Demonstration

„Wir haben es satt!“ – Initiativen protestieren und halten Mahnwache

Auch die diesjährige Grüne Woche ist von Protesten begleitet. Aktivisten des Tierschutzbüros konfrontierten gleich am Freitag Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) beim feierlichen Durchschneiden des Bandes mit verstörenden Bildern aus der Massentierhaltung. Ein paar Hallen weiter stürmten zwei Mitglieder des Bündnisses „Grüne Woche demaskieren“ einen auf dem Erlebnisbauernhof ausgestellten Tiertransporter und protestierten mit einem Banner gegen „Werbung für Ausbeutung und Gewalt“.

Am heutigen Sonnabend demonstrieren zahlreiche Natur- und Tierschutzinitiativen sowie Bauernverbände und Entwicklungsorganisationen unter dem Motto „Wir haben es satt!“. Los geht der Protest um 9 Uhr mit einem Traktorenzug vom Ostbahnhof zum Potsdamer Platz in Mitte, wo um 11 Uhr die Auftaktkundgebung stattfindet. Die Demo endet vor dem Kanzleramt. Anschließend lädt ein „Politischer Suppentopf“ zum weiteren Diskutieren in die Heinrich-Böll-Stiftung in Mitte, die der Partei der Grünen verbunden ist.

Bereits im vierten Jahr wird in diesem Rahmen für eine Kehrtwende in der Agrarindustrie und eine Hinwendung zu bäuerlicher Landwirtschaft gestritten. „Wir brauchen sehr viel höhere Standards als die jetzigen in der Lebensmittelerzeugung“, fordert Reinhild Benning, Sprecherin des Bündnisses „Wir haben es satt!“ und Agrarexpertin des Naturschutzbundes BUND.

Ein Umbruch in der Agrarpolitik heiße auch: „Weg vom Genfutter, weg vom Billigfleisch!“, so Benning. Auch das geplante Freihandelsabkommen zwischen Deutschland und den USA steht auf der Themenliste des Bündnisses. Da in den USA gentechnisch behandelte Lebensmittel nicht entsprechend gekennzeichnet werden, stehe laut Benning zu befürchten, dass durch ein Freihandelsabkommen in Deutschland die Standards noch weiter sinken.

Im Gegensatz zum mittlerweile etablierten Protestbündnis „Wir haben es satt!“ gibt „Grüne Woche demaskieren“ dieses Jahr sein Debüt auf der grünen Protest-Bühne. Den Aktivisten gehen die Forderungen der „Wir haben es satt!“-Veranstalter nicht weit genug. Neben einer generellen Abkehr von der Tierhaltung, die das Tier zum Nutzobjekt degradiere, fordert die Gruppe ein Aufbrechen der herrschenden Marktstrukturen und nennt Alternativen.

„Kleinsysteme der solidarischen Landwirtschaft gibt es allein um Berlin schon fünf bis sechs“, sagt Aktivistin Sophie Rudolph. Sie ist selbst in einem aktiv. „Wir sind ein paar Hundert Leute, planen gemeinsam mit einem Bauernhof den Anbau, zahlen Monatsbeiträge und bekommen dafür Gemüselieferungen direkt vom Hof. Das sichert auch den Bauern ab.“ Das Bündnis ruft bis Sonntag zu Mahnwachen vor der Messe auf.