Grüne Woche

Milchtechnologe sucht Nachwuchs

Eine Route durch Halle 3.2 wirbt auf der Grünen Woche für Jobs in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Heute besondere Infos

„Fressmesse“ nennt der Berliner die Grüne Woche oft despektierlich. Dabei bietet die weltgrößte Agrarmesse bedeutend mehr als nur Häppchen und Kostproben. Auch wenn die Veranstalter der Grünen Woche unter dem diesjährigen Motto „Das Festival der Sinne“ ein Erlebnis rund um Genuss, Geschmack und Unterhaltung versprechen. In Zeiten, in der jede Branche um Auszubildende buhlt und der Fachkräftemangel zum Dauerthema geworden ist, sind die Hallen unter dem Funkturm auch eine Jobbörse. Nicht selten suchen Unternehmen an ihren Ständen mit Ausdrucken Mitarbeiter. Am Montag stellen sich die 14 so genannten „Grünen Berufe“ und die Berufe der „grünen“ Branche vor. Der Deutsche Bauernverband und die Fördergemeinschaft nachhaltige Landwirtschaft veranstalten auf dem „Erlebnis Bauernhof“ in der Halle 3.2 den Tag der Ausbildung. Der „Erlebnis Bauernhof“ ist ein Zusammenschluss von ungefähr 70 Unternehmen aus der Land- und Ernährungswirtschaft.

Werben für „Grüne Berufe“

„Unser Ziel ist es, den Berliner und Brandenburger Jugendlichen die ,Grünen Berufe näher zu bringen“, sagt Franziska Schmieg vom Deutschen Bauernverband, verantwortlich für die Ausbildungskampagne „Meine Grüne Zukunft“. „Die grüne Branche bietet eine breite Ausbildungsbasis und vielfältige Spezialisierungsmöglichkeiten.“ Mit einer Ausbildung in einem der Berufe hätten junge Leute immer die Möglichkeit, sich innerhalb der Branche umzuorientieren, andere Schwerpunkte zu setzen und sich weiter zu qualifizieren. „Wir wollen deutlich machen, dass die beruflichen Perspektiven für junge Menschen innerhalb einer der Schlüsselbranchen in Deutschland ausgezeichnet sind.“

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) engagiert sich nach eigenen Angaben besonders stark in der Aus- und Fortbildung und hat auf Basis des Berufsausbildungsgesetzes unter anderem Verordnungen zur Berufsausbildung in derzeit 14 Berufen im Agrarbereich erlassen. Folgende von ihnen wurden vom BMEL als „Grüne Berufe“ definiert: Brenner, Fachkraft Agrarservice, Fischwirt, Forstwirt, Gärtner, Hauswirtschafterin, Landwirt, Pflanzentechnologe, Milchtechnologe, Milchwirtschaftlicher Laborant, Pferdewirt, Revierjäger, Tierwirt und Winzer. „Mit Stand zum 31. Dezember 2012 gab es in den 14 Berufen knapp 34.800 Auszubildende“, sagt Franziska Schmieg. „Wir suchen dringend Nachwuchs.“ Derzeit werden 14.000 junge Leute zum Gärtner ausgebildet, 8600 als Landwirt. Zum Pflanzentechnologen, einem neuen Berufsbild, lassen sich deutschlandweit zwölf Jugendliche ausbilden.

In der Halle 3.2 können sich Jugendliche und Eltern über die Berufe selber ein Bild machen. Es gibt am Montag eine Ausbildungsroute durch die Halle rund um die Berufe der „Grünen Branche“.

„Der Deutsche Bauernverband möchte aus erster Hand Informationen zur Berufsausbildung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft vermitteln“, sagt Schmieg. Für Lehrer hält der Verband umfangreiches Informationsmaterial bereit. Vertreter folgender Berufe beantworten Fragen: Landwirt, Tierwirt, Fachkraft Agrarservice, Hauswirtschafter, Verfahrenstechnologe Mühlen, Bäcker, Fleischer und Metzger, Tierarzt, Schädlingsbekämpfer, Pflanzentechnologe, Imker, Bergbautechnologe und Mechaniker für Lanf- und Bautechnik. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, vor Ort im Gespräch mit Auszubildenden Fragen zu den einzelnen Berufen zu stellen.

Parallel dazu findet zwischen 10 und 15 Uhr ein Bühnenprogramm statt. Der Moderator von Radio Berlin 88.8, York Strempel, wird im Gespräch mit Azubis und mit „Azubi-Champions“ die Vielseitigkeit der Berufe der „grünen“ Branche thematisieren.

Landwirtschaftsmeister Simon Holl (27) hatte lange überlegt, ob er in die Landwirtschaft geht. Obwohl seine Eltern in Oberfranken eine Milchwirtschaft mit 100 Tieren haben und 85 Hektar Fläche zur Bewirtschaftung. „Der Beruf des Landwirtschaftsmeisters bietet mir ein sehr breites Themen- und Arbeitsfeld“, sagt Holl. „Das Bild des Landwirtes hat sich enorm gewandelt.“ So müssten beispielsweise Landwirte, die Biogasanlagen betreiben, auch etwas von der Energiewirtschaft verstehen. Nicht selten würden Landwirte heute mit Zusatzausbildungen auch in Banken arbeiten und andere Landwirte in Sachen Finanzen und Fördermöglichkeiten in der Agrarwirtschaft beraten. Holl hat in dreijähriger Ausbildung, ein Jahr Schule, zwei Jahre betriebliche Ausbildung, den Beruf des Landwirtes erlernt. Nach einem weiteren Praxisjahr leitet er jetzt als Landwirtschaftsmeister den Betrieb. „Die Chance, Auszubildende zu bekommen ist je nach Region sehr schwierig“, sagt Holl. Generell sei die Zahl der Azubis gestiegen, aber man stehe in direkter Konkurrenz mit der Industrie. „In Süddeutschland mit der Autoindustrie und sehr wenig Arbeitslosen ist es sehr schwer, Azubis für die Landwirtschaft zu bekommen.“

Der Verband Deutscher Mühlen gibt an, dass mit 50 Auszubildenden pro Lehrjahr die Klassen derzeit gut besucht sind. „Wir suchen aber immer Nachwuchs“, sagt Verbands-Referentin Lena Salein. Mit der Reform der Ausbildungsordnung ist die Berufsbezeichnung heute Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft. Richtig angekommen sei der neue Name aber noch nicht. Spätestens zwei Wochen nach Ausbildungsbeginn würde die Berufsbezeichnung wohl wieder Müller lauten, heißt es.

Am Montag steht auch die Mehlkönigin Carolina Göggerle Rede und Antwort. Sie lernt den Beruf der Müllerin in der elterlichen Mühle im Landkreis Donau-Ries in Bayern. „Ich war von klein auf dabei“, sagt sie. Im Mai werde sie die Ausbildung nach drei Jahren Lehre beenden. „Später habe ich den Meistertitel fest eingeplant.“ Nach dem Meister kann sie im dualen Studium Techniker werden und schließlich Lebensmittelkontrolleur oder Mühlenbauer. Es sei interessant, sich „weiterzuentwickeln“.