Mittag mit

Razia Mizrahi

Jede Woche trifft sich Alexandra Kilian mit einem Menschen der Stadt zum Lunch.

Zurzeit arbeitet sie in Tel Aviv, dort begegnet sie Razia Mizrahi, israelische Schauspielerin und Autorin, im Nola’s. Es gibt: Ingwerminztee mit Zitrone.

Sie haben ein Musical über Berlin geschrieben, das bald in Tel Aviv aufgeführt werden soll. Wie kam es dazu?

Ich hatte Israel 2006 verlassen, um ein neues Leben in Berlin anzufangen. Weil ich mit der israelischen Politik hinsichtlich des Libanon-Krieges nicht einverstanden war – und so viel Gutes über die deutsche Hauptstadt gehört hatte. Eine Freundin, die Deutschland vorher besucht hatte, erzählte mir vom Tacheles-Team, das für eine Produktion noch Schauspieler suchte. Also bin ich losgeflogen. Mein Musical „Sterni“ ist eine Art Rap-Oper über meine Erlebnisse und Erfahrungen, die ich dann in Berlin gemacht habe. Eine Songschreiberin und Schauspielerin, die in einer Nacht in einem Musikklub zwei Charaktere trifft, die ihr Leben verändern. Einen Künstler und einen Musikproduzenten, der ihr Erfolg verspricht – und sie am Ende in einen zwielichtigen Klub namens „Armageddon“ statt in ein Studio mitnimmt. Der Künstler rettet das Mädchen aus den Händen des Musikproduzenten – er ist der Mann namens „Sterni“.

Eine wahre Geschichte? Welches ist dieser Klub, den Sie dort beschreiben?

Der „KitKatClub“. Aber: Das ist eine fiktive Geschichte, mit Parallelen zu der meinen. Berlin hat mir Türen geöffnet, ich habe mich in diese Stadt verliebt. Ich habe mich plötzlich so frei gefühlt, dass ich fast problemlos Musicals, ein Buch, Texte schreiben konnte. Ich war grenzenlos. Berlin war für mich der Platz, all meine Träume zu entdecken – und sie wahr werden zu lassen. Und die Berliner haben mich von Anfang an willkommen geheißen.

Zieht es auch deshalb so viele Israelis momentan nach Berlin?

Israel ist ein schönes und einzigartiges Land. Aber es ist nicht das einfachste Land, in dem man leben kann. Abgesehen von der schwierigen Sicherheitslage ist es teuer. Die Menschen müssen hart arbeiten, um über die Runden zu kommen. Besonders für Künstler wie mich ist es schwer. Und Berlin ist günstig, bietet viel Platz für kreative Menschen und Ideen.