Bildung

Sekundarschulen finden nicht genügend Lehrer

Senatsbildungsverwaltung stellt Jahresbericht zu Berliner Schulen vor

Die Zahl der Berliner Schulen, an denen der Unterrichtsausfall zunimmt, wächst. Das geht aus dem aktuellen Statistikbericht „Blickpunkt Schule“ der Senatsbildungsverwaltung hervor. Insgesamt neun Prozent der Schulen hatten demnach im Schuljahr 2011/12 das Problem, dass mindestens vier Prozent aller Unterrichtsstunden ersatzlos ausfallen mussten. Im Schuljahr zuvor waren es acht Prozent. Zur Kategorie der Schulen mit „stärkerem Unterrichtsausfall“ zählten immerhin 19 Prozent der Einrichtungen. An immerhin 45 Prozent der Schulen gibt es nur einen geringen Stundenausfall.

Die Bildungsverwaltung ist mit der Bilanz dennoch ganz zufrieden. Die Schulleitungen hätten bewiesen, dass sie effektiv mit dem Vertretungsbudget umgehen und so den Ausfall auf dem Niveau der Vorjahre halten konnten, heißt es in dem Bericht. „Bei Schulen mit starkem Unterrichtsausfall wird von der jeweiligen Schulaufsicht genauer geprüft, welche Gründe es dafür gibt“, sagt Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung. Häufig sei es eine Frage des Schulmanagements, ob es gelinge, bei Krankheit Vertretungskräfte einzusetzen.

Bereits bei der Grundausstattung mit Personal gibt es jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Schulen. Besonders schwer haben es die Schulen in den Außenbezirken und sozialen Brennpunkten, ihre offenen Stellen zu besetzen. Das geht auch aus dem Statistikbericht „Blickpunkt Schule 2012/13“ hervor, der jetzt von der Senatsbildungsverwaltung ins Internet gestellt wurde. Demnach waren die Bezirke Treptow-Köpenick, Spandau oder Mitte deutlich unterausgestattet, während die Schulen in Tempelhof-Schöneberg rechnerisch zu viele Lehrer zur Verfügung hatten. Sieht man sich die Schularten an, hatten vor allem die Sekundarschulen Probleme, ausreichend Lehrer zu finden. An den 123 Sekundarschulen fehlten 61,7 Vollzeitlehrer, die Gymnasien dagegen hatten 71,7 Lehrer zu viel.

Vertretungsreserve gefordert

Die Vorsitzende der Vereinigung Berliner Schulleiter, Gunilla Neukirchen, fordert eine feste Vertretungsreserve direkt an der Schule, so wie es früher der Fall war. Denn so könnten sie schneller auch bei kurzzeitigen Erkrankungen reagieren. Jetzt müssen Kollegen oft Mehrarbeit leisten, um die Stunden der erkrankten Lehrer mit abzudecken. Die Initiative der angestellten Lehrer, „Bildet Berlin“, fordert eine Mindestausstattung der Schulen mit 105 Prozent Personal. „Nur so kann der Unterricht tatsächlich fachgerecht vertreten werden“, sagt Sprecher Florian Bublys. Bisher würde eine Vertretungsstunde häufig nur auf eine Betreuung der Schüler hinauslaufen. „Die Tatsache, dass sich Berlin schon daran gewöhnt hat, dass zehn Prozent des Unterrichts nicht regulär stattfindet, ist ein riesiges Problem, das zulasten der Bildung der Schüler geht“, sagt Bublys.

Problematisch ist, dass die Lehrerschaft überaltert ist. Insgesamt 63 Prozent aller Pädagogen sind älter als 50 Jahre. Auch das geht aus dem Bericht „Blickpunkt Schule“ hervor. Fast 5200 Lehrer sind über 60 Jahre alt. Dagegen sind nur knapp 600 Lehrer unter 30 Jahre alt. Insgesamt ein Viertel der Lehrer arbeitet nur in Teilzeit. „Für mich ist das ein klares Indiz, dass die Lehrer überlastet sind und die Aufgaben bei einer Vollzeitstelle nicht bewältigen können“, sagt Florian Bublys von der Lehrer-Initiative „Bildet Berlin“. Zum kommenden Schuljahr werden mehr als 2000 zusätzliche Lehrer benötigt, weil ein großer Teil der Kollegen in den Ruhestand geht. „Wir beginnen schon zum Februar mit den Einstellungen, die Ausschreibungen sind in vollem Gange“, sagt Beate Stoffers, Sprecherin der Verwaltung.

Schüler schwänzen weniger

Doch nicht immer sind die Lehrer schuld, wenn Schüler Unterricht verpassen. Der neue Jahresbericht „Blickpunkt Schule“ hält auch eine Statistik zu den Fehlzeiten der Schüler bereit. Insgesamt haben die Schüler im Jahr 2011/12 genau 6,4 Prozent der Schultage verpasst. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Fehlquote damit fast um 0,5 Prozentpunkte zurückgegangen. Unentschuldigt versäumt wurden 1,3 Prozent aller Schultage.

Erfreulich ist der leichte Rückgang der Schüler, die mit mehr als zehn Fehltagen, ganz gleich ob entschuldigt oder unentschuldigt, als schuldistanziert gelten. Im Schuljahr 2011/12 lag die Quote der distanzierten Schüler nur noch bei 19,4 Prozent, im Jahr zuvor waren es immerhin noch 20,6 Prozent. Die Quote der Schüler-Verspätungen ist allerdings mit 2,2 noch immer relativ hoch und hat sich zum Vorjahr kaum geändert. Im Jahr 2008/09 lag die Quote noch bei 1,8 Prozent und hat sich seitdem stetig gesteigert. Häufige Verspätungen können ein erstes Anzeichen für Schuldistanz sein.

Schuldistanz führe häufig zu Schulversagen und zum Verlassen der Schule ohne Abschluss, heißt es in dem Bericht. Um gemeinsam mit den Eltern ersten Anzeichen von Schuldistanz frühzeitig zu begegnen, sollen die Erziehungsberechtigten nun schon am ersten Tag des Fernbleibens informiert werden, wenn sie nicht bereits selbst ihr Kind morgens telefonisch entschuldigt haben. Doch nicht immer halten sich die Schulen daran. Durch das elektronische Klassenbuch, das derzeit an einigen Pilotschulen getestet wird, soll automatisch eine SMS an die Eltern gehen, wenn der Schüler nicht zum Unterricht erscheint.

Insgesamt haben 7,6 Prozent der Schulabgänger die Schule 2012 ohne Abschluss verlassen. Das Abitur haben 53,9 der Abgänger geschafft, 21,7 Prozent den Mittleren Schulabschluss und alle anderen einen erweiterten oder einfachen Hauptschulabschluss. Zu beachten ist allerdings, dass im vergangenen Schuljahr durch die verkürzte Schulzeit am Gymnasium der doppelte Abiturjahrgang die Schulen verlassen hat.