Bauvorhaben

Hochsicherheitslabor wird später fertig

Robert-Koch-Institut muss noch ein Jahr auf neue Diagnostik- und Forschungsstätte warten

Das neue Hochsicherheitslabor des Robert-Koch-Instituts (RKI) Berlin wird voraussichtlich ein Jahr später fertig als geplant. Gründe für die Verzögerung seien unter anderem Insolvenzen von Baufirmen und Probleme bei der Auftragsvergabe, teilte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums mit. Der 2010 begonnene Neubau soll nun Ende dieses Jahres fertig sein.

Die Kosten wurden zunächst auf 75 Millionen Euro angesetzt. Die bisherige Steigerung liegt bei 3,6 Millionen Euro. Zur Höhe der Mehrkosten durch die Bauzeitverlängerung konnte das Ministerium wegen noch laufender Verhandlungen mit Firmen bislang keine Aussagen treffen. Das Haus an der Seestraße in Wedding soll auf einer Fläche von etwa 22.000 Quadratmetern mehrere Labore bis zur höchsten Sicherheitsstufe 4 beherbergen. Dort soll künftig die Erforschung und Diagnostik von lebensgefährlichen Krankheitserregern möglich sein.

Im so genannten S4-Labor soll dann insbesondere Diagnostik möglich sein, um Verdachtsfälle für Infektionen mit Erregern der höchsten Schutzstufe 4 untersuchen zu können. Dazu gehören zum Beispiel das Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber-Virus, Lassa- oder Ebolaviren. Auch gefährliche neuartige Erreger wie SARS würde man zumindest am Anfang mit der höchsten Sicherheitsstufe untersuchen. Hinzu kommen internationale Überlegungen der Genehmigungsbehörden, Erreger in höhere Schutzstufen als bisher einzugruppieren, insbesondere solche Erreger, deren weltweite Ausrottung in Reichweite ist, zum Beispiel bei Polio.

Vergaberügen von Bietern

Es geht also um die Diagnostik besonders schwerwiegender Erkrankungsfälle. Dafür ist das neue Labor angesichts der benachbarten Sonder-Isolierstation des Virchow-Klinikums der Charité, das ebenfalls in Wedding ist, gut gelegen. Darüber hinaus ist dort Grundlagenforschung geplant. Welche Themen in diesem Zusammenhang bearbeitet werden, hängt von den Wissenschaftlern ab, die im Labor arbeiten. Die entsprechenden Stellen werden 2014 ausgeschrieben. Zudem sollen Laborkapazitäten auch für externe Wissenschaftler zur Verfügung stehen.

Bauherr ist das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Die Fertigstellung war ursprünglich für Ende des Jahres 2013 geplant. Laut der Sprecherin des Gesundheitsministeriums sind die Arbeiten weit fortgeschritten. „Aktuell wird der Innenausbau vorangetrieben, insbesondere die Installation der hochkomplexen gebäude- und labortechnischen Anlagen.“

Firmeninsolvenzen in sogenannten Schlüsselgewerken hätten dazu geführt, dass Unternehmen, die anschließend an der Reihe gewesen wären, ihre Arbeit nicht pünktlich beginnen konnten. „Verschiedene Ausschreibungen mussten aufgehoben und wiederholt werden, da gar keine oder keine verwertbaren Angebote eingegangen waren, die den technischen Spezifikationen und/oder den formalen Anforderungen entsprachen“, erläuterte die Sprecherin.

Bei mehreren europaweiten Vergabeverfahren hätten zudem Vergaberügen von Bietern, die in den meisten Fällen unbegründet waren, zu bis zu neun Monate langen Verzögerungen bei der Beauftragung von Firmen gesorgt. Es sei nötig gewesen, ein Aufholkonzept zu erstellen und den Bauablauf umzustellen. Die Verspätungen hätten dadurch teilweise ausgeglichen werden können.

Anstieg der Baupreise

Die bisherige Kostensteigerung von 3,6 Millionen Euro sei neben dem allgemeinen Anstieg der Baupreise durch zusätzliche Bauarbeiten infolge neuer oder geänderter Auflagen entstanden.

Das RKI müsse nun einen sehr hohen Aufwand betreiben, um das alte Gebäude funktionstüchtig zu halten. Außerdem könne noch nicht auf dem sogenannten S4 Niveau unter höchsten Sicherheitsstandards gearbeitet werden, weil die bisher vorhandenen Labore nur bis Stufe 3 reichen.

Krankheitserreger sind in vier Risikogruppen eingeteilt. Zu jeder Gruppe gehört eine Schutzstufe. Diese bestimmt die Anforderungen an Räume, Ausrüstung und Arbeitsabläufe, die für den Umgang mit diesen Erregern nötig sind. Labore mit der Sicherheitsstufe 4 im humanmedizinischen Bereich gibt es bereits an der Universität Marburg und am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Im Tiermedizinischen Bereich existiert ein derartiges Labor am Friedrich-Loeffler-Institut der Universität Greifswald.

Das Betreiben der Sicherheitslabore setzt technische Anlagen mit einem hohen Anspruch an Funktion und Sicherheit voraus. Besonders wichtig ist der Schutz vor dem unkontrollierten Austritt von gefährlichen Viren in die Umwelt. Um dies zu gewährleisten, werden die Labore als Raum-in-Raum-System konstruiert und unter ständigem Unterdruck der Raumluft gehalten. Ein Austreten von Viren verhindern zudem Spezialfilter in der Lüftungsanlage, die hintereinander geschaltet sind.

Die Hochsicherheitslabore haben fünf Schleusen, die hintereinander durchlaufen werden müssen und nur für sicherheitsgeprüftes Personal in Vollschutzanzügen mit Sauerstoffzufuhr zugänglich sind. Beim Verlassen der Labore müssen die Mitarbeiter eine Chemikalienpersonendusche passieren. Alle Abwässer, die in den Laboren anfallen, werden mit Hilfe einer Abwasserinaktivierungsanlage dekontaminiert.