Brand

Was vom Feuer übrig bleibt

100 Feuerwehrleute bekämpfen stundenlang einen Brand in einem Kreuzberger Supermarkt

Eine hoch in den Himmel ragende Feuersäule, umgeben von einem sich stetig ausbreitenden Teppich aus dichtem Qualm, das war das Bild, das sich am Sonntagmorgen zahlreichen Bewohnern in Kreuzberg, Friedrichshain und Mitte bot. Gegen vier Uhr in der Frühe war an der Köpenicker Straße in einem Netto-Supermarkt ein Brand ausgebrochen. Als die um 4.03 Uhr alarmierte Feuerwehr kurze Zeit später eintraf, brannte das Gebäude bereits lichterloh. Es wurde vollständig zerstört.

Der Brand war nach Angaben von Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke gegen 6.30 Uhr unter Kontrolle. Die Arbeiten der Löschkräfte dauerten aber bis zum späten Sonntagnachmittag an, da in den meterhohen Schuttbergen, die von dem Gebäude übrig geblieben waren, immer wieder Flammen aufloderten. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, sagte der Sprecher weiter. Die Brandursache ist noch ungeklärt, ein Fachkommissariat des Landeskriminalamtes (LKA) hat die Ermittlungen übernommen.

Die mehr als 100 Löschkräfte der Feuerwehr waren gerade erst am Einsatzort eingetroffen, als das Dach des Gebäudes zusammenbrach. Erst dadurch wurde aus einem Brand ein verheerendes Großfeuer, das nicht nur für die eingesetzten Feuerwehrleute, sondern auch für umliegende Gebäude und Bewohner eine permanente Gefahr darstellte. Der Brand hatte zunächst nur einen Teil des Supermarktes in Mitleidenschaft gezogen. Dabei hatten sich allerdings gefährliche Gase unter der Decke angesammelt. Als plötzlich Frischluft ins Gebäude strömte, zündete das Feuer durch, wie es im Fachjargon der Feuerwehr heißt.

Vereinfacht ausgedrückt, entstand durch die Vermischung von Gasen und Sauerstoff plötzlich ein gewaltiger Feuerball, durch den sich der Brand in Sekundenschnelle und mit beängstigendem Lärm auf das gesamte Gebäude ausbreitete. Die weithin sichtbaren Flammen hatten frühzeitig zahlreiche Schaulustige angelockt. Der Feuerball, der auf die Zuschauer faszinierend wirkte, bereitete den Brandbekämpfern hingegen zusätzliche Probleme. Die gewaltigen freigesetzten Energien, die das Feuer weiter anfachten, sorgten dafür, dass die Flammen immer wieder auf umliegende Gebäude überzugreifen drohten. Die Löschkräfte konnten dies glücklicherweise verhindern, mussten allerdings einen hohen Aufwand betreiben.

Glutnester lodern stundenlang

Erschwerend kam für die Feuerwehr hinzu, dass es für die Einsatzkräfte durch das eingestürzte Dach schwieriger wurde, an die Brandnester zu gelangen. Die im Gebäude auf einer Grundfläche von 800 Quadratmetern gelagerten Waren sorgten für weitere massive Probleme. Der Supermarkt war voll mit leicht brennbarer Pappe und Papier. Zudem bargen zum Sortiment gehörende Artikel wie Kosmetika und Reinigungsmittel mit ihren leicht entzündbaren, teilweise explosiven Flüssigkeiten und Substanzen zusätzliche Gefahren.

Exakt um 6.27 Uhr, etwa zweieinhalb Stunden nach Ausbruch des Brandes, meldete die Einsatzleitung „Feuer unter Kontrolle“. Damit war der Einsatz für einen Großteil der Löschkräfte allerdings noch nicht beendet. 50 Feuerwehrleute waren noch den gesamten Sonntag über mit den sogenannten Nachlöscharbeiten beschäftigt. Dazu gehörten insbesondere die Sicherung des Brandortes sowie die weitere Bekämpfung der immer wieder auflodernden Brandnester. Kräfte des Technischen Hilfswerkes (THW) wurden zur Unterstützung angefordert. Feuerwehr und THW agierten in der Folgezeit mit schwerem Gerät. Mit Radladern wurden unentwegt Trümmerteile des bis auf die Grundmauern niedergebrannten Gebäudes auseinandergezogen, um so an die Brandnester zu gelangen. Die loderten noch stundenlang unter den meterhohen Schuttbergen.

Wegen des starken Qualms setzte die Feuerwehr zusätzlich ein Messfahrzeug ein, um eine eventuell für die Bevölkerung gefährliche Schadstoffkonzentration zu überprüfen. Die dabei durchgeführten Messungen ergaben allerdings keine für Menschen gefährlichen Werte. Die zahlreichen Schaulustigen machten sich deutlich erkennbar ohnehin keine sonderlichen Sorgen um ihre Gesundheit. Sie harrten bis in den Vormittag hinein an den Absperrungen aus, um zunächst den Brand und später die Löscharbeiten zu verfolgen. Das gelang ihnen allerdings nur aus der Entfernung. Die Köpenicker Straße war über Stunden zwischen dem U-Bahnhof Schlesisches Tor und der Manteuffelstraße gesperrt.

Da die Löscharbeiten bis zum frühen Abend andauerten, konnten die Brandermittler des LKA erst spät ihre Arbeit aufnehmen. Die Ursache des Feuers ist damit weiterhin ungeklärt. Berichte, eine defekte Gasleitung habe den Brand verursacht, wollte ein Polizeisprecher nicht kommentieren. „Dazu ist es noch zu früh“, so der Sprecher.