Gartenlust

Chili con Balcony

Gabriella Pape über die knifflige Anzucht von Jungpflanzen

Alle, denen es in den Fingern juckt, etwas im Garten zu tun, seien gewarnt: Finger weg, es ist zu früh! Es sei denn, Sie haben viel Obst zu schneiden oder Ähnliches. Am besten setzen Sie sich jetzt mit ein paar guten Saatkatalogen ans Fenster und planen das neue Gartenjahr. Heutzutage nutzen viele dafür die Möglichkeiten im Internet, ich persönlich habe bevorzugt, mir doch noch Kataloge von drei guten Firmen kommen zu lassen. Da es ausgesprochen viele Gemüsesaatfirmen gibt, ich aber vorwiegend Lust auf Chili und Tomaten hatte, reduzierte sich die Auswahl stark. Wer nicht erst im April die fertigen Jungpflanzen kaufen, sondern sein Glück gern einmal selbst mit dem Samenkorn ausprobieren möchte, sollte Anfang/Mitte Februar mit der Aussaat beginnen. Diese kleinen, scharfen Pflanzen haben es ganz schön in sich, denn für ihre Anzucht braucht man schon ein gewisses Händchen, und zwar schon vor der Aussaat. Die kleinen gelblich weißen Samen sind nämlich sehr leicht und keimen schwer. Man sollte sie deshalb unbedingt 24 Stunden in Wasser tauchen, wobei das Wasser nach zwölf Stunden einmal gewechselt werden sollte, damit sich keine Fäulnisbakterien bilden. Ein Tropfen Spülmittel kann dabei helfen, eine bessere Verbindung zwischen Wasser und Saat herzustellen.

Wenn die Saat an den Boden des Glases oder der Schale gesunken ist, sind die Saatkörner reif für einen kleinen Topf. Das beste Erdsubstrat ist leider Torf, da er gut Wasser zieht und Feuchtigkeit im Anfangsstadium eine große Rolle spielt. Den Torf im Topf andrücken und mit einem spitzen Gegenstand kleine Löcher bohren, etwa fünf bis sieben pro Topf, um die Körner fünf Millimeter tief einzulassen. Dann den Topf leicht schütteln, damit sich eine Erddecke über der Saat schließt, und noch einmal leicht andrücken. Ab jetzt machen die Chilis ihrem englischen Namen Hot Peppers alle Ehre, denn sie müssen sehr warm und kuschelig gehalten werden, wobei die Raumtemperatur zwischen 25 und 30 Grad betragen sollte, und bitte nicht auf die Heizung stellen. Dafür lohnt sich vielleicht die Anschaffung eines Minigewächshauses oder einer thermostatisierten Keimbox, die super einfach auf eine Fensterbank passt, allerdings nicht ins Licht und schon gar nicht in die Sonne stellen. Ein schattiges Plätzchen ist sehr beliebt. Noch wichtiger ist, dass die Töpfchen nach der Ansaat in ein Warmwasserbad gestellt werden, bis die ganze Erde durchfeuchtet ist. Dann herausnehmen, jedes Töpfchen mit einer Glasscheibe abdecken und in eine Keimbox stellen. Keinesfalls austrocknen lassen! Wenn alles richtig gelaufen ist, sollten sich schon nach wenigen Tagen die ersten Keimblätter zeigen. Falls nicht, liegt die Temperatur unter 25 Grad, und es ist mit erheblicher Keimverzögerung zu rechnen.

Sind die Keimlinge etwa ein bis zwei Zentimeter hoch, kann der Kasten mit den Babys in helleres Licht gestellt werden, damit sie Chlorophyll entwickeln und grüne Blätter bekommen. Beginnen die Keimlinge zu kippen, weil ihr Hals zu lang wird, sollte zur Stabilisierung ein wenig Erde in den Topf gegeben werden. Sobald die Pflänzchen die ersten echten Blätter entwickelt haben, können sie vereinzelt werden, d. h., jedes bekommt seinen eigenen Ein-Liter-Topf. Dafür wird der Keimtopf gänzlich ausgekippt, damit sich die Keimlinge trennen lassen. Bitte nicht an den Wurzeln zerren, sie sind sehr zerbrechlich. Wichtig ist, nach der Aussaat alle zwei bis drei Wochen einen NPK-Flüssigdünger mit hohem Kaliumanteil zuzuführen.

Wenn Sie alles richtig gemacht haben, können Sie die Chilipflanzen auch in acht Liter große Töpfe pflanzen und den Überschuss verkaufen. Das ist allerdings eher unwahrscheinlich, denn bei mir bleiben auch nie mehr als zwei bis drei Pflanzen übrig, die das ganze Prozedere durchhalten. Etwas für Geduldige, aber sehr meditativ.