Sozialpolitik

Willkommensklassen für Sinti und Roma

Berliner Integrationsbeauftragte lobt Aktionsplan, fordert aber mehr Empathie und Akzeptanz

Berlins Integrationsbeauftragte Monika Lüke fordert mehr Akzeptanz gegenüber Sinti und Roma. Bei der größten Neueinwanderergruppe in der Hauptstadt handele es sich um Migranten, denen wenig Empathie entgegengebracht werde. Diese Menschen würden seit Jahrhunderten von allen diskriminiert, daran habe sich bis heute nicht viel verändert, sagte Lüke dem Evangelischen Pressedienst.

Hauptgrund für die verbreitete Ablehnung gegenüber Sinti und Roma sei offenbar die fehlende Akzeptanz für ihren Lebensstil, sagte Lüke. Hinzu komme aber auch, dass viele dieser Menschen sehr arm seien. „In ihren Heimatdörfern haben sie häufig nicht die Möglichkeit, eine gute Schul- und berufliche Ausbildung zu durchlaufen“, erklärte die Integrationsbeauftragte.

Sie zog zugleich ein positives Fazit des im Sommer 2013 vom Berliner Senat verabschiedeten „Aktionsplans zur Einbeziehung von Sinti und Roma“. Lüke verwies darauf, dass das unter Federführung von Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) erstellte Programm bundesweit bislang einmalig sei. Das Land Berlin sei dafür auch von der EU-Kommission gelobt worden. „Der Aktionsplan verankert, dass sich Berlin um die größte Gruppe der Neueinwanderer kümmert“, betonte Lüke. Mit dem insgesamt 20 Maßnahmen umfassenden Plan soll unter anderem die soziale und gesundheitliche Lage der ausländischen Roma und ihrer Familien in der Hauptstadt verbessert werden.

Durch Beratungen und gezielte Maßnahmen will der Senat zudem einen Missbrauch der prekären Situation der Zugewanderten zum Beispiel durch Mietwucher oder Frauen- und Menschenhandel unterbinden. Eines der „brennendsten Probleme“ für Sinti und Roma in Berlin bleibe, eine „menschenwürdige Wohnraumsituation“ zu finden, betonte Lüke. Auf dem Wohnungsmarkt würden die Menschen diskriminiert und ausgenutzt.

Ein wichtiges Ziel ist auch, dass alle Kinder der Einwandergruppe zur Schule gehen. Dafür werden bereits seit 2010 zusätzlich Sozialarbeiter und Sprachmittler eingesetzt, um direkten Kontakt mit den meist aus Bulgarien und Rumänien stammenden Zuwanderern aufnehmen zu können. Lüke zufolge werden mittlerweile mehr als 2000 neu aus dem Ausland nach Berlin gekommene Kinder an Berliner Schulen in sogenannten Willkommensklassen unterrichtet und auf die Integration in das Regelschulsystem vorbereitet.

Die größte Gruppe dürften schulpflichtige Kinder von Sinti und Roma sein. Genaue Zahlen gebe es hierzu aber nicht, da in Deutschland aus historischen Gründen die Statistiken nicht nach ethnischer Herkunft unterscheiden, sagte Lüke.