kaltblütig umgesetzt. Eine wichtige Rolle in der Verhandlung vor einer Schwurgerichtskammer spielt ein Sachverständigengutachten über den psychischen Zustand des Angeklagten zur Tatzeit. Das Gericht hat sechs Verhandlungstage angesetzt, das Urteil soll Ende Februar gesprochen werden.