Kriminalität

Raser von Steglitz hatte 1,6 Promille im Blut

26-Jähriger flüchtete nach dem ersten Unfall, dann fuhr er eine vierfache Mutter tot

1,6 Promille. Diese Menge von Alkohol im Blut eines 26-Jährigen hat vier Kindern die Mutter geraubt. Der Unfall geschah in einer Nacht Mitte Dezember, zehn Tage vor Heiligabend. Auf der Autobahnabfahrt zur Schlossstraße in Steglitz rammt der junge Mann mit seinem BMW einen VW Polo, der an der Ampel steht. Der Kleinwagen wird gegen eine Laterne geschleudert. Die 44 Jahre alte Beifahrerin stirbt. Kurz vor dem tödlichen Zusammenstoß an der roten Ampel hatte der 26-Jährige auf der Stadtautobahn in Richtung Steglitzer Kreisel bereits einen anderen Wagen beim Überholen touchiert – und war dann einfach weitergefahren.

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 26-jährigen BMW-Fahrer inzwischen wegen fahrlässiger Tötung, Gefährdung des Straßenverkehrs und Fahrerflucht, wie ihr Sprecher Martin Steltner am Montag auf Anfrage sagte. „Bis Anklage erhoben werden kann, wird noch eine unbestimmte Zeit vergehen“, sagte Steltner.

Die Polizei ermittele im Auftrag der Staatsanwaltschaft weiter, so Steltner. Es stünden noch Gutachten zu dem Unfall aus, 17 Zeugen müssten vernommen und ihre Aussagen ausgewertet werden. Unter anderem würden Zeugen aus dem Umfeld der Beteiligten befragt. Die vierfache Mutter, deren Mann auf dem Fahrersitz des VW Polo gesessen hatte und mit Kopfverletzungen behandelt werden musste, sei nach dem Unfall obduziert worden. Der Unfallfahrer war von der Polizei entlassen worden, nachdem seine Personalien festgestellt und ihm Blut abgenommen worden war. Der Bluttest habe die 1,6 Promille Alkoholwert ergeben, so Steltner weiter.

Fahndung läuft weiter

Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren stehen im Strafgesetzbuch allein auf die Verkehrsunfallflucht. Untersuchungen in dieser Angelegenheit erwarten auch den Fahrer eines litauischen BMW, der am Wochenende einen Unfall auf der Stadtautobahn verursacht hat – sofern die Polizei den Fahrer noch ermitteln kann.

Der Wagen hatte am späten Sonnabend in der Nähe des Dreiecks Funkturm einen Opel beim Überholen gestreift, der daraufhin ins Schleudern geriet und in die Fahrbahnbegrenzung krachte. Der BMW fuhr noch ein Stückchen weiter, dann ließ der Fahrer seinen Wagen stehen und flüchtete zu Fuß, wie Zeugen der Polizei später sagten. Bisher gebe es noch keinen neuen Ermittlungsstand, die Fahndung laufe weiter, sagte eine Polizeisprecherin am Montag. Der BMW hatte litauische Kennzeichen und war vorn stark beschädigt – der Schaden kann offenbar aber nicht von dem seitlichen Zusammenstoß mit dem Opel auf der Autobahn stammen.

Die Chancen, dass die Polizei den Flüchtigen ermittelt, liegen ungefähr bei 50 zu 50. Das jedenfalls legt der Blick auf die Verkehrsstatistik der Polizei aus den letzten Jahren nahe, in der die Aufklärungsquote bei Verkehrsunfallflucht zwischen knapp 42 und 49 Prozent schwankt. Etwa 28.500 Fälle von „unerlaubtem Entfernen vom Unfallort“ zählte die Berliner Polizei 2012 vom Blechschaden bis zum schweren Personenunglück – bei insgesamt gut 131.000 Unfällen. Die Fallzahlen schwankten in den vergangenen Jahren nur wenig, in der Tendenz gab es zuletzt einen leichten Anstieg. Rund 1700 Menschen wurden bei Unfällen 2012 leicht verletzt, bei denen der Verursacher anschließend Reißaus nahm. 125 Menschen erlitten dabei schwere Verletzungen, ein Mensch starb. Mit einem etwas anderen Fall von Fahrerflucht hat die Berliner Polizei zudem seit vergangener Woche zu tun. Der Autofahrer, der in der Nacht zu Donnerstag einen bolivianischen Austauschschüler niedergestochen hatte, ist weiter flüchtig. Bisher sei ergebnislos nach ihm gesucht worden, sagte ein Polizeisprecher. Bis zum Wochenende habe es bisher erst vier Hinweise von Zeugen gegeben. Das 16 Jahre alte Opfer konnte die Intensivstation nach Polizeiangaben mittlerweile verlassen.

Der Schüler hatte mit seinen Freunden zu Fuß eine Straße am Halleschen Tor in Kreuzberg überquert, dabei hatte die Gruppe offenbar den Autofahrer an der Weiterfahrt gehindert, der daraufhin einen Streit anfing, aus dem Auto stieg und plötzlich auf den Teenager einstach. Der Täter soll 25 bis 35 Jahre alt und auffällig groß sein – laut Beschreibung etwa 1,95 Meter. Zeugen zufolge soll der Mann südländisch gewesen sein, teilte die Polizei in ihrem Zeugenaufruf vergangene Woche mit. Bei ihm in dem als hellen Viertürer mit glänzenden, neu wirkenden Felgen beschriebenen Auto saßen drei Frauen, die von der Polizei dringend aufgefordert werden, sich zu melden.