Gewalt

Zwei Festnahmen nach Mord in Wettbüro

Tatverdächtige eine Woche nach den Schüssen gefasst. In Lichtenberg wurde am Freitag eine Frau erstochen

Am Freitag gab es in Berlin nicht nur den vierten Mord innerhalb weniger Tage: In Lichtenberg wurde eine erstochene Frau entdeckt. Gleichzeitig steht die 3. Mordkommission im Zusammenhang mit den tödlichen Schüssen in einer Spielothek an der Residenzstraße in Reinickendorf am Freitag vor einer Woche offenbar vor der Aufklärung des Falles.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost nahmen Beamte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) zwei Tatverdächtige fest. Zunächst konnte gegen 17 Uhr ein mutmaßlicher Komplize des Todesschützen von Reinickendorf an der Berliner Allee Ecke Buschallee in Pankow gefasst werden. Der mutmaßliche Haupttäter – ein Mann um die zwei Meter Körpergröße – war indes zunächst in Neu-Hohenschönhausen observiert worden. Dann verließ der Tatverdächtige mit einer Rockerkutte bekleidet einen Plattenbau an der Grevesmühlener Straße und stieg in einen dunklen Mercedes mit einem Kennzeichen aus dem hessischen Main-Kinzig-Kreis. Beamte mit Zivilfahrzeugen folgten ihm. Im Stadtgebiet konnte er gestoppt und überwältigt werden. Die Polizei bestätigte am Abend die Festnahme der zwei Männer im Alter von 24 und 25 Jahren.

Die Tat am Freitag vergangener Woche im Reinickendorfer Wettbüro war einer Hinrichtung gleichgekommen. Gegen 23 Uhr stand das spätere Opfer Tahir Ö. im hinteren Teil des Ladens an der Residenz- Ecke Hausotterstraße und spielte an einem der Automaten. Plötzlich stürmten mehrere Männer herein, sie liefen am Barkeeper und den Gästen vorbei in den hinteren Bereich des Wettbüros. Einer der Täter zog eine Waffe und richtete sie auf den jungen Mann türkischer Herkunft. Sekunden später brach der 26-Jährige von mehreren Projektilen tödlich getroffen zusammen. Tahir Ö. starb noch am Tatort. Schütze und Komplizen gelang die Flucht. Eine sofort eingeleitete Fahndung der Polizei blieb erfolglos. Die 3. Mordkommission übernahm wenig später die Ermittlungen. Das Motiv für die Tat ist offenbar noch unklar.

Spur führt ins Rockermilieu

Der Hauptverdächtige wird nach Informationen der Berliner Morgenpost dem Umfeld des Hells-Angels-Anführers Kadir P. zugeordnet. Dieser war einst als Mitglied der Rockergruppe Bandidos in einer spektakulären Aktion mit 80 Gefolgsleuten zu den Hells Angels übergelaufen. Kadir P. gilt seither als Anführer einer der berüchtigsten Rockerclans Deutschlands.

Der Fall im Wettbüro war der zweite Mord innerhalb weniger Tage. In der Nacht zuvor, am späten Donnerstagabend voriger Woche, war der 46-jährige Rene K. aus Pankow getötet worden. Das Motiv für diese Tat steht inzwischen offenbar fest: Eifersucht. Es ging um eine Frau. Der Täter ist jedoch nach wie vor auf der Flucht. Am Mittwoch dieser Woche dann der dritte Mordfall: Der 55-jährige Saim Karslioglu wurde in seiner Wohnung in der Schulstraße in Wedding erschossen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatte sich dort eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen Männern abgespielt. Ein Nachbar des ermordeten Imbissmitarbeiters will zwei Schüsse gehört haben. Hier stehen die Ermittlungen der 1. Mordkommission noch ganz am Anfang, die Polizei startete einen Zeugenaufruf.

Am gestrigen Freitag dann der vierte Fall innerhalb von acht Tagen. Kurz vor 12 Uhr wurde in einem Wohnheim an der Einbecker Straße in Lichtenberg eine leblose Frau entdeckt. Weil die Tote mehrere Stichverletzungen aufwies, die auf ein Fremdverschulden hindeuten, übernahm die 4. Mordkommission die Ermittlungen. Kriminaltechniker suchten am Nachmittag nach Spuren in der Wohnung, bevor der Leichnam zum Abtransport in die Gerichtsmedizin freigegeben wurde.

Unklar war bis zum Reaktionsschluss dieser Ausgabe, ob es sich bei der Toten, die keine Ausweisdokumente bei sich hatte, tatsächlich um die 52 Jahre alte Mieterin der Wohnung handelt. Über Hintergründe zu dieser Tat – wie auch im Fall des erschossenen Imbissmitarbeiters – liegen keine Erkenntnisse vor. Näheres zur Todesursache und die Klärung der Identität der Toten erhofft sich die Polizei von den Ergebnissen der Obduktion, die noch am gestrigen Freitag erfolgen sollte.