Kriminalität

Dreimal mehr Steuer-Selbstanzeigen

Fast 1000 Berliner Bürger stellen sich nach dem Fall Hoeneß dem Fiskus

Ob es tatsächlich die Angst der Wohlhabenden ist, wie Uli Hoeneß dann doch irgendwann ins Visier der Steuerfahnder zu geraten, ist offiziell nicht bekannt. „Wir betreiben keine Ursachenforschung“, heißt es aus der Stauerfahndung, „und erfragen nicht die Motive.“ Doch die Zahl der Selbstanzeigen wegen Steuervergehen in Berlin hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht. Bis zum 31. Dezember meldeten sich insgesamt 966 Bürger freiwillig beim Fiskus – 2012 waren es 303 gewesen, wie die Finanzverwaltung mitteilte.

Auffällig und ein Beleg für die These von der Motivation durch das abschreckende Beispiel des FC-Bayern-Präsidenten ist der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Quartal des Jahres 2013. Von 118 Selbstanzeigen in den ersten drei Monaten sprang die Zahl für April, Mai und Juni auf 267, fast die Summe des gesamten Jahres 2012, als sich 303 Steuerpflichtige stellten.

Die Causa Hoeneß war Ende März bekannt geworden und beschäftigte das Land auch in den darauf folgenden Wochen. Entsprechend hoch blieb die Neigung von Steuersündern, sich dem Fiskus zu offenbaren. Im dritten Quartal gingen 310 Personen diesem Schritt in der Hoffnung auf Straffreiheit oder -minderung, im letzten Viertel des Jahres folgten weitere 271.

Berlin liegt mit einer Verdreifachung der Selbstanzeigen genau im bundesweiten Durchschnitt. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat für ganz Deutschland mit einer Umfrage unter den Finanzbehörden die gleiche Entwicklung festgestellt. Allein in Baden-Württemberg – wo vergleichsweise viele Reiche wohnen – gingen der „SZ“ zufolge bis kurz vor Jahresende 6080 Selbstanzeigen ein. In Nordrhein-Westfalen waren es 4257, in Bayern 3900.

Seit die Behörden 2010 die ersten CDs mit Daten von Steuerhinterziehern in der Schweiz und Liechtenstein erwarben, haben sich 2316 Steuerpflichtige bei den Berliner Finanzbehörden selbst angezeigt. Schon im Jahr 2010 hatte es nach dem Ankauf von geheimen Steuerdaten eine erste Welle von Selbstanzeigen gegeben. Damals meldeten sich in Berlin 854 Steuersünder nachträglich. Insgesamt flossen nach Selbstanzeigen nach den bisher verfügbaren Daten der Senatsverwaltung für Finanzen etwa 136 Millionen Euro zusätzlich in die Staatskasse.

Wie viel Geld die Selbstanzeigen aus dem Jahr 2013 bringen werden, ist noch nicht abzusehen. Bisher hat sich die eingetriebene Summe nur leicht von 22 Millionen Euro 2012 auf 24 Millionen 2013 erhöht. Nach einer Selbstanzeige vergehen jedoch in der Regel ein bis zwei Jahre, ehe das Geld an den Fiskus fließt. Es ist also mit einem zweistelligen Millionenbetrag zu rechnen. Bundesweit hat es seit dem Kauf der ersten Schweizer Steuer-CD im Februar 2010 mehr als 60.000 Selbstanzeigen gegeben. Die Einnahmen aus nachversteuerten Einkünften, die allerdings teilweise aus Anzeigen früherer Jahre resultieren, hätten sich in diesem Zeitraum auf rund 3,5 Milliarden Euro summiert.