Gedenken

Morgenpost trauert um Katrin Schoelkopf

Langjährige Redakteurin der Lokalredaktion gestorben

Sie hat viele Gesprächspartner überrascht. Sie war sehr freundlich, sehr zugewandt, lachte gern. Manch einer mag diese zierliche Frau im ersten Moment für harmlos gehalten haben. Er wurde schnell eines Besseren belehrt. Katrin Schoelkopf war hartnäckig und kritisch. Eine Journalistin, der gründliche Recherche über alles ging und die durchaus unangenehm werden konnte, wenn jemand versuchte, sie mit Halbwahrheiten oder Verdrehungen abzuspeisen. Sie hatte ein großes Gespür für wichtige und kontroverse Themen, oft entdeckte sie sie vor ihren Kollegen von anderen Medien. Sie war gut vernetzt, weil sie sachlich, fair und gleichzeitig unbestechlich war. Das verschaffte ihr Achtung und Wertschätzung, auch wenn ihre Texte für Politiker oder andere Verantwortliche oft unbequem waren. Oder wahrscheinlich gerade deshalb.

Katrin Schoelkopf kam Mitte der 90er-Jahre zur Berliner Morgenpost. Sie berichtete zunächst über den Landkreis Teltow-Fläming, im Jahr 2000 wurde sie Leiterin des damaligen Redaktionsbüros in Königs Wusterhausen. 2003 wechselte sie in die Berlin-Redaktion, schrieb zunächst viel über das Holocaust-Mahnmal, die Jüdische Gemeinde und das Stadtschloss.

Dann wurden die Berliner Flughäfen ihr Themenfeld, erst die Schließung von Tempelhof, später der neue Großflughafen BER, der damals noch BBI hieß. Sie begleitete die ersten Jahre des Projekts mit einer Aufmerksamkeit und Intensität, die beispiellos war. Und sie entdeckte früh, dass auf der Baustelle nicht alles so glatt lief, wie immer behauptet wurde. Gerade hier war sie hartnäckig und kritisch - und sie sollte recht behalten. Ein Spitzenvertreter der Flughafengesellschaft nannte sie einmal das „gefürchtetste Trüffelschwein der Branche“.

Im Juli 2011 dann der Schock, aus dem Nichts heraus. Ein plötzliches Unwohlsein entpuppte sich als Hirntumor. Von einer Minute auf die andere änderte sich ihr Leben vollkommen. Katrin Schoelkopf ertrug Operationen und Therapien. Gleichzeitig organisierten Verwandte und Freunde ein Netzwerk, um sie rund um die Uhr zu umsorgen. Doch sie kämpfte nicht gegen diesen Feind im eigenen Körper. Den Begriff mochte sie nicht, er war ihr zu schwer, erinnerte sie an Krampf. Sie nahm ihre Krankheit an, voller Stärke und Tapferkeit, sprach mit bewundernswerter Klarheit über ihren Zustand und die Prognosen der Ärzte. Und sie nutzte die Zeit, das war ihr das Wichtigste. Sie genoss alles Schöne, das ihr noch möglich war - Reisen, Konzerte, Treffen mit Freunden.

Selbst in den vergangenen Monaten, als der Alltag immer beschwerlicher wurde, fand sie Dinge, die ihr Leben lebenswert machten. Am gestrigen Sonntag schließlich war ihre Kraft aufgebraucht. Katrin Schoelkopf starb am frühen Morgen – zu Hause, so, wie sie es sich gewünscht hatte. Sie wurde 53 Jahre alt.