Geld

Bäderchef Hensing verteidigt neue Eintrittspreise

Er erhält Rückendeckung von Sportsenator Frank Henkel

Vera Müller aus Lichterfelde Süd ist eine begeisterte Schwimmerin. Seit 1998 geht sie zweimal pro Woche morgens ins Stadtbad Lankwitz, um ihre Bahnen zu ziehen. „Vor allem der Gesundheit wegen“, sagt sie. Doch die 80-Jährige weiß nicht, wie lange sie sich das in dem Umfang noch leisten kann. „Vor einem Jahr hat eineinhalb Stunden Schwimmen noch drei Euro gekostet, jetzt muss ich 7,50 Euro dafür zahlen“, klagt sie.

Die deftige Preiserhöhung ist Teil eines neuen Tarifsystems der Berliner Bäder-Betriebe (BBB), das seit 1. Januar 2014 gilt. Der Grundsatz: Der Bäderbesuch zu stark nachgefragten Tageszeiten – etwa am frühen Morgen und am späten Nachmittag – soll teurer werden, wer aber zwischen 10 und 15 Uhr in ein Hallenbad kommt, muss weniger zahlen. Die Bäderbetriebe wollen damit die oft auf wenige Stunden konzentrierte Hallennutzung „entzerren“, unterm Strich aber auch mehr Geld einnehmen. Und so kostet seit Jahresbeginn die Einzelkarte 5,50 Euro statt 4,50 Euro, der Preis für die bei Stammgästen beliebten 10+1-Karte erhöhte sich um zehn auf nun 55 Euro.

Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus kritisierte diese Preiserhöhungen als überzogen und sozial unausgewogen. Die Linke brachte daher jetzt einen Beschlussantrag ein, in dem der Senat aufgefordert wird, die von ihm genehmigte Tarifsatzung sofort zurückzuziehen.

Bäder-Vorstandschef Ole Bested Hensing verteidigte am Freitag vor dem Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses das umstrittene Tarifsystem. „Die Bäderbetriebe befinden sich in einem gefährlichen Abwärtsstrudel: Die Kosten steigen durch höhere Energie- und Personalausgaben Jahr für Jahr, gleichzeitig werden die Einnahmen immer geringer.“ Hauptursache dafür sei die oft wenig attraktiven Angebote und der schlechte bauliche Zustand der insgesamt 63 landeseigenen Bäder in der Stadt. Die Rede ist von einem Reparaturstau von 85 Millionen Euro. 300 Millionen Euro würden gebraucht, um die Bäder zeitgemäß zu modernisieren. Als Folge sind die Berliner Schwimmbäder deutlich schlechter ausgelastet als in anderen deutschen Großstädten. Was wiederum nicht besagt, dass es in den Wasserbecken genug Platz gibt. „Das alte Preissystem hat dafür gesorgt, dass die Schwimmbadnutzung in der am stärksten nachgefragten Zeit auch besonders billig war“, so Bested Hensing.

Rückendeckung bekommt der Bäderchef von Berlins Sportsenator Frank Henkel (CDU). Das vom Senat gebilligte Tarifsystem bleibe in Kraft. In einzelnen Punkten könnte es später durchaus Korrekturen geben, etwa „wenn sie ihre Wirkung nicht wie geplant entfalten“. Vera Müller ist mit dieser Aussicht nicht zufrieden. „Am Morgen geht schon jetzt kaum einer mehr im Stadtbad schwimmen, so verlieren die Bäderbetriebe nur noch mehr Kunden.“