Prozess

Tiefe Schnitte in die Oberschenkel

Prozess um Attacke auf 40-Jährigen. Angeklagt sind drei Türken

Khalil Y. hatte mit dem Angriff nicht gerechnet. Er saß am 16. März vergangenen Jahres gegen 0.30 Uhr in einem Café in Charlottenburg und spielte Karten, als die drei Männer hereinstürzten und ihn mit einem Messer, Schlägen und Fußtritten attackierten. Alles ging blitzschnell. Von 36 Sekunden ist die Rede. Es gibt die Aufzeichnung einer Überwachungskamera. Anschließend flohen die Täter mit zwei wartenden Fahrzeugen. Khalil Y. lag schwer verletzt auf dem Boden.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei den Tätern um drei zwischen 28 und 32 Jahre alten Türken handelt, einer von ihnen soll ein guter Freund des Skandal-Rappers Bushido sein. Sie sitzen nun im Moabiter Kriminalgericht unter strengen Sicherheitsvorkehrungen auf der Anklagebank. Alle drei ließen über ihre Verteidiger verlauten, dass sie sich zu den Vorwürfen nicht äußern werden.

Ein vierter Täter, der im Vorraum des Cafés Schmiere gestanden haben und andere Zeugen bedroht haben soll, konnte noch nicht gefasst werden. Staatsanwältin Jana Behrendt sieht „als mögliches Motiv für diesen Anschlag einen Racheakt“. Bei den Ermittlungen habe sich herausgestellt, dass Khalil Y. vor Gericht in einer anderen Sache gegen des Mitglied eine berüchtigten arabischen Großfamilie ausgesagt habe. Das hätten Mitglieder der Familie möglicherweise so nicht hinnehmen wollen und sich an zumindest einen der Angeklagten gewandt. Tenor: Khalil Y. müsse bestraft werden. Offenbar hatte dessen Aussage vor Gericht nicht einmal gestimmt. Peter Zuriel, der einen der Angeklagten verteidigt, sagte während einer Prozesspause, Khalil Y. sei inzwischen wegen Falschaussage rechtskräftig verurteilt worden. Der 40-Jährige erlitt bei der Attacke in dem Café in Charlottenburg eine Nasenbeinfraktur und teilweise sehr tiefe, stark blutende Schnittwunden am Gesäß und an beiden Oberschenkeln. Absicht der Täter sei es mit hoher Wahrscheinlichkeit gewesen, den Zeugen so schwer zu verletzen, dass er nicht mehr laufen kann, sagte Staatsanwältin Behrendt. Daher auch die Anklage wegen versuchter schwerer Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung.

Ob Khalil Y. in diesem Prozess direkt aussagen wird, ist offen. Staatsanwältin Behrendt beantragte am Montag, Khalil Y. in einem Nebenraum zu vernehmen und seine von den Prozessbeteiligten gestellten Fragen mit Hilfe einer Kamera in den Verhandlungssaal übertragen zu lassen. Der Zeuge sei nervlich nicht in der Lage, im Verhandlungssaal aufzutreten. Die Verteidiger widersprachen diesem Antrag. Es gebe bis dato kein Attest über einen derartig desolaten Nervenzustand des Zeugen, hieß in der Begründung. Das Gericht hat die Entscheidung – Videovernehmung ja oder nein – vertagt. Zunächst soll dazu erst einmal Khalil Y.s Anwältin, die für ihn vor Gericht die Nebenklage vertritt, Stellung nehmen. Der Prozess wird am 10. Januar fortgesetzt.