Berlin Trend

Wo die Berliner am liebsten einkaufen

Berlin Trend: Schloßstraße in Steglitz ist die Nummer 1. Im Osten ist der Alexanderplatz beliebt. City West gewinnt an Attraktivität

Die Schloßstraße ist bei den Berlinern erste Wahl zum Einkaufen und Flanieren. Die Steglitzer Magistrale gefällt 27 Prozent der Hauptstädter an besten unter den Einkaufsstraßen. Der Alexanderplatz folgt mit 17 Prozent vor dem Kurfürstendamm und seiner Umgebung mit 15 Prozent. Potsdamer Platz und Friedrichstraße werden von jeweils sieben Prozent bevorzugt.

Das hat der Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau ergeben. Infratest dimap fragte dazu zwischen dem 6. und 9. Dezember 1000 wahlberechtigte Berliner.

Die Sicht auf die Einkaufsstraßen hängt zwar stark vom Wohnort ab. So halten 38 Prozent der Menschen aus den westlichen Bezirken die Schloßstraße für die attraktivste Einkaufsmeile der Stadt, in der östlichen Stadthälfte hingegen ist der Alexanderplatz mit 31 Prozent am beliebtesten. Aber immerhin 13 Prozent der Ost-Berliner nennen die im Südwesten gelegene Schloßstraße, der Alexanderplatz liegt hingegen nur bei sieben Prozent der Menschen aus dem Westteil vorne. Alle anderen Einkaufsstraßen wie die Spandauer Altstadt oder die Gropiusstadt in Neukölln haben nur lokale Bedeutung.

Der Kurfürstendamm mit Tauentzienstraße ist im Vergleich zur Steglitzer Konkurrenz nur bei gut halb so vielen Menschen aus seiner unmittelbaren Umgebung der beliebteste Ort zum Shoppen und Spazieren. 20 Prozent der Befragten aus den West-Bezirken nannten den Kudamm als Favoriten. Im Ostteil der Stadt konnte der Prachtboulevard seine Strahlkraft noch kaum entfalten, nur sieben Prozent der Bürger der östlichen Bezirke finden die City West die interessanteste Meile zum Einkaufen. Auffällig ist, dass die jungen Berliner mit dem Kurfürstendamm offenbar wenig anfangen können. Nur sieben Prozent der 18- bis 24-jährigen fällt der Kudamm ein, wenn sie an ihre liebste Einkaufsstraße denken. Bei den Älteren über 60 liegt der Kurfürstendamm hingegen mit 19 Prozent sogar vor dem Alexanderplatz auf Platz zwei. Der Mittelpunkt der City-Ost steht bei den Jungen insgesamt hoch im Kurs. In der jüngsten Altersgruppe liegt der Alexanderplatz vorne, mit 26 Prozent rangiert er vor der Schloßstraße mit 24 Prozent.

Den Einzelhandelsexperten Andreas Malich vom Maklerhaus CB Richard Ellis überrascht das Votum der Berliner für die Schloßstraße nicht. Er verweist darauf, dass jeder vierte Euro, den Berliner Einzelhändler einnehmen, von Touristen stammt. Deswegen sei es kein Widerspruch, wenn es etwa am Kurfürstendamm oder rund um den Hackeschen Markt viel Kundschaft gebe, diese Gebiete aber bei den Berlinern nicht so gut abschneiden. Schloßstraße und Alexanderplatz seien hingegen „etablierte Berliner Lagen“, sagte Malich. Die Einkaufstradition reiche viele Jahrzehnte zurück. In Steglitz stand mit dem Forum das erste Einkaufszentrum der Stadt, am Alexanderplatz eröffneten schon vor dem Zweiten Weltkrieg große Kaufhäuser, zu DDR-Zeiten vermittelte hier eines der größten Warenhäuser des gesamten Ostblocks ein wenig Konsumatmosphäre. „Das sind gelernte Standorte“, sagte der Experte. Der Kudamm sei hingegen eher ein Ort, den die Menschen vielleicht einmal im Monat besuchten. Der Alexanderplatz profitiert von seiner Funktion als Verkehrskonotenpunkt mit 300.000 Passanten pro Tag. Das Einkaufszentrum Alexa ergänze das bis dahin bestehende Angebot sehr gut, ist Malich überzeugt.

Die Schloßstraße mit insgesamt 200.000 Quadratmetern Verkaufsfläche punkte mit schönen alten Häusern, Cafés und gleich vier Einkaufszentren, dem Schloss am südlichen Ende, dem Forum Steglitz und dem neuen Berlin Boulevard dazwischen sowie dem Schloßstraßen-Center, das durch den Einzug der angesagten irischen Kette Primark wieder belebt wurde. Damit biete die Straße alles, was eine gute Einkaufsgegend brauche. Urbanität sei wichtig, sagte Malich, also Restaurants und andere Angebote, die direkt mit Shopping nichts zu tun hätten. Eine Straße müsse auch jenseits der Suche nach schönen oder nützlichen Waren eine gewisse Aufenthaltsqualität bieten. Eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei essenziell, ebenso wie ausreichend Parkplätze. Wichtig sei natürlich auch das Einzugsgebiet und das sei eben mit bürgerlichen Stadtteilen Steglitz, Wilmersdorf, Zehlendorf bis hin nach Teltow sehr groß und zahlungsfähig. „Die Kaufkraft sitzt immer noch im alten Westen“, sagte Malich. Deswegen traut Malich der West-City weiteres Aufholen zu. Dazu werde beitragen, wenn das Kudamm-Karrée zu einem modernen Einkaufszentrum entwickelt werde. Der Aufwärtstrend der westlichen Innenstadt ist den Berliner nicht verborgen geblieben. 33 Prozent der im Berlin Trend befragten sagten, das Gebiet um Kurfürstendamm, Breitscheidplatz und Tauentzienstraße sei in den letzten Jahren attraktiver geworden. 18 Prozent der Bürger haben einen gegenteiligen Eindruck. Aus Sicht von 27 Prozent hat sich nicht viel verändert.